Aufruf zu internationaler Solidarität - UNWTO Klimakonferenz in Davos

HDR 2007/2008: Den Klimawandel bekämpfen
Christina Kamp

Um mehr als zwei Grad dürfen die globalen Durchschnittstemperaturen nicht steigen, warnt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Wird diese Schwelle überschritten, bestehe die Gefahr, dass der Klimawandel zu extremen Rückschlägen bei der menschlichen Entwicklung führt. Unter dem Titel „Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt“ stellt UNDP in seinem neuesten Bericht über die menschliche Entwicklung (Human Development Report - HDR) die Auswirkungen zunehmender Klimarisiken auf die anfälligsten Regionen oder gefährdetsten Menschen dieser Welt in den Vordergrund. Der Bericht 2007/2008 bereichert die Klimadebatte um starke entwicklungspolitische Argumente, untersucht Anpassungsstrategien und Handlungsoptionen und gibt konkrete Empfehlungen.

Die Ursachen des Klimawandels und seine kumulativen Wirkungen treten mit großer zeitlicher Verzögerung auf, stellt UNDP fest. Das mache es so schwierig, zum raschen, kollektiven Handeln zu mobilisieren – zumal diejenigen, die das Problem überwiegend verursacht hätten – die reichen Länder – nicht diejenigen sein werden, die auf kurze Sicht am meisten darunter leiden werden. „Die Industrieländer stehen gegenüber den Entwicklungsländern in besonderer Verantwortung und müssen eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen“, betonte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul anlässlich der Präsentation der deutschen Ausgabe des Human Development Report Ende November in Berlin. Einer der wichtigsten Handlungspunkte sei die radikale Emissionsreduktion.

CO2-Ausstoß besteuern

Im Laufe der kommenden zehn Jahre werde die Energiepolitik weltweit konsequent auf Emissionsvermeidung ausgerichtet werden müssen.
Als wichtige Eckpfeiler dafür werden im HDR die Besteuerung des CO2-Ausstoßes, stringentere Emissionshandelsprogramme, die Regulierung
des Energiesektors und die internationale Zusammenarbeit beim Transfer von Technologien mit niedrigem Kohlendioxid-Ausstoß genannt.

Ein entscheidender Schritt sei auch der Abbau „widersinniger Subventionen“. Flugbenzin für Inlands- und internationale Flüge ist in vielen Ländern steuerbefreit. Dies steht im offensichtlichen Widerspruch zur Besteuerung von Automobilkraftstoffen, bei denen die Abgaben einen beträchtlichen Anteil an den vom Verbraucher zu zahlenden Endpreisen ausmachen. Der Steuervorteil von Flugbenzin stelle eine implizite Subventionierung des Flugverkehrs dar. „Daher zählen die Streichung von Subventionen und die Besteuerung von Flügen und Flugzeugbenzin oder die Einbeziehung des Flugverkehrs in Emissionshandelssysteme zu den Prioritäten“, heißt es im HDR 2007/2008.

Anpassungs-Apartheid

Neben der Vorbeugung gehöre die Anpassung an die bereits nicht mehr abzuwendende Erderwärmung zu den Prioritäten. In vielen Ländern wird auch der Tourismus betroffen sein. Aus dem HDR geht
hervor, wie gerade kleine Inselstaaten in hohem Maße für Klimakatastrophen anfällig sind. Die jährlichen Schäden für die pazifischen Inseln Fidschi, Samoa und Vanuatu werden auf zwei bis
sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes geschätzt. Auch karibische Inselstaaten sind gefährdet. Wenn der Meeresspiegel um 50 Zentimeter
ansteigt, würden über ein Drittel der karibischen Strände verloren gehen – was natürlich auch für den Tourismus in der Region schwerwiegende Folgen hätte. Ein Anstieg des Meeresspiegels um einen
Meter würde rund elf Prozent der Landfläche der Bahamas dauerhaft unter Wasser setzen. Unter steigenden Meerestemperaturen leiden auch die
Korallenriffe, die nicht nur ökologisch besonders wertvoll sind, sondern in Regionen wie dem Indischen Ozean und der Karibik auch wirtschaftlich große Bedeutung haben – gerade auch für den Tourismus.

Der Tourismus ist einer der Sektoren, die in die Anpassung an den Klimawandel investieren müssen. Der HDR zeigt die globalen Ungleichheiten bei der Fähigkeit zur Anpassung auf. „Wir treiben in
eine Welt der 'Anpassungs-Apartheid'“, schreibt der frühere südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu in einem Sonderbeitrag für den HDR. Am Horn von Afrika bedeute Anpassung, dass Frauen und junge
Mädchen noch weitere Wege zu Fuß zurücklegen müssen, um Wasser zu holen. Im Ganges-Delta errichten die Menschen aus Bambus hochwassersichere Behausungen auf Stelzen. Die Bewohner des Mekong-Deltas pflanzen Mangroven an, um sich gegen Sturmfluten zu schützen, und dort lernen jetzt auch Frauen und Kinder schwimmen.

In vielen Entwicklungsländern sind die Armen schon heute verstärkt von Dürren, immer heftigeren Stürmen, Überschwemmungen und Umweltbelastungen betroffen, die es ihnen unmöglich machen, ein
besseres Leben für sich und ihre Kinder aufzubauen. Armut erhöht die Anfälligkeit der Menschen für die Folgen von Klimarisiken, und
Klimakatastrophen halten sie weiter in der Armut gefangen. Aus extremen Klimaereignissen wie Dürren, Wirbelstürmen und Überschwemmungen werden
nicht vorstellbare Katastrophen resultieren.

Internationale Kooperation

Die kleinen Inselstaaten unter den Entwicklungs-ländern haben im Bereich Anpassungsplanung eine Führungsrolle übernommen. Da der Klimawandel alle Aspekte ihres sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Lebens tangiert, haben die karibischen Staaten im Jahr 2002 das „Mainstreaming Adaptation to Climate Change Programme“ ins Leben gerufen, um die Integration von Anpassungs- und Klima-Risikomanagement-Strategien in die Bewirtschaftung von
Wasserressourcen, den Tourismus, die Fischerei, die Landwirtschaft und andere Bereiche zu fördern. Ein Beispiel ist Kiribati im Pazifik, wo
Risikofolgenabschätzungen zu durch den Klimawandel verursachten Risiken in die nationale Planung einbezogen wurden.

Es müssen in der Gegenwart von allen Ländern Kosten getragen werden, die erst langfristig einen Nutzen erbringen. Dies werde politische Führungsstärke erfordern, heißt es im HDR. Auch die
führenden Entwicklungsländer müssen ihren Möglichkeiten entsprechend Verpflichtungen zur Emissionsreduzierung eingehen.

Mit jedem Jahr, in dem keine Einigung über die Senkung der Emissionen erzielt wird, nimmt die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu. Wenn der Klimaschutz nicht sofort ernsthaft in
Angriff genommen wird, werden in 20 oder 30 Jahren die Anpassungskosten für die ärmsten Länder untragbar werden, so die eindringliche Warnung
von UNDP.

Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008. Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt.
Hg. UNDP/Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN), Berlin. 2007. 440 Seiten. ISBN: 978-3-923904-64-8.

(6.543 Anschläge, 88 Zeilen, Dezember 2007)

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