Von Corona zum Klima

Wie Hotels die Resilienz von Gemeinschaften fördern können

Von Bijan Khazai
Schulung „Earthquake“
© Antonio Balang

Die Corona-Pandemie traf alle touristischen Destinationen zur gleichen Zeit. Viele Regionen waren gleichzeitig von Waldbränden oder schweren Unwettern betroffen. Bislang zögerten Hotels mit Investitionen in eine umfassende Katastrophenplanung. Es gibt jedoch zunehmend Hinweise darauf, dass ein proaktives Krisenmanagement Vorteile hat. Es verbessert nicht nur die Sicherheit, den guten Ruf und die Gewinne von Hotels, sondern kann auch die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften stärken.

Obwohl das Gastgewerbe in der Corona-Pandemie mit einer existenziellen Krise zu kämpfen hat, helfen Hotels den Orten, an denen sie sich befinden auf vielfältige Weise. Sie verwandelten Hotelzimmer in Behandlungsräume und stellten kostenlose Unterkünfte für medizinisches Fachpersonal zu Verfügung, das an vorderster Front im Einsatz war. Einige dienten als Unterkünfte zur Quarantäne oder für Gruppen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko. Andere schafften Zusatzkapazitäten für Obdachlose und Geflüchtete oder sie spendeten Lebensmittel.

Katastrophenvorsorge – ein zeitgemäßes Konzept

Auch unabhängig von einer Pandemie wird inzwischen im Rahmen wichtiger globaler Initiativen wie dem Sendai Framework for Disaster Risk Reduction (SFDRR, 2015) anerkannt, wie wichtig Investitionen in die Katastrophenvorsorge im Tourismus sind. Wo der Tourismus erheblich zur Wirtschaft beiträgt, gilt es, Katastrophen- und Klimaresilienz in das touristische Dienstleistungsnetzwerk zu integrieren. Zwar sind einige Reiseziele eher von Katastrophen betroffen als andere. Doch alle Destinationen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwann in ihrer Geschichte die eine oder andere Art von Katastrophe erleben.

Einige globale Hotelketten haben begonnen, in sogenannte ESG-Assessments zu investieren, um ihre Auswirkungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu analysieren. Diese Assessments beinhalten auch detaillierte Kriterien zur Katastrophenresilienz und zum Klimaschutz. Nach wie vor reagieren die meisten Hotels jedoch nur auf Notsituationen, statt Risiken proaktiv zu analysieren. Eine aktuelle Studie der Pacific Asia Travel Association (PATA) ergab, dass über 60 Prozent der Hotels keine Pläne zum Management von Katastrophen haben.

Hotels als wichtige Akteure bei der Katastrophenhilfe

Dabei können Hotels nach einer Katastrophe eine besondere Rolle spielen, indem sie die umliegenden Gemeinden unterstützen und die wirtschaftliche Erholung in der betroffenen Region fördern. Hotels können große Gruppen beherbergen und verpflegen und bei Katastrophen Zuflucht bieten. Insbesondere bei Überschwemmungen und Tsunamis lassen Hotels sich zur Evakuierung nutzen. Sie sind mit Rettungsgerät, Lebensmittellagern, Wassertanks, Bettzeug, medizinischen Verbrauchsmaterialen, Transportmitteln und Kommunikationskanälen ausgestattet. Nach einer Katastrophe können sie ‘Inseln der Widerstandskraft‘ sein. Darüber hinaus verfügen sie über einen großen Teil der Infrastruktur zur Katastrophenhilfe und über robuste Lieferkettennetzwerke.

Aus der Corona-Pandemie lernen

Aufgrund von Corona mussten viele Hotels unter dem Stress und den Unwägbarkeiten einer sich entwickelnden Pandemie schnell Pläne zum Katastrophenmanagement entwickeln. Sie mussten rasch potenzielle Bedrohungen identifizieren und ihre Dienstleistungen in Bezug auf höhere Hygienestandards und das Abstandhalten anpassen. All dies musste fortlaufend geschehen, da die staatlichen Vorschriften ständig aktualisiert wurden. Die Hotels mussten auch Verfahren entwickeln, mit symptomatischen Gästen und Mitarbeitenden umzugehen sowie bestätigte Corona-Infektionen zu melden. Die Pandemie ließ viele Hoteliers die Bedeutung eines robusten Katastrophenmanagementplans und einer Resilienzstrategie erkennen.

Nach der Pandemie wird es mehr denn je Gelegenheit geben, Resilienz und Nachhaltigkeit auf eine integriertere Weise anzugehen. Einige Hotels wie auch einige Reisende werden wohl direkt weitermachen wollen wie bisher. Doch es gibt auch eine kritische Anzahl an Kund:innen, die besser informiert sind als je zuvor und die kluge Entscheidungen treffen, verantwortungsbewusst zu reisen. Gleichzeitig gibt es Hotels, die sich sehr viel ernsthafter und ganzheitlicher mit Resilienz auseinandersetzen wollen.

Unterstützung für mehr Resilienz in Hotels

Die Herausforderung besteht darin, an dieses Interesse anzuknüpfen und das sehr komplexe Thema nicht noch zu verkomplizieren. Während der Pandemie arbeitet Hotel Resilient mit Hotels zusammen und bietet Risikoanalysen, praktische Umsetzungsstrategien und Zertifizierungen für Hotels an. Aktuell liegt der Fokus auf Corona-bezogener Hygiene und Sicherheit, um es Hotels zu ermöglichen, wieder zu öffnen. Doch das Ziel besteht in einem langfristig resilienten Betrieb. Hotel Resilient ist im Jahr 2020 aus der Global Initiative for Disaster Risk Management (GIDRM) hervorgegangen und fördert die Umsetzung international anerkannter Resilienz-Standards, die flexibel genug sind, um den Bedürfnissen lokaler Gemeinschaften Rechnung zu tragen.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Hotels in der Lage sind, funktionale und betriebliche Veränderungen vorzunehmen und die Erholung der jeweiligen Zielgebiete zu beschleunigen. Die Pandemie zeigt, welch positive Auswirkungen resiliente Hotels haben könnten, wenn sie in der Lage wären, ähnliche Veränderungen in Richtung mehr Katastrophen- und Klimaresilienz vorzunehmen. Wenn Hotels beim Management ihrer Katastrophenrisiken nicht deutlich über ein ‘Weiter wie bisher’ hinausgehen, können sie keine optimale Rolle bei der Förderung von Resilienz und Nachhaltigkeit in ihren Gemeinden spielen.

Dr. Bijan Khazai ist Bauingenieur mit über 20 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Katastrophenrisikomanagement und Risikobewertung. Er ist CEO von Hotel Resilient, einer Beratungsorganisation mit Sitz in Karlsruhe, die Hotels bei der Umsetzung von Standards und Innovationen für Klima- und Katastrophenresilienz unterstützt.

Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp

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