Von Machu Picchu bis Uluru

'Is the Sacred for Sale?'

Christina Kamp

Von Machu Picchu in den Bergen von Peru über Maasai Mara in Kenia bis hin zum Uluru (Ayers Rock) in Australien kommerzialisiert die Tourismuswirtschaft indigene Kulturen, um damit ihr Geschäft zu machen. In ihrem Buch 'Is the Sacred for Sale? Tourism and Indigenous Peoples' zeigt Alison Johnston, wie die Rechte indigener Völker auf ihr angestammtes Land und ihre Selbstbestimmung untergraben werden. Nachdem zuerst heilige Stätten zu Sehenswürdigkeiten wurden, stehen nun indigene Heilungszeremonien auf dem Spiel und auch das traditionelle Wissen indigener Völker, z.B. um die medizinische Wirkung verschiedener Pflanzenarten, ist zunehmend gefährdet.

Viele indigene Bevölkerungsgruppen, so die Autorin, seien sich der Tatsache bewusst, dass die Wirtschaft über die Beteiligung von Gemeinschaften am Tourismus ungehinderten Zugang zu ihrem Land bekommen will. Zwar spricht die Autorin einigen verantwortungsbewussten Reiseveranstaltern ihre guten Absichten und zum Teil auch ihre Unterstützungsfunktion für die Anliegen indigener Gemeinschaften nicht ab, doch oft würden sie unfreiwillig zu 'Agenten' staatlicher Assimilierungspolitik.

Alison Johnston stellt vor allem den Ökotourismus in Frage, der tief in indigene Gebiete eindringt. Sie hinterfragt auch die Rolle großer Nichtregierungsorganisationen, die sich für Naturschutzgebiete einsetzen und im Namen indigener Bevölkerungsgruppen um knappe Fördergelder konkurrieren, deren Vorgehensweisen jedoch keineswegs kulturell angepasst sind und die die Rechte der indigenen Bevölkerung missachten.

Die Autorin steigt auch in die Tiefen internationaler Verhandlungen ein, zum Beispiel zum UN-Übereinkommen über biologische Vielfalt, das ein internationales Rahmenwerk darstellt, in dem indigenen Bevölkerungsgruppen eine besondere Rolle zukommt oder zukommen sollte. Die Rechte indigener Völker auf ihr Land bedeuten weitaus mehr als Eigentumsrechte. Für viele indigene Völker umfassen sie die heilige Pflicht und Verantwortung, für das Land und alles Leben auf diesem Land Sorge zu tragen.

Entsprechend übt Alison Johnston nicht nur – aber auch – Fundamentalkritik an 'konsumeristischen' Denk- und Verhaltensweisen, sondern ruft auch dazu auf, sich auf die eigene Menschlichkeit zu besinnen, und darauf, wie alles Leben miteinander zusammenhängt. Sie plädiert für eine Neudefinition des Dialogs über nachhaltigen Tourismus und gibt konkrete Anstöße zum Infragestellen und Weiterdenken.

Is the Sacred for Sale? Tourism and Indigenous Peoples. Von Alison M. Johnston. Earthscan, London 2006. ISBN 978-1853838590. 381 Seiten.

(2.645 Anschläge,37 Zeilen, Juni 2008)

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