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Dem Terror keine Chance

Appell türkischer Reiseleiterinnen und Reiseleiter


Terroristen können behaupten, sie seien Katholiken, Protestanten, Juden oder Moslems, aber sie vertreten diese Glaubensgemeinschaften in keiner Weise.

Wir, 46 Reiseleiterinnen und Reiseleiter eines Landes, dessen Bevölkerung zu 98 Prozent Moslems sind, haben jahrelang - zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen - hunderttausende Gäste aus anderen Ländern, Religionen, Sprachen und Kulturen betreut. Dabei haben wir nicht nur versucht, unseren Gästen die touristische, geographische oder historische Seite der Türkei zu zeigen, sondern auch - und vor allem - den Alltag unseres Landes, zu dem auch die Religion gehört: um gegenseitige Vorurteile abzubauen, um uns näher zu kommen, damit wir uns wirklich besser verstehen. Diese Aufgabe möchten wir fortführen.

Wir glauben, daß gewalttätige Auseinandersetzungen, die im Namen von Religionen geführt werden, der Menschheit über Jahrhunderte nichts als Vernichtung, Blut und Leid gebracht haben. Religion soll den Menschen das bringen, was ihre ureigene Mission ist: inneren und äußeren Frieden. Deshalb rufen wir unsere Mitmenschen sowie jene, die an den Schnittstellen der Weltpolitik Einfluß nehmen und gestalten können, auf, sich nicht einschüchtern zu lassen, und dem Phänomen des "gewalttätigen Islamismus" entschieden entgegenzutreten

  • weil die Wurzel des Islam wie auch anderer monotheistischer Religionen den Frieden zum Ziel hat,
  • weil alle Religionen verschiedene Wege gehen, aber doch immer die gleichen Absichten verfolgen: Den Frieden für, die Würde von und den Respekt vor den Mitmenschen zu fördern.

Nichts hat die Menschheit mehr gekostet als die gewalttätigen Religionsfanatiker aller Weltreligionen. Sie haben den Glauben verfälscht und Macht mißbraucht. Im 21. Jahrhundert sollte es endlich möglich sein, diesen Fanatikern ihre Grundlagen zu entziehen. Ein erster Schritt wäre getan, wenn Gewalttätigkeiten jedweder Art, die angeblich im Namen einer Religion ausgeübt werden, nicht pauschal dieser Religion angelastet würden.

Als Interkulturelle Lehrer und Reiseleiter in der Türkei haben wir gelernt, daß die Menschen verschiedener Kulturen voneinander abhängig sind. Wir haben gelernt, daß Menschen miteinander in Frieden leben können, wenn sie Brücken zueinander bauen. Damit der Terror keine Chance hat.

gez. Nazım Akgül, Ünal Aydın, Mehmet Azak, Tankut Barın, Nihat Beydemir, Gamze Büber, Yasemin Buyuklı, Tayfun Can, Suphi Cepheci, İlyas Çidem, Akın Çimen, Erkan Daşkan, Ugur Demirel, Olcay Dursunlar, Gamze Efe, Meltem Erdoğ, İbrahim Genç, Kaan Gençtürk, Suzan Gülpınar, Emel Gündoğdu, Mesut Güvenç, Hakan Hepaksaz, Nilgün İlter, Yakup İşçioğlu, Aysel Işık, Serpil Kalender, Mehmet Kamçı, Can Kavakçı, Faruk Köşker, Akın Kosova, Serkan Kurtulan, Aylin Oklap, Kamil Özil, Belgin Sancak, Ferda Savumlu, Özkan Saygılı, Kayhan Şaylan, İbrahim Şen, Ilhan Tan, Ufuk Tevetoğlu, Aykut Topal, Mine Uluskan, Çağlayan Ünal, Özlem Uyar, Turcan Uysal, Ayşin Vardar

(2.998 Anschläge, 43 Zeilen, Dezember 2001)

Anmerkung der Redaktion:

Die Verfasser des Appells sind MitarbeiterInnen einer türkischen Touristikagentur. Als türkische ReiseleiterInnen hatten sie in den vergangenen Jahren an "Entwicklungsbezogenen und interkulturellen Motivationsseminaren" des Ammerlander Studienkreises für Tourismus und Entwicklung teilgenommen. TOURISM WATCH ist Mitveranstalter dieser Fortbildungsseminare.