Die Dominikanische Republik verscherbelt ihr Tafelsilber

Naturschutzgebiete sollen drastisch reduziert werden

Simone Bandle-Enslin

Weißer Korallensand, türkisblaues Wasser, milde Wassertemperaturen, üppige Mangrovenwälder, beeindruckende Felszeichnungen als Relikte vorspanischer Kulturen - dies alles konnte in der Dominikanischen Republik bis jetzt bewahrt werden.Ein umfassendes System schützte rund 23 Prozent der gesamten Landesfläche. Nun soll ein neues Gesetz verankert werden, das die Naturparks fast um ein Drittel reduziert. Gefährdet wird der Lebensraum von Fregattvögeln, Delfinen, der Antillen-Seekuh sowie der vom Aussterben bedrohten Leguane und Schildkröten.

Besonders die touristisch attraktiven Küstenzonen einiger Nationalparks sollen dem Gesetz zum Opfer fallen. Damit untergräbt die dominikanische Regierung eine Reihe von internationalen Abkommen im Umweltbereich. Betroffen ist beispielsweise das im Südwesten gelegene Biosphärenreservat Jaragua-Bahoruco-Enriquillo. Auch die Chance, dass der Nationalpark El Este von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wird, ist gefährdet.

Interessenten für die wertvollen Gebiete stehen bereits seit einigen Jahren in den Startlöchern. So hoffen Bergbauunternehmen auf Rohstoffgewinnung in den noch weißen Flecken. Konkrete Verhandlungen werden aber auch mit internationalen Investoren aus dem Tourismussektor geführt. Das spanische Unternehmen Globalia (Air Europa) äußert seit geraumer Zeit intensives Interesse am Bau eines massentouristischen Hotelressorts im Nationalpark El Este. Grundstücksspekulationen treiben schon jetzt die Angebote für Parkflächen in astronomische Höhen.

Die Verfasser des Gesetzes unter Staatspräsident Hipólito Mejía argumentieren mit wirtschaftlichem Aufschwung für das Land und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die strukturschwachen Regionen. Es ist jedoch keine Studie bekannt, die die wirtschaftlichen Vorteile analysiert und belegt. Es scheint vielmehr, dass die Abgeordneten und Senatoren einen Gesetzesentwurf vorgelegt haben, den es im Laufschritt noch vor dem Regierungswechsel Mitte August abzusegnen gilt. Meinung und Studien nationaler und internationaler Experten aus dem Bereich Umwelt und Kulturgeschichte wurden praktisch ignoriert. Ob der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung die Umweltschäden wettmacht, ist mehr als fraglich. So äußert sich Parkrandbewohner Herr Carvajal besorgt: "Wir werden unsere Einnahmen aus dem Fischfang verlieren, wenn das Abwasser und der Müll von Tausenden von Touristen hier in unser paradiesisches Meer geleitet wird".

Dank einer aktiven nationalen und internationalen Protestkampagne konnte eine Verabschiedung des Gesetzes zunächst verzögert werden. Das Gesetz wurde zur nochmaligen Bearbeitung an den Kongress zurückgegeben.

Es bleibt abzuwarten, ob die Proteste helfen, größeren Schaden von den Schutzgebieten abzuwenden oder ob sich die Ökonomie des schnellen Geldes am Ende durchsetzen wird. Weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten: www.areasprotegidas.org.do

(2.867 Anschläge, 36 Zeilen, Juni 2004. Die Verfasserin arbeitet beim Deutschen Entwicklungsdienst / DED in der Dominikanischen Republik)

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