Nr. 72 Tourismus in besetzten Gebieten (09/2013)

Dass der Tourismus Chancen und Risiken birgt, wird fast nirgendwo so deutlich wie in besetzten Gebieten. Hier kann der Tourismus Träger von Informationen für eine Bevölkerung sein, deren eigene Bewegungsfreiheit oft eingeschränkt ist, aber er kann auch Mittel zur Festigung der Fremdherrschaft sein und zur ökonomischen Ausgrenzung und Verbreitung von Vorurteilen missbraucht werden. Wir schauen heute genauer nach Tibet, Palästina und in die Westsahara und lernen Menschen kennen, die sich auch in der Besatzungssituation Stolz und Würde bewahren, die sich den Tourismus als Mittler zwischen den Konfliktparteien wünschen, aber die auch Sorge haben, dass durch den Tourismus der Konflikt um die Deutungs- und Interessenshoheit einseitig zu Gunsten der Besatzer entschieden wird.

Die Beiträge zeigen, dass Tourismus mehr ist als nur ein Wirtschaftszweig: er ist Kommunikation und bietet Austausch, ein Chancen- und Brückenbauer, aber er ist auch immer wieder Mittel der Konfliktführung. Sowohl der Reisewirtschaft, als auch uns als Reisenden kommt eine hohe Verantwortung zu, abzuschätzen, ob der Tourismus eine Besatzungssituation verschärft oder durch mehr internationale Aufmerksamkeit dazu beiträgt, die Menschenrechtslage zu verbessern.

Mit dem Thema Wasser hat der Welttourismustag am 27. September diesmal ein Zukunftsthema im Blick: Tourismus kann nur zukunftsfähig sein, wo das Recht auf Wasser gewährleistet ist und die begrenzten Ressourcen fair verteilt sind. Dies ist umso wichtiger, weil Wasser die Voraussetzung für Gesundheit und Ernährungssicherung ist. Der Wasserbrauch im Tourismus darf nicht, wie in Bali, auf Kosten der einheimischen Bevölkerung gehen. Es ist höchste Zeit, das Menschenrecht auf Wasser in den Mittelpunkt des touristischen Wirtschaftens zu stellen und schonend mit dieser wichtigen Ressource umzugehen.

In eigener Sache möchten wir heute Annegret Zimmermann vorstellen: Sie wird das Themenfeld Klimawandel, Katastrophenvorsorge und Tourismus bei Brot für die Welt bearbeiten und ist damit angesiedelt zwischen der tourismus- und klimabezogenen Arbeit im Referat Wirtschaft und Umwelt. Wir begrüßen Annegret (az) recht herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Tibet-Tourismus in chinesischer Hand

Mit über 120 Selbstverbrennungen von Tibetern, vor allem in den tibetischen Gebieten in den chinesischen Provinzen Sichuan und Qinghai, machte Tibet in den letzten vier Jahren immer wieder traurige Schlagzeilen. Es ist eine extreme Form des Protests gegen die chinesische Tibet-Politik und die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen. Wie sich vor diesem Hintergrund der Tourismus in Tibet entwickelt, …

Westsahara: Tourismus in Flüchtlingslagern

Jedes Jahr besuchen Tausende von Ausländern aus aller Welt die saharauischen Flüchtlingslager im Südwesten Algeriens: Politiker, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen, Studenten, Forscher, Künstler und Journalisten, selbst Einzelreisende und Familien kommen zu Veranstaltungen, die von den verschiedenen saharauischen Organisationen und Behörden oder von internationalen Akteuren organisiert …

Tourismus festigt Fremdherrschaft

Kitesurfen ist ein Trendsport, der immer mehr Liebhaber findet. Doch beliebte Kitesurf-Treffpunkte an der Ost- und Nordsee haben einen großen Nachteil: Sie können keinen konstanten Wind bieten, vor allem nicht im Sommer. Wer garantierten Wind haben will, lässt es sich viel kosten. Auf Kitesurfer spezialisierte Anbieter werben für teure Urlaube in Brasiliens Nordosten mit "Geld zurück"-Garantien, …

Verletzungen von Menschenrechten und kulturellem Erbe

In Palästina ist jeder Lebensbereich von israelischer Intervention, Einmischung und Ausbeutung durchdrungen. Die Palästinenser werden ihrer Menschenrechte und politischen Rechte, ihrer Freiheit und der Souveränität über ihr Land und ihre Ressourcen beraubt. Durch die systematische Kontrolle von touristischen Sehenswürdigkeiten und Angeboten hindert Israel die Palästinenser daran, vom Tourismus und …

Tourismusunternehmen in der Pflicht

Große Swimmingpools, weitläufige Gärten – seit Jahrzehnten schon üben die Hotelanlagen in warmen Küstenregionen eine besondere Anziehungskraft auf Reisende aus. Doch die Besucherströme hinterlassen ihre Spuren. Die steigenden Touristenzahlen und die wachsende touristische Infrastruktur verzehren Unmengen an Wasser. Das Recht der Einheimischen auf Wasser bleibt dabei in vielen Fällen auf der …

Wasserknappheit in Bali

Dem Tourismus auf der indonesischen Ferieninsel Bali geht es gut – der Umwelt aber schlecht: Um den steigenden Wasserbedarf der Ferienanlagen zu decken, wurden die Wasserreserven jahrzehntelang übernutzt, und die Branche unternahm praktisch nichts, um das Problem in den Griff zu bekommen. Dies ist das ernüchternde Fazit der Studie der bekannten Akademikerin Stroma Cole. Die frühere …

"Free Tibet UK" fordert zu Intercontinental-Boykott auf

Mit dem Bau der Luxusanlage "Lhasa Paradise" in der tibetischen Hauptstadt Lhasa mache Intercontinental PR für das chinesische Regime, wirft "Free Tibet" der Hotelgruppe vor. Die britische Nichtregierungsorganisation ruft zu einem globalen Boykott von Intercontinental-Hotels auf, bis die Kette sich aus Tibet zurückziehe. Von der Präsenz des multinationalen Unternehmens im besetzten Tibet würden …

Wassersparen im Tourismus

Reisende können bereits bei der Wahl ihres Hotels, aber auch beim individuellen Wasserverbrauch auf einen schonenden Umgang mit Wasser achten. "Fair-Tipps" für den Umgang mit Wasser gibt der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (akte) auf seinem Webportal fairunterwegs.org: Vom simplen Wasserhahn Zudrehen beim Zähneputzen bis zum Duschen statt Baden in der Wanne. Bei Wartungsmängeln wie tropfenden …

Hoffnung für den Jordan

In einem Anlauf, den Jordan ökologisch wiederzubeleben, pumpt die israelische Wasserbehörde Wasser aus dem See Genezareth in den unteren Jordan. Derzeit sind es neun Millionen Kubikmeter jährlich. Gleichzeitig soll die Einleitung von Abwässern in den Fluss unterbunden werden und gegen Ende des Jahres soll eine neue Wasseraufbereitungsanlage auf israelischer Seite in Betrieb genommen werden. Eine …

Waisenhaustourismus in Kambodscha

"Waisenhaustourismus" ist in Kambodscha regelrecht zu einem Geschäftsmodell geworden, das gezielt an Touristen vermarktet wird. Im ARD Weltspiegel vom 24.8.2013 berichtete Korrespondent Norbert Lübbers in seinem Beitrag "Waisen, die keine sind", wie Kinder aus armen Familien spendenwirksam ausgebeutet werden. So gebe es Einrichtungen, in denen die Kinder zu einer "hilfsbedürftigen photogenen …

Neue Ausschreibung TO DO! Wettbewerb 2013

Der internationale TO DO! Wettbewerb wurde vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung erneut ausgeschrieben. Mit dem TO DO! Preis für sozialverantwortlichen Tourismus zeichnet der Studienkreis jedes Jahr Tourismusprojekte oder Maßnahmen aus, bei deren Planung und Realisierung die Einbeziehung unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung durch Partizipation …

Emissionsreduzierung gerecht angehen

Wissenschaftler gehen davon aus, dass fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen auf den Flugverkehr zurückzuführen sind. Werden sämtliche Klimawirkungen durch andere Treibhausgase, Schadstoffe und die Wolkenbildung berücksichtigt, könnten es bis zu 14 Prozent sein. In den internationalen Klimaverhandlungen wird eine gerechte Verantwortungsübernahme zwischen Industrienationen und den Ländern des …

Roundtable-Fachtagung Menschenrechte im Tourismus

Im Rahmen des Roundtable Menschenrechte im Tourismus findet am Montag, den 7. Oktober 2013 von 10 bis 16.00 Uhr im Kolpinghaus in München die zweite Fachtagung Tourismus und Menschenrechte statt. Vertreter aus Tourismuswirtschaft und -politik sind eingeladen, ihr Wissen über die Anwendung menschenrechtlicher Sorgfalt durch Reiseveranstalter zu vertiefen und nächste praktische Schritte zu …

Diskussion "FairReisen in ferne Welten"

Wie kann faires Reisen gelingen und wie können Reisende, Einheimische und Umwelt gleichermaßen profitieren? Die Autorin Dorit Behrens hat diese Frage zum Anlass ihrer Indienreise und dem damit verbundenen Buchprojekt "Die gute Reise" genommen. Auch mit extremer Armut musste sie sich dort auseinandersetzen. Gerade das scheint für viele Reisende reizvoll: "Slumming" oder "Armutstourismus" heißt das …

Fachgespräch Nachhaltiges Reisen. Angebot trifft Nachfrage?!

Die Deutschen denken und leben immer bewusster. Sie sind konsumerfahren, vergleichen Angebote, recherchieren gründlich und bewerten kritisch. Dies gilt auch für den Urlaub. Die ReiseAnalyse 2013 macht den vermehrten Wunsch nach einem ökologisch und sozial einwandfreien Urlaubserlebnis deutlich. Die reale Nachfrage nachhaltiger Produkte jedoch zeigt eine andere Realität. Wenn es um die konkrete …

Europäische Konferenz zu verantwortlichem Tourismus

Unter dem Titel "Europäische Realitäten des verantwortungsvollen Tourismus" organisiert das europäische Netzwerk für verantwortlichen Tourismus EARTH (European Alliance for Responsible Tourism and Hospitality) am 2. Dezember 2013 von 13 bis 17.30 Uhr eine Konferenz in Brüssel. Europäische Experten im Bereich verantwortlicher Tourismus wollen den europäischen Institutionen Vorschläge und …

Infoservice

Die wichtigsten Hintergründe alle zwei bis drei Monate im Abo Hier abonnieren