Gesellschaftliche Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette

Drei Fragen an Andreas Müseler, Tour Operators Initiative for Sustainable Tourism Development (TOI)

Christina Kamp

Wie sich Reiseveranstalter entlang der gesamten Zuliefererkette für Nachhaltigkeit en­gagieren können, erläutert die "Tour Operators Initiative for Sustainable Tourism Development (TOI)" in ihrer Broschüre "Supply chain engagement for tour operators"*. Wie ein solches Engagement für gesellschaftliche Unternehmensverantwortung in der Praxis aussehen kann, wollten wir von Andreas Müseler wissen. Er ist Leiter der Ab­teilung Umwelt und Nachhaltigkeit bei Rewe Touristik und seit November 2009 neuer Vorsitzender der Tour Operators Initiative. In der TOI haben sich über 20 internationale Reiseveranstalter zusammengeschlossen, die sich eine nachhaltige Tourismusent­wicklung auf die Fahnen geschrieben haben.

TW: Seit einigen Jahren wird viel über Unternehmensverantwortung und Corporate Social Responsibility (CSR) diskutiert. Wo wird CSR bei Rewe Touristik sichtbar?

Andreas Müseler: Die Touristik der Rewe Group ist bereits seit Mitte der 90er Jahre in diesem Bereich aktiv. Beschäftigten wir uns anfangs hauptsächlich mit Umweltfragen, traten bald zunehmend soziale Gesichtspunkte ins Blickfeld. Heute sprechen wir von CSR. Gerade große Unternehmen werden zunehmend in die Pflicht genommen, ganzheitlich Verantwortung zu übernehmen.

Obwohl Tourismus global stattfindet, muss er lokal umgesetzt werden. Uns als Reiseveranstalter fällt dabei eine besondere Rolle zu. Wir sind das Bindeglied zwischen den direkten Leitstungserbringern in den Urlaubsländern und unseren Gästen. In dieser Rolle haben wir Verantwortung zu übernehmen. Das heißt für uns einerseits, mit unseren Leistungspartnern in den Urlaubsländern einen permanenten Dialog über mögliche Verbesserungen von Umwelt- und Sozialaspekten zu führen und ihnen dabei unterstützend zur Seite zu stehen. Dies geschieht durch persönliche Kontakte ebenso wie durch spezifische Programme.

Andererseits erwarten unsere Kunden zu Recht Transparenz und die Bereitschaft, auch zu kritischen Fragen Stellung zu beziehen. Dazu bieten wir unseren Kunden vielfältige Informationen an, in Form von Themenbroschüren oder über unsere Webseiten und Kataloge. Auch bieten wir ihnen die Möglichkeit, mit uns über verschiedene Wege in Kontakt zu treten, z.B. über eine spezielle Mailadresse, die man in jedem unserer Kataloge findet.

Ein weiteres Beispiel ist die aktive Umsetzung des Verhaltenskodex zum Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern. Dazu gehören Workshops für Partner, Mitarbeiter und Zielgebietsvertreter in Urlaubsländern ebenso wie interne Schulungsmaßnahmen und Informationen für unsere Gäste.

TW: Welche Möglichkeiten haben Sie als Reiseveranstalter, umweltverträgliches und sozial verantwortliches Handeln Ihrer Vertragspartner im Süden zu beeinflussen und welche Unterstützung bieten Sie Ihnen an?

Andreas Müseler: Da möchte ich als Beispiel unsere dauerhafte Aktion "Das Ferienhotel - Mit ökologischer und sozialer Verantwortung zum Erfolg"** nennen. Dabei handelt es sich um eine Broschüre, die zurzeit in vierter Auflage existiert und Hoteliers Tipps zur nachhaltigen Betriebsführung vermittelt. Diese Informationen versenden wir in verschiedenen Sprachen regelmäßig an unsere Hotelvertragspartner verbunden mit dem Angebot, bei Bedarf mit weiterführenden Informationen oder Kontakten zur Seite zu stehen. Darüber hat sich in den Jahren ein reger Dialog mit unseren Hoteliers zu Umwelt- und Sozialthemen entwickelt. Mit dieser Aktion wird nicht nur eine Hilfestellung erteilt, sondern auch das Signal gesetzt, wie wichtig der Touristik der Rewe Group Umweltschutz und Sozialverträglichkeit sind.

TW: Inwieweit gelingt es Ihnen, Ihre Vertragspartner in Planungs- und Entscheidungsprozesse für mehr Nachhaltigkeit im Tourismus einzubeziehen?

Andreas Müseler: Ein Problem für den Reiseveranstalter ist, dass er in der Regel erst die Bühne betritt, wenn Planung und Gestaltung bereits stattgefunden haben, das heißt wenn touristische Entwicklung bereits im Gange ist. Zu diesem Zeitpunkt ist die Nachhaltigkeit oft bereits zu kurz gekommen. Somit sind unsere Geschäftspartner häufig nicht die Entscheidungsträger, die eine touristische Entwicklung anstoßen. Mit letzteren aber frühzeitig in einen Gedankenaustausch einzutreten, wäre wünschenswert.

Dies ist auch für große Tourismusunternehmen nicht einfach. Deshalb haben wir gemeinsam mit Reiseveranstaltern aus der ganzen Welt bereits vor zehn Jahren die "Tour Operators Initiative for Sustainable Tourism Development" gegründet. Im weltweiten Branchenverbund und unter der Schirmherrschaft der Welttourismus­organisation, des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und der Unesco suchen wir gezielt den Kontakt zu den lokalen und nationalen Entscheidungsträgern für Tourismusentwicklung. Auf vielfältige Weise bringen wir so zum Ausdruck, dass wir nur in nachhaltiger Entwicklung die enormen Chancen, die Tourismus als Wirtschaftsform für viele Regionen darstellt, langfristig gewahrt sehen. Die Erfahrungen zeigen, dass dies der richtige Ansatz ist, im Sinne der Nachhaltigkeit.

* Supply chain engagement for tour operators. Three Steps Toward Sustainability. Tour Operators' Initiative for Sustainable Tourism Development (Hg.), 2004. Download: www.toinitiative.org/fileadmin/docs/publications/SupplyChainEngagement.pdf

** Das Ferienhotel - Mit ökologischer und sozialer Verantwortung zum Erfolg. Rewe Touristik (Hg.). Download: www.its.de/download/umweltbroschuere.pdf

(5.557 Anschläge, 76 Zeilen, Dezember 2009)

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