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Buchrezension: Vom Glück zu Reisen


Das Reisehandbuch „Vom Glück zu Reisen“ von Philipp Laage verbindet in verschiedenen thematischen Kapiteln Reiseberichte mit philosophischen und tiefsinnigen Überlegungen zum Reisen in der heutigen Zeit. Dabei teilt der Autor unter anderem seine Einsichten zum wahren Abenteuergehalt einer Reise, zu inszenierten Reisefotos auf Social Media, zum trügerischen Einfluss der heiß begehrten Bucket List auf das Ego sowie zum weit verbreiteten Mythos, das Glück finde sich auf Reisen.

Mit unterhaltsamen Worten und viel Scharfsinn entzaubert Philipp Laage gesellschaftlich geprägte und längst überflüssige Vorstellungen und Erwartungen über das Reisen an sich. Insbesondere beim Thema Selbstfindungstrip – das Aufbrechen, um sich selbst zu finden - greift Philipp Laage mit einem derartig wachen Intellekt die gesellschaftlichen Konventionen an, sodass man kaum widersprechen kann.

Schauen wir uns das Kapitel „Identität – Mythos Selbstfindungstrip“ genauer an: Der Mythos des Selbstfindungstrips ist schon seit einigen Jahren in unserer Gesellschaft verankert. Er vermittelt das Bedürfnis, sich an einen Ort zu begeben, an dem man zu sich selbst finden kann. Die Tourismusindustrie hat diesen Trend aufgegriffen und ihre Marketingaktivitäten entsprechend angepasst. Auf einem Selbstfindungstrip finden Reisende das, was im Alltag entglitten oder verloren gegangen ist. Mit passenden Beispielen führt Philipp Laage auf, inwiefern spirituelle Reiseanbieter ihre Kund:innen mittels effektiver Werbesprüche anlocken. Doch der Autor bricht auf unmissverständliche Weise mit diesen Ansichten und erklärt den Selbstfindungstrip als zum Scheitern verurteilt. Seine Meinung untermauert er mit einer neurowissenschaftlichen Perspektive, denn das Gehirn sei darauf ausgelegt, von anderen zu lernen. Nur wenige sind sich darüber bewusst, in welchem Ausmaß andere Menschen unser Selbstbild beeinflussen. Mögen wir andere Menschen, so lassen wir uns von ihnen inspirieren und kopieren ihr Verhalten. Somit sei der Glaube, dass wir als unabhängige Wesen unsere eigenen Entscheidungen treffen, auch schlichtweg eine Illusion. An dieser Stelle deutet der Autor auf den Individualismus-Trend der heutigen Zeit hin und stellt ihn infrage. Auch das Kapitel „Fotografieren - Warum der Strand auf Instagram immer schöner ist“ stellt die Autonomie des Reisenden selbst infrage: Inwiefern treffen Reisende freie Entscheidungen über Zielorte, wenn diese geradezu den Fotos der Influencer:innen nachreisen?

Doch zurück zum Selbstfindungstrip: Wie kann dieser funktionieren, wenn „wir das Resultat unserer Mitmenschen sind“? Warum sollten wir gerade in einem anderen Land mit unbekannten Menschen, deren sozialen Umgangsformen wir nicht kennen, zu uns finden? Ganz streng genommen müssten wir - im Einklang mit der neurowissenschaftlichen Argumentation - bei der Rückkehr im Heimatland den Kontakt zu unseren gewöhnlichen Bezugsgruppen brechen, um ein neuer, anderer Mensch zu sein.   

Insgesamt ist „Vom Glück zu Reisen“ ist ein empfehlenswertes Reisehandbuch, das in 16 Kapiteln einlädt, den Autor zu begleiten und dabei auch die eigenen Reisewünsche- und Erlebnisse zu reflektieren.

URL: https://www.reisedepeschen.de/verlag/shop/vom-glueck-zu-reisen-ein-reisefuehrer

ISBN: 978-3-96348-004-1

Verlag: Reisedepeschen Verlag

Autor: Philipp Laage

Seitenzahl: 304

Louisa Wewetzer studiert Tourismusmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter und war als Praktikantin bei Tourism Watch tätig.