Nr. 90 Overtourism im Globalen Süden (02/2018)

Der Motor des Tourismus läuft auf Hochtouren – kein Wunder, feiert die Branche doch erneut einen Wachstumsrekord nach dem nächsten. Doch dazwischen wird ein immer lauter werdendes Ächzen hörbar:  Bürgermeister berichten vom Ende der Geduld ihrer Bürger mit den immer größeren  Touristenmassen, Welterbe-Anrainer kritisieren die Disneyfizierung ihres Lebensraums,  Umweltschützer und soziale Bewegungen vor Ort fordern Tourismusbeschränkungen. Das Thema „Overtourism“ – also ein „Zuviel“ des Tourismus – hat es vom belächelten und gern überhörten Nischendiskurs bis in die Fachdiskussionen der Branche gebracht, wie die bevorstehende ITB zeigt. Dort gibt es in diesem Jahr gleich eine Handvoll Fachdiskussionen zum Thema. Endlich!

Doch der eurozentrische Blick vieler Beobachter täuscht: Overtourism ist nicht nur ein Phänomen der europäischen Hauptstädte und Kreuzfahrtmetropolen. Während in Europa vor allem über den Verlust von Lebensqualität und Wohnraum geklagt wird, zeigen unsere Autoren beispielhaft, dass im indischen Goa und in Guanacaste in Costa Rica die steigenden Touristenzahlen und die Wünsche der Reisenden mit den elementaren Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung kollidieren. Und sie zeigen, dass Overtourism vor allem Symptom einer ignoranten, rücksichtslosen und am Ende undemokratischen  Tourismusentwicklung ist, in der Korruption und Wirtschaftsinteressen dominieren, während die Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung ungehört bleiben.

Statt den nächsten Wachstumsrekorden hinterherzueifern wird es dringend Zeit, den Tourismus daran zu messen, welche Auswirkungen er auf soziale Gerechtigkeit, Menschen- und Arbeitsrechte vor Ort und den globalen Klimawandel – kurzum auf nachhaltige Entwicklung – hat. Im Rahmen unseres Fachpodiums auf der ITB am Mittwoch den 7. März 2018 um 16:00 Uhr diskutieren wir mit Gästen aus Lateinamerika, Asien, dem Pazifik und aus Barcelona über den Spagat zwischen globalem Tourismuswachstum und lokalem Wohlbefinden und lernen Methoden zur ganzheitlichen Wirkungsmessung kennen.

Wir laden Sie ganz herzlich zu unseren Veranstaltungen auf der ITB ein und freuen uns vom 7. bis 11. März 2018 auf den direkten Austausch mit Ihnen an unserem Stand mit der Nummer 224 in Halle 4.1. der Messe Berlin.

Tourism Watch auf der ITB

Die ITB Berlin 2018 findet vom 7. bis 11. März in Berlin statt. Sie finden uns am Stand 224 in Halle 4.1. Besuchen Sie unser Podium zum Thema Monitoring auf Gemeindeebene - zwischen Wachstum und Wohlbefinden. Wir haben einige Veranstaltungsempfehlungen für Sie zusammengetragen.

Übernutzt und unterfinanziert

Das Tourismuswachstum im indischen Goa erhöht den Druck auf die öffentliche Infrastruktur und das Konfliktpotenzial zwischen Tourismuswirtschaft und der einheimischen Bevölkerung steigt erheblich.

Der Kampf ums Wasser

In Guanacaste in Costa Rica wird Grundwasser für touristische Zwecke angezapft. Für viele Gemeinschaften wird das Wachstum des Tourismus zu einer Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen.

Overtourism in Welterbestätten

Dr. Mechthild Rössler, Direktorin des UNESCO-Welterbezentrums, erläutert im Interview, wie die UNESCO mit dem zunehmenden Andrang von Besuchern und Besucherinnen in Welterbestätten umgeht.

Überfüllung vermeiden

„Es ist einfacher, touristische Überfüllung zu vermeiden, als sich von ihr zu erholen“ – zu dieser zentralen Erkenntnis kommt die Studie von McKinsey und dem World Travel and Tourism Council.

Vom Urlaubsziel zum Lebensraum

Ute Dilg-Saßmannshausen rezensiert „Transforming Travel. Realising the potential of sustainable tourism“ von Jeremy Smith.

Reise Gamble – ein neues Spiel

Ziel des Spiels ist es, die eigenen Urlaubsplanungen zu beleuchten und die Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen so gering wie möglich zu halten.

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