Nr. 75 Mega-Sportevents (06/2014)

Die Welt schaut nach Brasilien – und das nicht erst seit dem Anpfiff zur Fußball-WM 2014. Bereits vorher hat die Weltöffentlichkeit die Proteste der Menschen wahrgenommen, die kaum selbst eine Eintrittskarte erwerben können, aber fürchten, dass sie die Last des Großereignisses schultern müssen. Sei es durch Verteuerungen oder Vertreibungen und Segregation im Zuge von Stadtverschönerungs- oder „Befriedungs“-Programmen, oder durch die Investitionspolitik der Regierung zugunsten von Prestigeprojekten und zu Lasten notwendiger Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Soziales.

Ähnlich wie die Fußball-WM 2010 in Südafrika und andere Mega-Sportevents, zeigt auch die WM in Brasilien, dass Regierungen nicht ungesehen Spiele auf Kosten der Bevölkerung auszurichten können. Die Zivilgesellschaft der Austragungsländer nutzt das Medieninteresse, um auf die Gleichzeitigkeit von Armut und Sport-Exzess oder die Bewegungsfreiheit der Besucher und Einschränkungen der Freiheitsrechte der Menschen vor Ort aufmerksam zu machen.

Die globalen Sportinstitutionen sind in die Kritik geraten und haben ein erhebliches Imageproblem. Nicht nur in Deutschland und der Schweiz haben die Menschen im letzten Jahr gegen eine Ausrichtung von Großereignissen in ihrer Nachbarschaft gestimmt. Die Länder stehen nicht mehr Schlange und so bekommen immer wieder Staaten den Zuschlag, in denen kein demokratischer Willensbildungsprozess die Entscheidung zum Sportevent geleitet hat.

Die internationalen Institutionen im Sport – wie im Tourismus – stehen am Scheideweg: Wollen sie ein Fest der Freundschaft austragen, bei dem die sportlichen Leistungen im Mittelpunkt stehen? Oder wollen sie ihre Feiern hinter meterhohen Mauern abhalten und ein schales Gefühl bei den Zuschauern hinterlassen, die wissen, dass ihre Gastgeber für ein paar Wochen Show einen hohen Preis zahlen müssen? Institutionelle Erneuerung, ein konsequentes Nachhaltigkeitsmanagement und eine partizipative Planung wären notwendig, damit der Sport und die Menschen gewinnen!

In dieser Ausgabe schauen wir zwar vertieft nach Brasilien – aber auch nach Katar, wo mehr Menschen drohen beim Stadienbau zu sterben, als dann Sportler zur WM 2022 erwartet werden. Und wir blicken zurück nach Südafrika, wo Straßenhändler und kleine Unterkünfte noch sehr viel mehr von der WM 2010 hätten profitieren können, wenn nicht nur Geld und Macht der Veranstalter im Mittelpunkt gestanden hätten, sondern auch die Bedürfnisse der Bevölkerung. Für Brasilien bleibt noch die Chance, daraus zu lernen – wenn nicht in diesem Jahr, dann zu den Olympischen Spielen in zwei Jahren.

Favelas als neue Touristenattraktion

Bequem erreichbar dank Seilbahn und Aufzügen werden die Favelas Rio de Janeiros als Ausflugsziele immer beliebter: Der atemberaubende Ausblick, Rundgänge, Hostels und Restaurants sowie kulturelle Veranstaltungen locken immer mehr Besucher in die erst kürzlich von Polizeieinheiten "befriedeten" Siedlungen auf den Hügeln der Stadt.

Fair Play für Kinderrechte?

Bei sportlichenMega-Events wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 oder den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien ist es unerlässlich, auch an den Schutz und die Rechte von Kindern zu denken. Aufgrund der enormen Ausgaben für die anstehenden Sportereignisse vernachlässigt die Regierung den notwendigen Ausbau der sozialen Sicherung, der Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Die Leidtragenden der …

Straßenhändler in Brasilien

Erzählt von Juraci Sampaio. Mein Name ist Juraci Sampaio und ich habe eine Geschichte zu erzählen: Ich bin 53 Jahre alt. Geboren wurde ich in Guaraçaí im Bundesstaat São Paulo. Meine Eltern waren Leute vom Lande. Sie hatten einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb und konnten uns eine gute Ausbildung ermöglichen. Meine Mutter war in der Politik aktiv und fuhr einmal im Monat nach São Paulo. Ab …

Kurzfristige Gewinne, verpasste Chancen

Landesflaggen auf Kühlerhauben und an Auto-Seitenspiegeln, Makarapas (verzierte Plastikhelme) und Vuvuzelas (trompetenähnliche Blasinstrumente aus Plastik – sie erzeugen dieses einmalige Hintergrundgeräusch im südafrikanischen Sport bzw. für einige Nicht-Südafrikaner ein unerträgliches Getöse): All dies gab es an scheinbar jeder Straßenecke von Johannesburg, Durban, Kapstadt und allen anderen …

Menschenrechte in Katar

Im Jahr 2022 soll der Golfstaat Katar die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Mit dem Bauboom gerieten die schlechten Arbeitsbedingungen der süd- und südostasiatischen und afrikanischen Migranten in Katar stärker in den Blick der Weltöffentlichkeit. Missstände wie miserable Wohnbedingungen, eine hohe Unfallquote mit zahlreichen Todesfällen auf den Baustellen, Hungerlöhne und Ausbeutung bis hin …

Meldeplattform zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung

Ein neues europäisches Meldesystem bietet Reisenden die Möglichkeit, Hinweise zu sexueller Ausbeutung von Kindern über die jeweiligen nationalen Meldeplattformen weiterzugeben. Neben Deutschland haben bereits sechs Länder – Belgien, Österreich, Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien – eigene nationale Meldeplattformen online gestellt. Für Länder, in denen es (noch) keine gibt, findet man …

"Neu Abstimmen: Keine Fußball-WM ohne Arbeitnehmerrechte!"

2010 hat der Weltfußballverband FIFA die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar vergeben – ein Land, in dem die Rechte der Arbeitsmigranten nicht gewahrt sind. "Die Kataris sind die reichsten Menschen der Welt, doch die Bauarbeiter arbeiten im Schnitt 15 Stunden, an sechs Tagen in der Woche für nur acht US-Dollar am Tag", heißt es auf der Kampagnenseite von "Re-run the vote". Mit dieser Kampagne …

Neu und mobil: "Fair Reisen mit Herz und Verstand"

Das kleine Büchlein "Fair Reisen mit Herz und Verstand", herausgegeben von Tourism Watch – Brot für die Welt, wurde neu aufgelegt und ist jetzt auch mobil verfügbar. Die Webseite kann auf Smartphones und Tablets optimal angezeigt werden. Hilfreiche Tipps rund ums Reisen in Entwicklungsländern sind mit Karikaturen illustriert. Dazu gibt es Links zu Internetseiten von Nichtregierungsorganisationen, …

Online-Dossier "Voluntourismus" – Reisen und Helfen

Immer mehr Reiseveranstalter und kommerzielle Agenturen entdecken engagierte Touristen als Zielgruppe für so genannten "Voluntourismus" – von zweimonatigen Projektaufenthalten mit touristischem Rahmenprogramm über zweiwöchige Rundreisen mit Verlängerungsoption in einem Naturschutzprojekt bis hin zu Tagesausflügen in (z.T. vermeintliche) Waisenhäuser. Doch die Entwicklung und der Vertrieb von …

Wettbewerbe TO DO! und Toura D'Or 2014 ausgeschrieben

Mit dem TO DO! Preis für sozialverantwortlichen Tourismus zeichnet der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung jedes Jahr Projekte oder Maßnahmen aus, bei deren Planung und Realisierung die Einbeziehung unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung durch Partizipation nachweislich sichergestellt ist. Sowohl der TO DO! als auch der alle zwei Jahre stattfindende …

Erklärvideo "Klimafreundlicher Reisen"

In ihrer Erklärvideo-Serie beleuchten die Naturfreunde Internationale Hintergründe aktueller Umweltthemen. Der Kurzfilm "Klimafreundlicher Reisen" beschreibt in gut drei Minuten die Klimaauswirkungen verschiedener Verkehrsmittel und zeigt Alternativen zu Flugreisen auf. Mit praktischen Tipps wird deutlich, wie auf dem Weg in den Urlaub weniger Kohlendioxid freigesetzt wird. Das Video ist auf …

Brasilien im Unterricht

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 sind sportliche Großereignisse, die Brasilien für Jugendliche interessant machen. Sie bieten Anlass für eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit einem Land voller Gegensätze, in dem Arm und Reich dicht beieinander leben. Das 20-seitige Schülerheft "Fußball - und was geht noch?" für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren gibt …

Rollenspiel: "Fußball-WM 2014 in Gefahr!"

Bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien geht es um mehr als nur Sport: Der Bürgermeister erhofft sich einen Imagegewinn für 'seine' Stadt und das Barunternehmen verspricht sich dicke Gewinne. Den angrenzenden Favelabewohnern hingegen droht die Räumung und Straßenhändlern der Verlust ihrer bisherigen Einkommensquelle. Im Rollenspiel "Fußball-WM 2014 in Gefahr!" der Kooperation Brasilien …

Konferenz "Tourismus und Klimawandel in Mitteleuropa"

Aktuelle Forschungsansätze und -ergebnisse sowie Erfahrungen mit Tourismus und Klimawandel stehen im Mittelpunkt einer Konferenz der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die vom 23. bis 24. September 2014 in Potsdam stattfindet. Dabei geht es zum Beispiel um die Anfälligkeit von Zielgebieten und Tourismusunternehmen für die Folgen der Erderwärmung, Anpassungsstrategien im Tourismus, …

In Gedenken an Ron O'Grady

Am 25. Februar 2014 verstarb Ron O'Grady im Alter von 83 Jahren. Der gebürtige Neuseeländer war in verschiedenen Funktionen in den christlichen Kirchen Asiens und der Ökumene engagiert. Wie kaum ein anderer hat er in Wort und Schrift Reisen und Begegnungen als Chance der Völkerverständigung und des interkulturellen Lernens betrachtet und gleichzeitig in der vollkommenen Ökonomisierung des …

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