Liebe Leser*innen,
aktuelle Krisen und ihre geopolitischen Auswirkungen machen Reiseentscheidungen komplexer. Der Sicherheitsreport 2026 der ERGO Reiseversicherung zeigt, wie stark diese Entwicklungen Reisende beschäftigen. In der Erhebung wurden 1.240 Reisende zu ihren Sicherheitsbedürfnissen im Urlaub befragt. Zu den drei größten Sorgen der Befragten zählen Kriminalität (40 Prozent), Kriege, politische Unruhen oder bewaffnete Konflikte (38 Prozent) sowie Krankheiten (31 Prozent). Sicherheitsbedenken haben auch konkrete Folgen für die Reiseplanung: 63 Prozent der Befragten würden bestimmte Reiseziele meiden oder gezielt als sicher eingestufte Länder wählen. Fast 40 Prozent geben an, eine Reise bei einer Verschlechterung der Sicherheitslage abzubrechen.
Doch Sicherheit im Tourismus betrifft nicht nur Reisende und Reiseveranstalter. Maßnahmen und Strukturen, die der Sicherheit von Reisenden dienen, können Auswirkungen auf die Menschen haben, die in den Destinationen leben. In unserer Herbstausgabe betrachten wir Reisesicherheit daher aus unterschiedlichen Perspektiven und fragen, wie sie mit Menschenrechten, gesellschaftlicher Teilhabe und nachhaltiger Entwicklung zusammenhängt.
Apoena Mano zeigt am Beispiel des Favela-Tourismus in Rio de Janeiro, wie die Sicherheitsbedürfnisse von Tourist*innen priorisiert werden, während die Bewohner*innen seit Jahrzehnten mit Kriminalität und Polizeigewalt konfrontiert sind. Dennoch sind solche Ungleichheiten nicht unveränderlich. Sarah Becklake untersucht, wie Sicherheitspraktiken im Tourismus selbst neue Unsicherheiten schaffen, bestehende Ungleichheiten verstärken und damit nachhaltige Entwicklung untergraben können. Im Interview mit Mirko Jacubowski von A3M – einem Anbieter von Lösungen zum Management von Reiserisiken – schauen wir schließlich darauf, wie Sicherheitsrisiken für die Branche bewertet werden und worauf es bei ihrer Kommunikation ankommt, um Destinationen nicht vorschnell zu stigmatisieren
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

