Dominikanische Republik: Auf dem Weg zu Resilienz?

Tourismus zwischen Nachhaltigkeit und back-to-normal

Von Lea Thin
Mann sitzt am Strand
© Raul De Los Santos_Unsplash

Trotz zunehmender Unsicherheiten wie Klimawandel, Pandemie oder dem Rückgang biologischer Vielfalt, beschäftigt sich die Tourismusbranche bislang weiter unzureichend mit Risikomanagement. In der Dominikanischen Republik soll sich das ändern. Doch während lokale Anbieter ihre Bereitschaft zu einer resilienten Umgestaltung des Tourismus signalisieren, scheint die Regierung andere Pläne zu verfolgen.

Projekt zur Steigerung der Destinationsresilienz in Samaná

Destinationen müssen sich besser auf die immer häufiger auftretenden Krisenereignisse vorbereiten, damit sie schneller auf akute Krisenereignisse reagieren und sich auch langfristig - etwa an den Klimawandel - anpassen können. Das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV) hat gemeinsam mit Futouris drei Pilotdestinationen untersucht und Strategien zur Steigerung der Resilienz in diesen Destinationen erarbeitet. Das Projekt war Teil der Corona-Wiederaufbauhilfe Tourismus des BMZ. Mit dabei als Pilotregion war Samaná in der Dominikanischen Republik. Die Halbinsel im Nordosten des Landes ist vor allem für ihre weißen, unberührten Sandstrände bekannt und zieht Urlauberinnen und Urlauber aus der ganzen Welt an. Doch auch der tropische Regenwald mit Wasserfällen und anderen Naturschauspielen ist ein Tourismusmagnet. „Für Samaná sind die größten Risiken vor allem Naturgefahren wie Wirbelstürme oder Erdbeben. Doch Umweltgefahren bringt auch die touristische Entwicklung selbst mit sich: Umweltverschmutzung, Mangrovenwälder, die für den Bau neuer touristischer Infrastruktur zerstört werden und Hotels, die sehr nah am Strand gebaut werden, befeuern die Küstenerosion weiter,“ sagt Eva Posch, die als Forscherin an der Uni Innsbruck das DKKV unterstützt. „Die rasante Entwicklung des Tourismus in Samaná, wie auch auf dem Rest der Insel, stützt sich auf den Verbrauch von Boden und natürlichen Ressourcen,“ fasst sie die Erkenntnisse aus der regionalen Risikoanalyse zusammen.

Samanás Tourismusanbieter wollen resilienter werden

„Durch die Pandemie hat sich eine Chance aufgetan, um Tourismus in seiner aktuellen, teils schädlichen Form zu überdenken, und den Sektor nachhaltiger zu gestalten“, so Elena Eckert von Futouris. „Damit das geschieht, müssen Regierung, Privatsektor und NGOs zusammenarbeiten. Die Anbieter vor Ort müssen allerdings im Zentrum stehen, wenn es darum geht, die richtigen Strategien zu finden. Als Folge unserer Projektarbeit in Samaná wurde daher von den lokalen Akteurinnen und Akeuren ein Resilience Roundtable in Samaná gestartet. An diesem Runden Tisch sitzen Akteurinnen und Akteure aus dem Tourismus aber auch von direkt abhängigen Sektoren, etwa der Landwirtschaft, Fischerei, Wasserwirtschaft – bis hin zum Taxifahrer.“

Am Ende des Projekts steht den Partnern vor Ort nun eine bunte Sammlung an Ideen zur Steigerung ihrer Resilienz zur Verfügung. Welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden, entscheiden jedoch die lokalen Anbieter selbst. „Insgesamt kann man sagen, dass Präventionsmaßnahmen für viele Anbieter einfacher umzusetzen sind, als im Nachhinein nachzubessern,“ so Posch. „Dazu gehört beispielsweise mögliche Risiken bereits in die Planung neuer Hotelanlagen einzubeziehen. Wenn ein Hotel aber bereits am Strand gebaut wurde, wird es jetzt wohl nicht zugunsten des Küstenschutzes abgerissen und weiter im Inland wieder aufgebaut werden. Das ist doch sehr unrealistisch und auch finanziell kaum machbar, zudem auch aus Nachhaltigkeitssicht fraglich.“

Diversifizierung? Fehlanzeige

Wie viele kleine Inselstaaten in der Karibik, ist auch die Dominikanische Republik besondere vom Tourismus abhängig. Dabei könnten nachhaltige Reisekonzepte wie Naturtourismus, Wandertourismus oder die Bewerbung längerer Aufenthalte von Urlauberinnen und Urlaubern die Situation entschärfen. Auch Inlandstourismus ist ein Weg, den Wirtschaftszweig diverser und damit resilienter zu machen. „Letztendlich ist die Branche in der Dominikanische Republik durch ihren Inlandstourismus einigermaßen gut durch die Pandemie gekommen. Gerade für Samaná ist Inlandstourismus ein wichtiger Faktor. Insgesamt bringen internationale Touristinnen und Touristen aber natürlich weiterhin die größere Kaufkraft ins Land,“ sagt Eckert. Auch deshalb setzt der dominikanische Tourismussektor weiter auf internationale Ankünfte – mit Erfolg. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der internationalen Ankünfte im Januar und Februar 2022 um 271 % an.

Dominikanische Republik setzt weiter auf Massentourismus

Statt die Pandemie für einen nachhaltigen Neustart der Tourismusbranche zu nutzen, setzt die Dominikanische Republik scheinbar weiter auf Massentourismus. „In einer Zeit, in der es angebracht wäre, bestimmte Tourismusaktivitäten schnellstmöglich zugunsten einer resilienteren Wirtschaft zu überdenken, erlebt die Dominikanische Republik einen Boom neuer Hotelprojekte,“ so Ernest Cañada Mullor von Alba Sud. Der Rat für Tourismusentwicklung (CONFOTUR) hat Tourismusinvestitionen in Höhe von 7,7 Milliarden US-Dollar genehmigt. So sollen bis zu 20.000 neue Zimmer geschaffen werden, auch in Samaná. Nach den Statistiken der Zentralbank würde dadurch die Zahl der Gästebetten um 24,7% steigen im Vergleich zu der Anzahl verfügbarer Zimmer im Jahr 2019 – vor der Pandemie. Um die Auslastung der Hotels bei über 70 % zu halten, müssten pro Jahr 1,3 Millionen Touristinnen und Touristen mehr das Land besuchen.

Mullor sieht diese Strategie höchst kritisch: „Die Dominikanische Republik konzentriert sich nach wie vor auf den Sonnen- und Strandtourismus und ist weit davon entfernt, eine Diversifizierung des Produkts zu erreichen. Auch All-inclusive-Resorts für den ausländischen Markt sind weiter in Planung. Dies mag kurz- und mittelfristig rentabel sein, nachhaltig ist es aber nicht. Ein Reiseziel besteht nicht nur aus Zimmern, und mehr Zimmer bedeuten nicht unbedingt mehr Wohlstand und Entwicklungsmöglichkeiten für die Bevölkerung.“ So sind die Jobs in den großen Bettenburgen meist prekär und schlecht bezahlt. Außerdem hat die Pandemie dem Reisesektor gezeigt, dass eine so große Abhängigkeit von nur einem Wirtschaftszweig ein Land schnell in den Ruin führen kann. Während Projekte wie das des DKKV zeigen, dass der Tourismussektor in Samaná durchaus bereit für nachhaltigere Geschäftskonzepte ist, blasen die Pläne des Dominikanischen Tourismusministeriums in ein ganz anderes Horn. Inwieweit also künftig lokale Angebote zugunsten eines resilienteren Tourismus umgestaltet werden, bleibt abzuwarten.

Weiterführende Artikel

Steigende Lebensmittelpreise in Lateinamerika

Lebensmittel
© Florian Kopp_Brot für die Welt

Steigende Lebensmittelpreise - unter anderem - als Folge des russischen Krieges gegen die Ukraine sind auch in Lateinamerika zu spüren - mit Konsequenzen für den Tourismussektor.

Karibik: Frauen im Tourismus stärken

Ausgebildete Managerin auf Barbados
© Krystal Yearwood

Krystal Yearwood vom UNDP-Future Tourism Projekt in der Karibik spricht über die Bedeutung von Female Empowerment für den Wiederaufbau touristischer Kleinstunternehmen nach COVID-19.

Costa Rica: Weniger Schaden – mehr Nutzen

Costa Rica gilt als Vorreiter, wenn es um nachhaltige Tourismusstrategien geht. Auch im Umgang mit dem Kreuzfahrtsektor hat das Land vielversprechende Ansätze gefunden, die anderen Ländern als Vorbild dienen könnten.

Tourism Watch Newsletter: Die wichtigsten Hintergrundinfos alle 2-3 Monate per Mail.

Infoservice

Die wichtigsten Hintergründe alle zwei bis drei Monate im Abo Hier abonnieren