Nr. 89 Tourismus und Klimawandel (11/2017)

Mehr als zehn Tonnen zusätzliches Gewicht sind notwendig, um einen zehn Meter hohen Christbaum in geschützter mitteleuropäischer Innenstadtlage wind- und winterfest für die Weihnachtsmarktsaison zu machen, fanden Forscher aus Aachen heraus. Was aber braucht es, damit sich Reiseländer für die Folgen des fortschreitenden Klimawandels wappnen können, der sie mit immer dramatischeren Stürmen, steigendem Meeresspiegel, sowie häufigeren und unregelmäßigeren Regen- und Trockenzeiten konfrontiert? Regierungen und Bewohner ärmerer Länder müssen schon heute immense Ressourcen aufbringen, um die Folgen des Klimawandels abzufedern, den sie selbst kaum mit verursacht haben.

Weil jede Reaktion auf den Klimawandel teuer ist und zu oft wirkungslos verpufft, sind  Maßnahmen, die Emissionen vermeiden und so den Klimawandel verlangsamen, der beste Schutz und die drängendste Priorität. Aus Anlass der gerade zu Ende gegangenen Weltklimaverhandlungen schauen wir uns in diesem Schwerpunktheft ein paar bemerkenswerte Beispiele an, die zeigen, wie Hotels und lokale Anbieter auf erneuerbare Energien setzen. Diese Umrüstungen allein werden aber nicht reichen: Im Tourismus sind es weiterhin die Verkehrsemissionen, die am stärksten zum Klimawandel beitragen – beim Ferntourismus macht die Anreise oft mehr als drei Viertel der Klimawirkungen aus. Das Wachstumsdilemma im Tourismus ist offensichtlich. Es lässt sich nur durch selteneres Reisen und eine konsequente Verkehrswende auflösen.

Und wenn man dann schon mal unterwegs ist? Unsere Autorinnen und Gesprächspartner aus Peru, Nepal, Fidschi und Tuvalu wünschen sich, dass Reisende ihre geschützten Hotelzimmer und klimatisierten Reisebusse verlassen, um mit eigenen Augen zu sehen, was der Klimawandel für die Menschen vor Ort bedeutet. Sie wünschen sich von Reiseveranstaltern mehr Angebote zum Austausch, damit die Gäste das hoffnungsvolle Engagement  vieler vor Ort genauso kennen lernen können wie den verzweifelten Kampf um die eigene Heimat.

Auf klimaschonende Weise hoffen wir, Ihnen interessante und inspirierende Eindrücke aus anderen Teilen der Welt zu ermöglichen und wüschen Ihnen eine anregende Lektüre,

Eine Reise zum Klimawandel

Bislang werden nur wenige Destinationen mit sensiblen Themen beworben. Doch in den peruanischen Anden gehen einige Quechua-Gemeinden genau diesen Weg, um Touristen auf die Probleme in Folge der Erderwärmung aufmerksam zu machen.

Climate Trek Helambu

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal soll der Trek den Tourismus nicht nur wiederbeleben, sondern ihn konsequent umweltfreundlich gestalten- nicht nur durch erdbebensichere Gebäude und erneuerbare Energien, sondern auch durch Sensibiliserungmaßnahmen für die Bevölkerung und Touristen.

„Heimat des Glücks“ in Gefahr

Im Interview berichten Frances Namoumou aus Fidschi und Pastor Tafue Lusama aus Tuvalu über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihren Inseln und ihren Wunsch nach mehr Austausch mit Reisenden.

An den richtigen Stellschrauben drehen

Um den absoluten CO2-Austoß im Tourismus auf Kurs mit dem Pariser Klimaziel zu bringen, fordert Susanne Becken, Professorin für nachhaltigen Tourismus, den Wachstumskurs des Sektors zu hinterfragen.

Wachstum im Flugverkehr gefährdet Klima-Ziele

Der Atmosfair-Airline-Index und die Doktorarbeit von Paul Peeters zeigen deutlich auf, dass es einer drastischen Verkehrswende und eines veränderten Reiseverhaltens in Bezug auf Flugreisen bedarf.

Biokraftstoff-Ambitionen der Luftfahrt entschärft

Ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen warnte vor einer massiven Ausweitung des Einsatzes von Biokraftstoffen im Flugverkehr, der zu Lasten von Mensch und Natur geht. Jetzt hat auch die internationale Luftfahrtorganisation ICAO ihre Strategie etwas entschärft.

Protest gegen Flughafenbau auf den Malediven

Die „Landgewinnung“ für einen neuen Flughafen droht einem wertvollen Mangroven-Ökosystem unwiederbringlich die Zerstörung. Anwohner protestieren und fordern zum Unterzeichnen einer Petition auf.

Flughafenausbau in Indonesien

Der Bericht dokumentiert, wie sich indonesische Gemeinden gegen den Bau von Flughäfen auf ihrem Land wehren - leider nicht immer mit Erfolg.

Internationaler Workshop in Gambia

Inwieweit trägt der Tourismus tatsächlich zur Umsetzung der Sustainable Development Goals bei? Im April 2018 werden über sinnvolle Instrumente zur Umsetzung und Erfolgsmessung diskutiert.

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