Neues von der Esoterik-Abzocke "Himalaya Salz"

Ludmilla Tüting

Nachschlag zu unserem Bericht in TW 28:

Es ist unfasslich, was für ein Schindluder mit dem vermeintlichen "Himalaya-Salz" betrieben wird. Das Steinsalz stammt aus der zweitgrößten Salzmine der Welt in Pakistan und hat nichts mit dem Himalaya oder Tibet zu tun. Zur Klarstellung: Im Himalaya selbst gibt es von einer handvoll kleiner Salzseen abgesehen überhaupt kein Salz, Minen erst gar nicht. Alles Salz, das über den Himalaya auf Karawanen transportiert wird, stammt von Salzseen aus Tibet, genau, von der tibetischen Hochebene, die sich jenseits des Himalaya erstreckt.

Auch wenn sich die Zweifel bei KonsumentInnen häufen, bieten - durchweg falsch- oder/und uninformierte - Öko-Läden und Supermärkte unverdrossen ihr "Wundersalz", "Gesundheits-Salz" ("Himalaya-Kristallsalz, natürlich gesund") oder "Jungbrunnen-Salz" an.  20 Euro pro Kilo sind keine Seltenheit. In der Alpenrepublik Österreich scheint der Mythos auf besonders fruchtbaren Boden zu fallen. So kocht das renommierte "Gasthaus zum Hirschen" in Schwarzenberg nur noch mit dem "Naturprodukt" Himalaya-Salz, Bäckermeister Breuss aus Rankweil backt nur noch damit und ein Händler aus Schwarzach importiert allein 20 Tonnen pro Vierteljahr.

Aus Bayern stammt das "Lichtkraft-Hunza-Kristallsalz (geschützter Markenname für Himalaya-Salz)". Vollends fragwürdig ist die Behauptung, "Das Wappen von Hunza dürfen wir verwenden, da ein Teil Ihres Kaufpreises in ein zweckgebundenes Hilfsprojekt fließt". (Hunza ist eine Region im Norden Pakistans). Bei dem abgebildeten Wappen handelt es sich a) nicht um das von Hunza, b) sind alle Behauptungen unwahr. Unsere Recherchen ergaben eindeutig, dass es in Hunza kein Salz gibt. Tatsächlich wird es in großen Ziegeln per Lkw nach Hunza gebracht und stammt wie alles "Himalaya-Salz" aus den Minen der Salt Range in der Mitte Pakistans. Der Kulturimperialismus geht unverändert weiter. Wie wäre es, wenn ein Pakistani das bayerische Wappen auf schlabberiges Plastik-Weißbrot (englisches Erbe) kleben würde und es als urbayerische "Bretzel" vermarkten würde? Ob sich die Bayern das gefallen liessen? 

Auch "Schwarzes Salz aus dem Himalaya" ist mittlerweile auf dem Markt. Es sieht aus wie Steinsalz, ist aber tatsächlich ein mit Hilfe von Chemikalien hergestelltes künstliches Produkt. Es wird in der Nähe von Kanpur im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh hergestellt und wird in Südasien gerne bei Magen- und Darmbeschwerden verwendet... 

(2.452 Anschläge, 32 Zeilen, März 2003)

Tourism Watch Newsletter: Die wichtigsten Hintergrundinfos alle 2-3 Monate per Mail.

Infoservice

Die wichtigsten Hintergründe alle zwei bis drei Monate im Abo Hier abonnieren