World Tourism Day 2021

Den Tourismus fit machen für die Zukunft

Antje Monshausen
Woman looking through Telescope_Uganda
© Slim Emcee_Unsplash

Die Staatengemeinschaft begeht seit 50 Jahren alljährlich am 27. September den Welttourismustag. Die Welttourismusorganisation, die die Feierlichkeiten austrägt, würdigt an dem Tag das Potential des Tourismus für nachhaltige Entwicklung. Unter dem Titel „Tourismus und inklusives Wachstum“ stehen 2021 zum achten Mal hintereinander die wirtschaftlichen Potentiale im Mittelpunkt. Die ökologischen Herausforderungen waren zuletzt 2013 Thema. Dass der Klimawandel ins Zentrum gestellt wurde, ist schon mehr als zehn Jahre her (2008). Seitdem sind die Emissionen des Tourismus um ein Viertel gewachsen.

Die sozialen Auswirkungen des Tourismus sind am Welttourismustag eher schmückendes Beiwerk – auch in diesem Jahr, wo das Attribut „inclusive“ etwas künstlich vor das Wort „growth“ gesetzt wurde. Es ist klar: Growth, also Wachstum, ist der Familienname, inclusive nur der „Vorname“. Die Welttourismusorganisation hat das alte Wachstumsmodell im Blick, statt die dringend notwendige Transformation des Tourismus in einer sich stark erhitzenden Welt in den Blick zu nehmen.

Und doch liegt in der Themensetzung Potential: In ihrem Hintergrundpapier bezieht sich die Welttourismusorganisation explizit auf den „leave noone behind“-Ansatz der Vereinten Nationen, nach dem niemand zurückgelassen werden soll. Sie benennen die Betroffenheit durch die Corona-Pandemie gerade der ärmsten und am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Gleiches gilt für den Klimawandel: betroffen sind am wenigsten die, die sich mit Klimaanlagen, Flutmauern und Zweitwohnsitzen etwas Ruhe vor Hitze, Waldbränden und Überflutungen erkaufen können. Am stärksten betroffen sind die Menschen im globalen Süden – Frauen, indigene Gruppen, Kleinbäuerinnen und Fischer. Sie in den Mittelpunkt zu stellen und dafür zu sorgen, dass der Tourismus positiv auf sie wirkt – ist das Gebot der Stunde.

Eine (Tourismus-)Politik, die den Anspruch hat, globale Strukturpolitik zu sein und die Weichen des dynamischsten Wirtschaftsbereichs der Welt in Richtung Zukunft zu stellen, sollte mindestens diese drei Themen in den Mittelpunkt stellen.

  1. Klimawandel und Emissionsreduktion
  2. Menschenwürdige Arbeit und Schutz von Kindern
  3. Politische Partizipation der lokalen Gemeinschaften

Der heutige Welttourismustag findet einen Tag nach der Bundestagswahl statt. Unsere Forderungen richten sich deshalb nicht nur an die Welttourismusorganisationen und diejenigen, die global den Tourismus gestalten, sondern auch die Politik in Deutschland. Tourismus ist kein Sonnenscheinthema, sondern benötigt die vollste Aufmerksamkeit, damit sich der Tourismus im Lichte der klima- und sozialpolitischen Dringlichkeit in eine besseres Zukunft entwickelt.

Die Zeit zu handeln ist jetzt – denn der Wandel wird kommen. Entweder wir gestalten ihn oder er wird uns überrollen.

Mehrere Nichtregierungsorganisationen und Netzwerke haben zum Welttourismustag Forderungen veröffentlicht. Hier eine Auswahl:  

  • Die Naturfreunde Internationale fordert gesetzliche Regelungen, die Unternehmen zur Verantwortung für die Menschen und die Umwelt verpflichtet – entlang der gesamten Lieferkette.
  • Die Kindesschutzorganisation ECPAT International unterstreicht die Relevanz von Kindesschutz beim Neustart des Tourismus nach Corona.
  • Sustainable Travel & Tourism Agenda fordert anlässlich des diesjährigen Themas unmittelbare Bemühungen, um unterdrückende patriarchale Machtstrukturen abzubauen.
  • Tourism Alert and Action Forum (TAAF) ruft dazu auf, Strategien zu vermeiden, die die Abhängigkeit vom Tourismus erhöhen.
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