Nr. 74 Klimawandel (03/2014)

Was treibt den Tourismus an? Ist es die Neugier, die Lust auf fremde Kultur und unberührte Natur, die Flucht aus dem Alltag oder nur das schlechte Wetter hierzulande? Jeder hat wohl seine ganz eigene Antwort. Doch Hand aufs Herz – ist es nicht auch die moderne und bezahlbare Verkehrstechnik, die das Reisen so attraktiv macht? Ein Grund für uns mal genauer hinzuschauen, was eigentlich heute die Flugzeuge antreibt und vor allem, was sie morgen antreiben soll.

3,1 Milliarden Flugpassagiere wurden 2012 gezählt – mehr als 20 Prozent mehr als noch drei Jahre zuvor. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend sich verlangsamt oder gar zum Stehen kommt. Nicht nur deshalb fragt sich auch die Luftverkehrswirtschaft, wo sie ihre Kraftstoffe weiterhin verlässlich herbekommen soll. Die fossilen Treibstoffe sind endlich, werden also zunehmend teurer, und ihre Ökobilanz ist nicht vereinbar mit den globalen Klimazielen. Alternativen müssen deshalb her. Damit wächst die Hoffnung in Kraftstoffe aus nachwachsenden Quellen, die sogenannten Bio-Kraftstoffe. Dass dabei nicht alles „bio“ ist und welche menschenrechtlichen und sozialen Risiken sich dahinter verbergen, zeigen die Schwerpunkt-Beiträge in dieser Ausgabe.

Noch dominiert die Tank-Teller-Problematik den entwicklungspolitischen Diskurs um Agrotreibstoffe – zu Recht! Wo Menschen weiterhin Hunger leiden, ist es zynisch, landwirtschaftliche Fläche für den Anbau von Treibstoffen zu verwenden. Zunehmend wird sich aber auch die Frage stellen, wofür genau die Energie aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet wird. Das Energiedefizit vieler Entwicklungs- und Schwellenländer ist immens und viele setzen in ihren Entwicklungsplänen selbst auf nachwachsende Energie. Die Träume der internationalen Flugwirtschaft könnten also alles andere als billig werden, wenn sie sich darauf versteift, große Flächen in Entwicklungsländern für den eigenen Treibstoffbedarf nutzen zu wollen.

In diesem Szenario tut die Tourismuswirtschaft gut daran, sich vom reichen Onkel Flugwirtschaft zu emanzipieren und sich - wo es möglich ist - unabhängiger zu machen vom klimaschädlichsten aller Verkehrsträger. Auf der Kurz- und Mittelstrecke gibt es Alternativen, die sogar durch eine attraktive Anreise mit Zwischenstopps touristisch in Wert gesetzt werden können. Weniger (fliegen) ist oft mehr!

Auf der bevorstehenden Tourismusbörse (ITB) in Berlin werden wir genau hinschauen, welche Zukunftsvisionen der Tourismus von sich selbst zeichnet. Wir freuen uns auf viele interessante Gespräche zwischen dem 5. und 9. März 2014 an unserem Stand Nummer 217 in Halle 4.1 und laden Sie herzlich zu unseren Veranstaltungen ein.

Internationale Tourismus-Börse (ITB) Berlin 2014

Die ITB Berlin 2014 findet vom 5. bis 9. März statt. Von Mittwoch bis Freitag ist die Messe nur für Fachbesucher geöffnet, am Samstag und Sonntag auch für das allgemeine Publikum. Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr. Info: www.itb-berlin.de Veranstaltungen von und mit Brot für die Welt – Tourism Watch Sie finden uns am Stand 217 in Halle 4.1 (eingerahmt von TourCert und ECPAT). Unter dem Titel …

Roundtable Menschenrechte im Tourismus

Nichtregierungsorganisationen und Reiseveranstalter im deutschsprachigen Raum haben sich zum "Roundtable Menschenrechte im Tourismus" zusammengetan, um Konzepte zu entwickeln, wie Unternehmen im Tourismus ihre Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte erfüllen können. Die Mitglieder wollen praktische Erfahrungen sammeln, diese austauschen und menschenrechtliche Sorgfalt zum Standard der …

Biotreibstoffe für den Flugverkehr

Die Kohlendioxidemissionen im Flugverkehr nehmen jährlich um zwei bis drei Prozent zu – entgegen dem internationalen Nachhaltigkeitsziel, die globalen Emissionen im 21. Jahrhundert um 80 Prozent zu reduzieren. Die Air Transport Action Group (ATAG) schlägt ein "klimaneutrales Wachstum" vor, das durch Verbesserungen der Energieeffizienz, Emissionshandel und weitreichende Umstellung auf …

Schlechte Klimabilanz und zahlreiche Nebenwirkungen

Bis 2020 soll die Luftfahrt kohlendioxidneutrales Wachstum erreichen und bis 2050 die Halbierung des Netto-CO2-Ausstoßes (bezogen auf den Stand von 2005) – so die von der Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) und der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) definierten Klimaschutzziele. Um das zu schaffen, hofft die Luftfahrtwirtschaft auch auf alternative Flugtreibstoffe. Der Beitrag von …

Das Scheitern von Jatropha

Die Luftverkehrsbranche experimentiert mit Jatropha als einem der Agrotreibstoffe der Zukunft und macht weiterhin Werbung dafür. Erfahrungen aus Indien haben jedoch gezeigt, dass Jatropha ernste "Nebenwirkungen" hatte und die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt hat. Um herauszufinden, was schiefgelaufen ist, befragten wir Souparna Lahiri, der in Delhi lebt und unabhängig zu Klimawandel, …

Weniger "Spaß", noch mehr Herausforderungen

Der Tourismus ist auf den Philippinen ein boomender Wirtschaftszweig. Dieser Trend hält nun bereits seit einigen Jahren an und macht die südostasiatische Republik zu einem der aufsteigenden Sterne am globalen Tourismushimmel. 2012 stieg die Anzahl der Besucher von 3,9 Millionen (2011) auf 4,3 Millionen. Der Tourismus trug damit rund 5,9 Prozent zur Volkswirtschaft bei. Mit dem Werbeslogan "It's …

Wenig Klimatransparenz in der deutschen Tourismuswirtschaft

Die Deutschen unternahmen im Jahr 2012 über 69 Millionen Reisen. Dafür wurde zu 37 Prozent das Flugzeug als Transportmittel gewählt. Der Tourismus ist ein Mitverursacher des Klimawandels, da durch Transport, Beherbergung und Aktivitäten vor Ort in erheblichem Maße Kohlendioxid (CO2) und andere klimawirksame Gase emittiert werden. Der größte Anteil der tourismusbedingten Emissionen entsteht durch …

"Schrei nach Land": Film über Vertreibung und Repressionen in Honduras

In seinem Film "Bajo Aguán: Schrei nach Land" zeigt der Journalist Giorgio Trucchi die Gefahren auf, denen Kleinbauern in der fruchtbaren Region Bajo Aguán im Norden von Honduras ausgesetzt sind. Große Landesteile, die eigentlich im Zuge der Agrarreform an Kleinbauernfamilien hätten verteilt werden sollen, gelangten in die Hände von Großgrundbesitzern. Der Film zeigt, wie heute dort in …

Globaler Klima-Risiko-Index 2014

Ärmere Entwicklungsländer sind gegenüber globalen Klimarisiken besonders verwundbar, trotz der Tatsache, dass die monetären Schäden durch extreme Wetterereignisse in den reicheren Ländern wesentlich höher sind. Das zeigt der Globale Klima-Risiko-Index (KRI) von Germanwatch. Er macht deutlich, wie stark die einzelnen Länder von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen etc. …

TODO! 2013: Preisverleihung auf der ITB an Projekte aus Kambodscha, Mexiko und dem Iran

Projekte aus dem Iran, aus Kambodscha und Mexiko sind die Gewinner des TO DO! 2013 Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus, den der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e. V. seit 1995 jährlich ausschreibt. Am 5. März 2014 um 14.30 Uhr werden sie auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin ausgezeichnet. Trotz aller Verschiedenheiten verfolgen die diesjährigen Preisträger …

Tourism Concern Petition gegen Waisenhaustourismus

Mit einer Petition ruft die britische Nichtregierungsorganisation Tourism Concern in London Reiseveranstalter auf, keine Touristenbesuche und Freiwilligeneinsätze mehr in Waisenhäusern anzubieten. Kinder dürften nicht dazu benutzt werden, Urlaubsangebote zu verkaufen. Nach Recherchen von Tourism Concern werden nur 33 Prozent des Geldes, das an Waisenhäuser gespendet wird, für das Wohl der Kinder …

In Gedenken an Anita Orlovius-Wessely

Am 10.12.2013 ist Anita Orlovius-Wessely im Alter von 68 Jahren verstorben. Wir gedenken einer Wegbegleiterin in der Tourismuskritik. Ihre Vision von einem nachhaltigen, gerechten Tourismus hat sie zu "Tourismus mit Einsicht", zur Gründung der Gruppe Neues Reisen und in die Arbeitsgemeinschaft für Nachhaltige Tourismusentwicklung (DANTE) geführt. Ihr Engagement für den Schutz von Kindern vor …

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