Für einen "Klimawandel" im Tourismus

Zivilgesellschaftliche Perspektiven zum Welttourismustag 2008
Christina Kamp

Die internationale Debatte über Tourismus und Klimawandel müsse auch aus der Perspektive der Menschenrechte geführt werden. Dafür setzen sich verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch EED-Tourism Watch, anlässlich des diesjährigen Welttourismustages am 27. September ein.

Unter dem Motto "Für einen Klimawandel im Tourismus – Beiträge für einen verantwortlichen und zukunftsfähigen Tourismus" sollen auf einem "Pre-Event" mit internationaler Beteiligung vom 25. bis 26. September in Peru Handlungsstrategien zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit im Tourismus entwickelt werden. Die Forderungen nach mehr Beteiligung und Mitbestimmung der Bevölkerung sollen in den Blick der Tourismusverantwortlichen und der Welttourismusorganisation (UNWTO) gerückt werden (s. Impulspapier im Anhang).

Die UNWTO will den Welttourismustag 2008 in Kooperation mit der peruanischen Regierung in Lima begehen. "Tourismus und Klimawandel" ist das Thema, mit dem die UNWTO die Inhalte der "Davos Declaration" (s. TW 49, Dezember 2007) voranbringen will. Wer im Tourismus aktiv sei, müsse sich auch für den Klimaschutz einsetzen, meint die UNWTO.

In der Wachstumsfalle

Gleichzeitig feiert die UN-Organisation weiterhin das Wachstum des internationalen Tourismus. Fast 900 Millionen internationale Touristenankünfte seien 2007 erfasst worden, heißt es bei der UNWTO – was einen neuen Rekord bedeute. Dass dies kein "verantwortliches Wachstumsmuster" darstellt, wie die UNWTO es eigentlich anstrebt, wird dabei unter den Tisch gekehrt. Denn gerade hinter den internationalen Tourismuszahlen steht ein erhebliches Wachstum des Flugverkehrs – und der gilt als eine der wichtigen Ursachen des Klimawandels. Nach verschiedenen Expertenschätzungen trägt der Flugverkehr mit etwa vier bis neun Prozent zur Erderwärmung bei.

Forderungen

Die Tourismusunternehmen werden aufgefordert, dringend klimafreundliche Reisen zu entwickeln und dabei hohe Standards anzulegen. Außerdem komme der UNWTO und der Tourismuswirtschaft eine Aufklärerrolle zu. Denn nur gut informierte Touristen würden auch klimafreundliche Reisenagebote nachfragen, heißt es bei den Nichtregierungsorganisationen.

"Wir befürchten, dass alle bekannten Probleme im Zusammenhang mit Tourismus und Menschenrechten durch die Auswirkungen des Klimawandels noch verschärft werden", sagt Heinz Fuchs, EED-Tourism Watch, mit Blick auf die Bevölkerung in den touristischen Zielgebieten. "Deshalb fordern wir Regierungen und die Tourismuswirtschaft auf, in die Debatte auch Themen wie Gleichberechtigung von Frauen, den Schutz von Kindern vor Ausbeutung, gesicherte Landrechte, Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Wasser, Arbeitsstandards in Tourismusunternehmen und soziale Absicherung der Menschen einzubeziehen, die vom Tourismus leben – ganz im Sinne einer umfassenden Katastrophenvorsorge".

(2.966 Anschläge, 42 Zeilen, September 2008)

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