Liebe Leser*innen,
wer heute eine Reise plant, kann innerhalb weniger Minuten auf eine kaum überschaubare Menge an Informationen zugreifen. Suchmaschinen, Bewertungsplattformen, Videos, Reiseblogs, Podcasts und zunehmend auch Chatbots liefern Inspiration, Planungshilfen, konkrete Empfehlungen und Buchungsmöglichkeiten. Auch klassische gedruckte Reiseführer haben keineswegs ausgedient. Zwar verzeichneten Reisebücher 2024 einen Umsatzrückgang von etwa 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die kontinuierlichen Neuauflagen großer Reisebuchverlage sowie spezialisierter Fachverlage deuten jedoch darauf hin, dass das Printformat in der Reisevorbereitung weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
Was all diese Informationsquellen verbindet: Sie vermitteln Wissen über Reiseziele, transportieren Bilder und erzählen Geschichten. Diese Darstellungen sind jedoch selten objektiv und neutral – und meist ein Blick von außen. In unserer Sommerausgabe nehmen wir daher unterschiedliche Facetten touristischer Wissensvermittlung in den Blick – in gedruckten wie digitalen Formaten – und fragen, welche Verantwortung mit der Gestaltung von Reiseinformationen verbunden ist.
Henriette Seydel und Bernard Ntahondi diskutieren im Interview zum „Dekolonialen Reiseführer Tansania“, wie lokale Perspektiven stärker in die Darstellung von Reisezielen einbezogen werden können und warum Mehrsprachigkeit dabei eine wichtige Rolle spielt. Melanie Uth von der Universität Potsdam zeigt, wie Reiseführer Vorstellungen von Sehenswürdigkeit prägen und Reiseziele, Kulturdenkmäler und Landschaften nach ihrer touristischen Verwertbarkeit gewichten.
Lea Thin analysiert, wie Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok touristische Erwartungen prägen und welche Auswirkungen Social-Media-Hypes auf Destinationen und lokale Gemeinschaften haben können. Susanne Eigermeier und Claudia Mitteneder gehen schließlich der Frage nach, wie sich die Rolle von Tourguides im digitalen Zeitalter verändert und warum sie für das Verständnis von Reisezielen und gesellschaftlichen Zusammenhängen vor Ort unverzichtbar bleiben.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und einen schönen Sommer – egal, wo Sie ihn verbringen.

