Südafrika: Wasserverbrauch im Tourismus

Balanceakt zwischen Wassersparen und Wirtschaftsprioritäten

Von Lea Thin
Dürre im Südlichen Afrika
© Karin Schermbrucker

Das Wasser in Südafrika ist knapp. Während der Dürre in Kapstadt von 2016 bis 2018 hat die südafrikanische Regierung den Zugang zu Wasser daher stark eingeschränkt. Doch in Südafrika, laut Weltbank das Land mit stärksten Ungleichheiten, ist die Verteilung von Wasser auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit: Während die verarmten Townships ohnehin häufig keinen Zugang zum Wassernetz haben, trafen die temporären Regelungen vor allem die Arbeiterviertel in Kapstadt. Die Bewohnerinnen und Bewohner mussten frühmorgens mit Kanistern an Wasserzapfstellen Schlange stehen, während in den reichen Vorstädten und schicken Touristenvierteln das Wasser noch lange weiter floss.

Tourismus um jeden Preis

Wasser und das Gastgewerbe sind in den letzten Jahren zu einem brisanten Thema geworden. Vor allem wasserintensive Tourismusaktivitäten erhöhen den Verbrauch. So könnte etwa die Wassermenge, die zur Bewässerung eines einzigen Golfplatzes verbraucht wird, für die Versorgung von bis zu 15.000 Haushalten ausreichen. Doch während der lokalen Bevölkerung bereits der Wasserhahn zugedreht wurde, durften Hotels und Touristenattraktionen 2018 noch lange ohne Einschränkungen ihre Pforten offenhalten. Der wirtschaftliche Wert des Tourismus sei einfach zu wichtig, meint Dr. Anthony Turton, Professor für Umweltmanagement an der University of Free State in Südafrika und Mitautor des World Water Assessment Program 2012: "Eine Schließung des Sektors hätte schwerwiegende Auswirkungen auf die südafrikanische Wirtschaft gehabt, die in keiner Relation zum Wasserverbrauch des Tourismus stehen. Ich würde sogar sagen, dass der Tourismus wahrscheinlich einer der effizientesten Umwandler von einer Einheit Wasser in eine Einheit wirtschaftlicher Entwicklung ist."  Dr. Jo Barnes, Wasserexpertin der Universität Stellenbosch, fügt hinzu: "Eine Einschränkung des Tourismus kann die nächste Wasserkrise in Südafrika nicht verhindern. Der Wasserverbrauch des Sektors ist zwar viel höher als der der Privathaushalte, aber im Vergleich zu anderen Sektoren wie der Landwirtschaft ist er nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch wurde die Branche letzten Endes zu wassersparendem Verhalten gezwungen – aus wirtschaftlichen Gründen. Als die Wasserkrise 2018 ihren Höhepunkt erreichte, wurde das Wasser zeitweise für die ganze Stadt abgestellt und der Verbrauch wurde auch teurer. Einige gehobene Hotels haben ihren Betrieb sogar komplett eingestellt, weil sie ihren Gästen nicht den besten Service bieten konnten.“

Wasserbewusster Tourismus: neue Normalität in Südafrika?

Und so fand die Tourismusbranche kreative Ideen, um die kostbare Ressource zu sparen, obwohl die Regierung ihr nicht explizit den Wasserhahn zudrehen wollte. "Letztendlich hat die Dürre ein Gefühl der Gemeinschaft geschaffen. Autos wurden nicht mehr gewaschen, Gärten nicht bewässerte und die Toilettenspülung seltener betätigt. Jeder hat versucht, Wasser zu sparen.  Auch die Menschen, die im Tourismus arbeiten. Die Tourismusbranche betreibt nun wasserbewusstes Management. Viele Golfplätze fangen zum Beispiel bereits das Regenwasser auf oder verwenden Abwasser. Das ist viel billiger, aber trägt auch dazu bei, Wasserressourcen zu schonen", so Dr. Barnes. Restaurants haben wassersparende Techniken installiert, Böden werden mit Wasser aus Klimaanlagen gewischt, Wasser aus Duschen, Badezimmern und Waschbecken wird in Auffangtanks für die Toilettenspülung gepumpt. Regenwasser von Dächern wird zur Bewässerung von Gärten verwendet und Wasserhähne und Duschköpfe mit geringem Durchfluss verwendet. Dennoch wurden wasserintensive Angebote wie Golfspielen oder Wasserparks nicht aus dem Tourismusportfolio Südafrikas gestrichen. Stattdessen sollen Gäste zu einem bewussteren Umgang mit Wasser aufgerufen werden, etwa durch die Kampagne #waterwisetourism.

Neue Anreize statt Restriktionen

"Südafrika hat ziemlich dürftig für künftige Dürreperioden vorgesorgt", kritisiert Dr. Barnes. Anstatt weitere Einsparlösungen und neue Quellen für Wasser zu finden, investiere Südafrika Millionen von Dollar in die veraltete Wasserinfrastruktur.  "Was wir im Gastgewerbe tun können, ist Wasser zu sparen, wo immer es möglich ist, und das Bewusstsein zu schärfen, damit auch Reisende wasserbewusster werden. Aus der letzten Krise haben wir gelernt, dass frühere "No-Gos" möglich und wichtig sind, um mit einer solch einschneidenden Ressourcenknappheit fertig zu werden, wie zum Beispiel den Wasserverbrauch in Haushalten UND in der Wirtschaft einzuschränken", so Dr. Barnes. Viel effektiver als Verbote, seien zudem Anreize für Hotels, Geld zu sparen, indem sie ihren Wasserverbrauch senken, meint Dr. Turton. "Die wichtigste Maßnahme wäre deshalb die Anpassung der Wasserpreise. Neben Südafrika gibt es keinen anderen Ort auf der Welt, an dem Privathaushalte einen höheren Wassertarif zahlen müssen als Großverbraucher. Würden die Großverbraucher für ihren Bedarf angemessen zur Kasse gebeten, hätten sie einen Anreiz, mehr Wasser zu sparen, zum Beispiel durch die Rückgewinnung von Wasser aus Abwasser. Eine faire Tarifstruktur könnte auch den Zugang zu Wasser für die lokale Bevölkerung verbessern. Den Staat kostet die Aufbereitung von Trinkwasser nur 0,25 EUR pro Kiloliter, er verkauft es aber für 2.41 EUR an Privathaushalte. Durch Großverbraucher könnten also erhebliche Gewinne erzielt werden, die zur Quersubventionierung für kostenloses Wasser in ärmeren Vierteln genutzt werden können.“

Ein Symbol für soziale Gerechtigkeit

Im Moment fließt das Wasser in Kapstadt wieder. Aber immer noch nicht überall: Die Wasserhähne in den Townships laufen weiter sporadisch, während sich Urlaubsgäste nach einem Tag am Strand den Sand von den Füßen waschen. Außerdem steht dem Land die nächste schwere Dürre bevor – diesmal in der Nelson Mandela Bay. "Eine der größten Schwachstellen Südafrikas, die sich durch die Pandemie gezeigt hat, ist der unzureichende Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen in armen und informellen Siedlungen. Es leben mehr Menschen in unversorgten Gebieten, als die aktuelle Wasserinfrastruktur fassen kann. Sobald die Pandemie einigermaßen unter Kontrolle gebracht ist, muss die Politik neue Prioritäten setzen und dem Grundbedürfnis nach Wasser mehr Aufmerksamkeit schenken, fordert Dr. Barnes. Das ist nicht verhandelbar." Den Tourismus für seinen Wasserverbrauch zur Verantwortung zu ziehen, mag dabei nicht die alleinige Antwort auf die Wasserkrise in Südafrika sein. Aber es ist sicherlich eine symbolische Antwort auf Südafrikas soziale Ungerechtigkeit.  Denn auch wenn es aus wirtschaftlicher Sicht der richtige Weg sein mag, den Tourismus auch während einer Wasserkrise zu fördern, muss das Recht auf Wasser auch für die ärmsten Haushalte gelten. Auch um des sozialen Friedens willen, von dem der Tourismus mindestens so sehr abhängt wie von Schwimmbädern und Golfplätzen.

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