Nachruf

auf Martin Stäbler

Werner Gebert

Am 23. November 1999 ist Martin Stäbler, der langjährige Leiter von "Tourism Watch", nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er hat sich in vier Jahrzehnten ökumenischem Engagements auch international ein hohes Ansehen erworben.

Martin Stäbler wurde am 15. Juni 1935 in Stuttgart-Plieningen geboren. Von 1959 bis 1965 war er Jugendbildungsreferent in Bad Boll und anschließend für sechs Jahre als Mitarbeiter von "Dienste in Übersee" (DÜ) der Mindolo Ecumenical Foundation in Sambia. Von 1971 an arbeitete er als Gemeindepfarrer in Geislingen. Er wurde Anfang 1974 Industriepfarrer und später Ökumenereferent an der Evangelischen Akademie Bad Boll. 1981 ging er mit einem DÜ-Vertrag als Berater im Auftrag der "Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Entwicklungsdienst" (AG KED) für drei Jahre nach Zimbabwe. Anschließend arbeitete er als Religionslehrer an der Berufsschule Göppingen.

Vom August 1988 bis zum Mai 1999 leitete Martin Stäbler die Fachstelle "Tourism Watch" bei Dienste in Übersee in Leinfelden-Echterdingen. Er war 1996 maßgeblich daran beteiligt, daß ein Weltkongreß gegen Kinderprostitution in Stockholm stattfinden konnte, der zum Ausgangspunkt für viele nationale Initiativen gegen den sexuellen Mißbrauch von Kindern und für die Stärkung internationaler Organisationen und Kampagnen wie ECPAT (End Child Prostitution in Asian Tourism) wurde.

Martin Stäbler gehörte zu den Gründungsmitgliedern des "Studienkreises für Tourismus und Entwicklung e.V.", der z.B. die Sympathie-Magazine herausgibt, die Touristen auf den Besuch in fremden Kulturen sensibel vorbereiten. Er war bis zu seinem Tode Vorsitzender des Studienkreises und hat außerdem auf vielfältige Weise dazu beigetragen, Verantwortliche der Tourismus-Industrie über negative Folgen des Tourismus in den Süden der Welt zu informieren und konkrete Schritte zu fordern und durchzusetzen, um diese Auswirkungen zu vermindern. Zu seinen Initiativen gehörten medienwirksame Veranstaltungen auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, eine Studie über die Auswirkungen der Globalisierung auf die im Tourismussektor Beschäftigten und Impulse für einen "Global Code of Ethics" im internationalen Tourismus.

Armin Vielhaber, der Geschäftsführer des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung, würdigt die Verdienste des Verstorbenen so: "Martin Stäbler hat - beharrlich und ohne Aufgeregtheit - auf Mißstände und Mitverantwortungen im Tourismus hingewiesen und die Dinge beim Namen genannt. Er hat wesentlich dazu beigetragen, daß das Problem des Sextourismus und der prostituierten Kinder in Entwicklungsländern von Politik und Öffentlichkeit international wahr- und ernstgenommen wurde. Er hat die Reisebranche aufgefordert, sich von den 'schwarzen Schafen' eindeutig und öffentlich zu distanzieren. Martin Stäbler war stets Dialog-orientiert. Das hat ihm international viel Respekt eingebracht - nicht zuletzt in der Reiseindustrie."

 

 

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