Meldeplattform zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung

Ein neues europäisches Meldesystem bietet Reisenden die Möglichkeit, Hinweise zu sexueller Ausbeutung von Kindern über die jeweiligen nationalen Meldeplattformen weiterzugeben. Neben Deutschland haben bereits sechs Länder – Belgien, Österreich, Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien – eigene nationale Meldeplattformen online gestellt. Für Länder, in denen es (noch) keine gibt, findet man Helpline-Nummern oder Links zu den relevanten staatlichen Stellen oder Kinderrechtsorganisationen.

In Deutschland führt die europäische Seite auf die deutsche Meldeplattform www.nicht-wegsehen.net von ECPAT Deutschland e.V. und bietet Personen, die eine Straftat melden möchten, eine direkte Weiterleitung an die für "Kindersextourismus" zuständige Stelle beim Bundeskriminalamt. Über die Meldeplattform können erstmals in Deutschland auch nicht-personenbezogene Hinweisegemeldet werden. Das bedeutet, dass Informationen gesammelt werden können, an welchen Orten (Hotels, Restaurants, Schiffe etc.) Täter aktiv sind oder wo die Anbahnung zu diesen Straftaten stattfindet. Wenn man eine auffällige Situation beobachtet hat, in der Kinder gefährdet sein könnten, aber nicht sicher ist, ob eine Straftat vorliegt, kann man seine Beobachtungen ECPAT mitteilen. Fälle von Kinderpornografie werden in Deutschland an www.jugendschutz.net gemeldet.

Direkt vor Ort besteht außerdem die Möglichkeit, über die Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamtes, die meist in den Deutschen Botschaften sitzen, eine Meldung abzugeben. Alternativ kann man eine lokale Kinderrechtsorganisation kontaktieren, die die landesspezifischen Strukturen kennt und oft auch direkt mit Anwälten und der Polizei zusammenarbeitet. Eine Übersicht über alle ECPAT-Gruppen weltweit (die nicht immer ECPAT heißen) gibt es auf www.ecpat.net/where-we-are.

"Jede Meldung kann dazu beitragen, die Täter besser zu verfolgen und Kinder zu schützen", sagt Dorothea Czarnecki von ECPAT Deutschland. Auch wenn Hinweise sich als nicht strafrechtlich relevant herausstellen sollten, dientensie dennoch als wichtiges Puzzleteil für das Verstehen der Funktionsweisen und aktuellen Trends der sexuellen Ausbeutung.

Die Internetplattformen sind Teil des europäischen Projektes "Don't look away!", in dessen Rahmen derzeit die nationalen Meldemechanismen entwickelt und bekannt gemacht werden.

Meldeplattformen: www.nicht-wegsehen.net, www.reportchildsextourism.eu

Weitere Informationen: In Deutschland: www.ecpat.de, international: www.ecpat.net

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(2.331 Zeichen, Juni 2014)

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