Blog

Wasservergnügungsparks in Indien

"Fun" für die Reichen auf Kosten der Arme


Im Tourismus in Asien, insbesondere im Inlandstourismus, haben sich Wasservergnügungsparks zu einem neuen Trend entwickelt. Sie bieten einer wach­senden Mittel- und Oberschicht Unterhaltung und Vergnügen, nicht selten auf Kosten der Bevölkerung, der ein solcher Park quasi vor die Haustür gesetzt wurde. Die Auswirkungen dieser Vergnügungsparks reichen weit über die einzelnen Anlagen und ihre direkte Umgebung hinaus. In den Anlagen wird eine geordnete, idealisierte und abgeschlossene Welt geschaffen, die Arme ausschließt und Benachteiligten noch weiter marginalisiert. Zwischen dem Parkmanagement und den Menschen vor Ort kommt es nicht selten zu Konflikten. Häufig geht es dabei um Wasser – ein kostbares und öffentliches Gut, auf das die Bevölkerung zum Überleben angewiesen ist, das allerdings von den Betreibern der Wasserparks für Attraktionen wie „Wonder Splash", „Aqua Shute Slide“ oder „Tornado“, kostenfrei abgezapft und zur Erwirtschaftung von Unternehmensgewinnen privatisiert wird.

Freizeitparks - ein wachsender Markt

Mit einer Bevölkerung von mehr als 3,7 Milliarden Menschen ist Asien für die globale Freizeitindustrie einer der wichtigsten Märkte. Vier der zehn meistbesuchten Vergnügungsparks der Welt liegen in Asien und ziehen jährlich 65 Millionen Besucher an. Die gut beworbenen Parks spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Auswahl von Zielen für Klassenfahrten oder Familienausflüge oder um einen Ort für Geburtstagsfeiern geht.

In Indien befinden sich derzeit 258 Vergnügungsparks in verschiedenen Stadien der Planung und Umsetzung. Sowohl indische als auch ausländische Firmen investieren in diese Vorhaben. In den kommenden drei Jahren sollen nahezu 30 Milliarden Rupien (über 500 Millionen Euro) in weitere 100 Vergnügungsparks investiert werden. Die Regierungen fördern den Bau solcher Parks mit Subventionen, Steuerbefreiungen und anderen Investitionsanreizen. Die „Indian Association of Amusement Parks and Industries” (IAAPI) betreibt Lobbyarbeit für eine unternehmerfreundliche Gesetzgebung. Um Investitionen und Wachstum zu fördern, schaffen Regierungen vorhandene Regulierungsmechanismen wieder ab. Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Einschätzungen über soziale und wirtschaftliche Auswirkungen dieser Anlagen werden vor der Genehmigung solcher Projekte in der Regel nicht eingefordert.

Konflikte um Wasser

Vidarbha im indischen Bundesstaat Maharashtra ist eine Region, in der Frauen am Tag bis zu 15 km laufen müssen, um Wasser zu holen. Im Jahr 2004 war die Region erst­mals von schlimmer Wasserknappheit betroffen. Dennoch werden in dieser wasser­armen Region immer mehr Vergnügungsparks gebaut. Der Fun and Food Village Water and Amusement Park in Bazargaon verfügt über zahlreiche Pools, Wasser­rutschen und sogar Eisbahnen zum Schlittschuhlaufen – bei Außentemperaturen von bis zu 47 Grad. Für die Bevölkerung des Ortes Bazargaon, so berichtete die Tageszeitung „The Hindu” im Juni 2005, steht dagegen lediglich ein von der Regierung gebauter Brunnen für 3.000 Einwohner zur Verfügung. Manchmal gibt es zehn Tage lang kein Wasser.

Auch im südindischen Bundesstaat Kerala wird das knappe öffentliche Gut „privatisiert“. Der im April 2000 eröffnete Wasser-Park Veegaland in der Nähe von Ernakulam wirbt mit „fun for everyone”. Für die Bevölkerung in der Umgebung des Parks sind die Auswirkungen jedoch alles andere als „fun“.

Beschwerden der Anwohner

“Der Park zapft große Mengen Wasser ab, ohne dass es ihn etwas kostet. Sie nehmen das Wasser aus dem Kanal – Wasser, das von der Regierung für Bewäs­serungszwecke in der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird”, klagt einer der Anwohner.

Andere beschweren sich vor allem über die Wasserverschmutzung. “Der Park leitet große Mengen verschmutztes Wasser auf die Reisfelder neben und hinter unserem Haus. Dadurch wird auch unser Trinkwasser verschmutzt. Bevor der Park eröffnet wurde, war das Wasser in unserem Brunnen gut. Wegen der Abwässer aus dem Park mussten wir unseren alten Brunnen aufgeben und einen neuen graben”, berichtet Varghese Kulangara, der in unmittelbarer Nähe des Parks lebt. Er erzählt auch, dass auf seinem Feld nun niemand mehr arbeiten wolle, weil das Wasser so schmutzig sei. Auch das Gras tauge nicht mehr als Viehfutter, und er sei nicht der einzige, der an Hautausschlägen leide. Die Landwirtschaft hätten sie aufgeben müssen, sogar die Kokospalmen seien eingegangen, ergänzt seine Frau. Sie sorgt sich auch um die Gesundheit ihrer kleinen Tochter.

“Bei der Gemeindeverwaltung sind eine ganze Reihe Beschwerden aus der Bevölkerung eingegangen, dass das Wasser in ihren Brunnen verseucht sei. Die Leute führen das auf das chemisch behandelte Abwasser aus dem Park zurück und sagen, dass sie davon krank würden”, berichtet Rechtsanwalt Raju Joseph, ein Mitglied des Gemeinderates.

Interessanterweise hat Veegaland für sein Umweltengagement bereits mehrere Preise gewonnen. Auf seiner Website (www.veegaland.com) wirbt der Park mit der Leistungsfähigkeit seiner Kläranlage und dem „kristallklarem Wasser“ in (!) der Anlage. Unter dem Stichwort „Abfallmanagement“ heißt es unter anderem: „Das unbrauchbare Wasser, das nach der Klärung übrig bleibt, wird zur Bewässerung innerhalb des Parks verwendet, so dass eine beachtliche Menge Wasser gespart wird.“

Sumesh Mangalassery ist Kampagnenkoordinator von „Kabani – The other direction“, einer Initiative aus Kerala (Indien), die sich für eine nachhaltigere Tourismusentwicklung einsetzt.

Redaktionelle Bearbeitung und Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp

(5.582 Anschläge, 77 Zeilen, Dezember 2006)