Nr. 81 Klima (12/2015)

Viele Deutsche – ob mit oder ohne Migrationshintergrund, hier geboren oder anderswo - sind es gewohnt, als Touristen Gast zu sein. Dass sie auch häufig Gastgebende sind, beweisen die Statistiken der globalen Tourismuszähler, bei denen Deutschland regelmäßig einen der vorderen Plätze belegt. Viele Menschen hierzulande zeigen seit Monaten, wie Gastfreundschaft auch außerhalb des Tourismus aussieht, indem sie sich für Flüchtlinge engagieren.

In Deutschland sind im Tourismus Menschen aus über 100 Nationen beschäftigt. Unter dem Titel „Wir zeigen Gesicht“ hat die Branche jetzt ein Dossier zum Thema Flüchtlinge veröffentlicht. Sie bezieht damit Stellung für eine Willkommenskultur und liefert starke volkswirtschaftliche Argumente gegen Fremdenhass und Menschenfeindlichkeit.

Das Dossier zeigt auf, wie die Branche Beschäftigungs-möglichkeiten und Integrationspotenziale proaktiv anbieten kann. Es verschweigt aber auch nicht, dass der Tourismus nicht selbstlos vorangehen möchte, sondern auf neue Arbeitskräfte angewiesen ist. Darüber, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe als Arbeitgeber einen schlechten Ruf zu genießen scheint und auch 2015 erneut viele Lehrstellen unbesetzt blieben, wird weniger gern gesprochen. Während es in dem Dossier vor allem um Einstiegsmöglichkeiten und Praktika für Flüchtlinge geht, die ohne Zweifel bei der Integration helfen, bleiben Fragen zur Chancengleichheit und den Karrieremöglichkeiten von Beschäftigten mit Migrationshintergrund unbeantwortet.

Auch in Europa sind Beschäftigungsverhältnisse im Tourismus häufig prekär. Noch viel mehr gilt dies für Entwicklungsländer, wo Arbeitsschutz und Sozialleistungen oft nicht gewährleistet sind. Problematisch stellt sich die Situation insbesondere für Migranten dar, die noch gefährdeter sind, ausgebeutet zu werden. Es ist deswegen nicht anachronistisch, dass in Großbritannien jetzt ein Gesetz zur Verhinderung moderner Formen von Sklaverei erlassen wurde, über das wir mit einem britischen Menschenrechtler sprechen. Aus Dubai, Nicaragua und anderen lateinamerikanischen Ländern kommen Berichte zu prekären Arbeitsbedingungen in der Hotellerie. Doch wir betrachten auch weitere Facetten im Kontinuum zwischen Tourismus und Migration. So hat der Zuzug ausländischer Rentner und Rentnerinnen als „Residenztouristen“ erhebliche Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung in Ecuador und führt seinerseits wiederum zu Verdrängungsprozessen und Migration.

Doch zuerst schauen wir nach Paris: Nur drei Wochen nach den verheerenden Terroranschlägen mit 130 Toten fanden dort die Weltklimaverhandlungen statt. Beides hat direkt mit dem Tourismus zu tun. Neben Betroffenheit und Fassungslosigkeit sorgte der Terror in Paris auch dafür, dass Reisewarnungen neu hinterfragt werden – wo sie nun nicht für weit entfernte Länder in Asien oder Nordafrika diskutiert werden, sondern für Länder im Herzen Europas. Auch der Klimagipfel hat sehr viel mit Tourismus zu tun. Endlich standen die Emissionen des internationalen Verkehrs wieder – und stärker – auf der Tagesordnung. Sie konterkarieren nämlich die Vorstellung von einer Welt, in der die Klimaerwärmung beherrschbar ist. Verbindliche Reduktionen und die weitergehende Emanzipation des Tourismus vom Flugverkehr und der Schifffahrt sind Gebote der Stunde – und werden es auf lange Sicht noch bleiben.

Die Elefanten im Raum

Hohe Emissionen, enormes Wachstum und keine verbindlichen Reduktionsziele – so droht der Luft- und Seeverkehr den globalen Klimaschutz zu untergraben. Es ist deswegen notwendiger denn je, diesen Missstand auf höchster klimapolitischer Ebene zu regeln. Der Klimagipfel in Paris hat erste Schritte in diese Richtung versucht, doch der notwendige große Wurf blieb leider aus. Allein der Luftverkehr …

Klimabedingte Schäden und Verluste

Wetterextreme wie Hitze und Dürren, Starkregen und Stürme nehmen infolge der Erderwärmung an Häufigkeit und Stärke zu. Als klimabedingte „Naturkatastrophen“ führen sie zu großer Zerstörung, wirtschaftlichen Schäden und dem Verlust von Menschenleben. Die Gefahr, Opfer von Klimaextremen zu werden, ist für die Armen ungleich höher. Das gilt für einzelne Länder, aber auch innerhalb großer …

Geplatzte Träume

Harte Arbeit, eingezogene Pässe und Zwölf-Stunden-Arbeitstage ohne Pausen und ohne bezahlte Überstunden – das ist nach einem Bericht der schwedischen Organisationen Swedwatch und Fair Action die Realität von Arbeitsmigrantinnen und -migranten in der Hotellerie in Dubai. Millionen ausländische Arbeitkräfte, z.B. aus den Philippinen oder Südasien, bilden in Dubai das Rückgrat der Tourismuswirtschaft …

Gewerkschaftskampagne für menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Mit einer Aktionswoche in vielen Teilen der Welt machten Anfang November 2015 Zimmermädchen und Roomboys auf ihre Tätigkeit und ihre inakzeptablen Arbeitsbedingungen aufmerksam. Die Aktionen waren Teil der internationalen Gewerkschaftskampagne „Für einen sicheren und geschützten Arbeitsplatz“. Organisiert wurde die Kampagne von der Internationalen Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, …

Verantwortungsvolle Personalpolitik im Tourismus

Die Wahrung der Menschenrechte entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist für Tourismusunternehmen eine zentrale Herausforderung. Je mehr die Branche jedoch Arbeitsbereiche auslagert und auf Zeit- und Leiharbeit setzt, desto schwieriger ist es, ausbeuterische Arbeitsbedingungen bis hin zu Menschenhandel und Zwangsarbeit aufzudecken und wirksam zu verhindern. Insbesondere die Hotellerie gilt als …

Zwischen Tourismus und Migration

Der internationale Residenztourismus ist in der Andenregion ein neues Phänomen. In einigen Gegenden hat er jedoch bereits zu Konflikten und rasanten Veränderungen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen geführt. Der steile Anstieg der Grundstückspreise in ländlichen Regionen macht es für junge Bauern fast unmöglich, weiter Landwirtschaft zu betreiben. Der Residenztourismus in den …

Frauen im Tourismus

Mehr als die Hälfte aller im Tourismus Beschäftigten sind Frauen. In einzelnen Regionen sind es sogar um die 70 Prozent. Doch nicht immer und überall haben Frauen im Tourismus die gleichen Rechte wie Männer und werden nach gleichen Bedingungen entlohnt. Wie der Tourismus besser zur Stärkung und Gleichstellung von Frauen beitragen kann, untersuchen die Naturfreunde Internationale – Respect in ihrem …

Roundtable Menschenrechte im Tourismus als Verein

Der Roundtable Menschenrechte im Tourismus wird zukünftig unter dem Namen „Roundtable Human Rights in Tourism“ als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin agieren. Die Multistakeholder-Initiative hat damit nun eine eigenständige Rechtsform und soll so handlungsfähiger werden – auch weil das Interesse in der Branche immer größer wird. Dersiebenköpfige Vorstand aus Vertretern von Reiseveranstaltern …

„Serious Game“: Online-Tool zum Kinderschutz

Anlässlich des ersten europäischen Tags zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch am 18. November hat die Kinderrechtsorganisation ECPAT ein neues, interaktives Online-Tool vorgestellt, das Tourismusfachleute und Studierende auf effektive und unterhaltsame Weise auf Kinderschutzthematiken aufmerksam machen soll. Unter dem Titel „ECPAT Serious Game – Kinderschutz im Tourismus“ …

Für einen elefantenfreundlichen Tourismus

Tausende Elefanten in Ketten leiden in Asien als Touristenattraktionen. Auch in einigen afrikanischen Ländern werden Elefantenreiten und ähnliche Attraktionen angeboten. Gegen den illegalen Fang der Tiere und die grausamen Haltungs- und Unterwerfungsmethoden setzt sich die Tierschutzorganisation Pro Wildlife ein. Weltweit hätten bereits zahlreiche Unternehmen zugesagt, Elefantenreiten, -shows oder …

DRV-Preis Eco Trophea 2015 für „www.fairunterwegs.org“

Der Schweizer Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (akte) wurde für seine „fairunterwegs“-Internetplattform zur Förderung eines fairen Tourismus mit der „EcoTrophea“ des Deutschen Reiseverbands (DRV) ausgezeichnet. Mit dem Preis prämiert der DRV jedes Jahr Initiativen im Tourismus, die sich für Umweltschutz und soziale Verantwortung in Reiseländern engagieren. Das Internetportal „fairunterwegs“ …

Tourismus ist keine Entwicklungshilfe

Unter dem Titel „Entwicklungsfaktor Tourismus“ hat der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) eine umfangreiche statistische Analyse der Ausgaben von deutschen Reisenden in Entwicklungs- und Schwellenländern vorgestellt. Die Studie erlaubt eine differenzierte Betrachtung der Höhe und Art der Ausgaben vor Ort und ermöglicht eine vorsichtige quantitative Abschätzung daraus resultierender Beschäftigungseffekte. Weiterreichende Interpretationen zu entwicklungspolitisch relevanten gesellschaftlichen Wirkungen sind jedoch nicht möglich. Die Studie belegt vielmehr, dass die Gleichung „Tourismus = Entwicklung“ ganz allgemein nicht haltbar ist.

Ziele für Emissionsminderungen im Luft- und Schiffsverkehr

Eine neue, vom Europäischen Parlament in Auftrag gegebene Studie untersucht mögliche CO2-Minderungsziele für den internationalen Luft- und Seeverkehr. Die Studie wurde vom Ökoinstitut für den Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlaments erstellt. Sie macht deutlich: Einen nur leicht verringerten Anstieg der künftigen Emissionen …

Mittelamerika im Dreierpack

Das neue Sympathiemagazin „Costa Rica – Guatemala – Nicaragua verstehen“ beschreibt Facetten einer faszinierenden Region. Obwohl die drei mittelamerikanischen Länder oft gemeinsam bereist werden, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Guatemala und Nicaragua sind nach wie vor von ihrer leidvollen Geschichte mit Jahrzehnte andauernden Bürgerkriegen geprägt und kämpfen mit Armut, Korruption und …

Podiumsdiskussion Freiwilligentourismus auf der Ferien-Messe Wien

Der „Voluntourismus“ boomt: Pauschale Reiseangebote für Freiwilligeneinsätze oder Kombiangebote sind zu einem neuen Geschäftsmodell für Reiseveranstalter wie auch für Akteure in Entwicklungsländern geworden. Nicht selten steht über allem die Gewinnmaximierung. Qualitätskriterien und Auswahlverfahren fehlen weitgehend, was mitunter extrem negative Auswirkungen nach sich ziehen kann. Was einen …

Internationale Tourismusbörse (ITB) 2016 in Berlin

Die ITB Berlin 2016 findet vom 9. bis 13. März statt. Offizielles Partnerland sind die Malediven. Tourism Watch wird eine Podiumsdiskussion zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) veranstalten. Fair Trade Tourism aus Südafrika will die Frage des verantwortlichen Volunteering in Südafrika diskutieren und dazu seinen weiterentwickelten Qualitätsstandard vorstellen. Der Roundtable Human …

Infoservice

Die wichtigsten Hintergründe alle zwei bis drei Monate im Abo Hier abonnieren