Nr. 70 Unternehmensverantwortung für Menschenrechte (03/2013)

Wir wagen mit dem vorliegenden TourismWatch Nr. 70 und den bevorstehenden Aktivitäten einen Spagat: von der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, der jährlichen Zusammenkunft der globalen Tourismuswirtschaft Anfang März, geht es zum Weltsozialforum, dem Jahrestreffen der sozialen Bewegungen und Globalisierungskritiker, das Ende März in Tunesien stattfindet.

So groß die Distanz zwischen beiden Großereignissen scheint, so wichtig ist es doch, auch den Tourismus als Ganzes zu begreifen. Um zukunftsfähig zu sein, muss der Tourismus im Einklang mit den Rechten und Bedürfnissen der Menschen gestaltet werden. Sowohl Wirtschaft und Politik als auch Zivilgesellschaft sind gefragt: Da sind auf der einen Seite die Unternehmen, die die Macht, aber auch die Verantwortung haben, die Menschenrechte zu achten und sicherzustellen, dass ihr Handeln keinen Schaden anrichtet. Da sind auf der anderen Seite die Staaten, die durch Gesetze und Regeln die Menschenrechte schützen müssen. Wie unsere Beispiele zum Thema Küstentourismus zeigen, tun sie dies bisweilen gar nicht oder nicht mit dem richtigen Fokus. Sowohl auf den Balearen, als auch in Thailand wird deutlich, dass Gesetze wirtschaftlichen Interessen dienen und zu Lasten der Bevölkerung gehen. Die Stärkung der Zivilgesellschaft in den touristischen Zielländern und die Berücksichtigung der Interessen der lokalen Bevölkerung bei Gesetzgebung und touristischer Entwicklung sind weiterhin unbedingt nötig.

Und nicht zuletzt sind auch die Reisenden gefragt, genau hinzuschauen. Die prekären Arbeitsverhältnisse im Tourismus, die der ARD-Markencheck im Januar aufgedeckt hat, sind nicht nur schockierend sondern leider auch alltäglich. Sprechen Sie Ihren Reiseveranstalter ruhig darauf an, wenn Sie feststellen, dass Ihr Busfahrer keine ausreichenden Ruhephasen hat oder die Hotelangestellten mehr als zehn Stunden arbeiten. Ein Besuch auf der ITB oder der nächste Urlaub, vielleicht schon zu Ostern, bietet Gelegenheit dazu.

Wir freuen uns auf viele interessante Gespräche zwischen dem 6. und 10. März 2013 an unserem ITB-Stand Nummer 218 in Halle 4.1 der Messe Berlin und laden Sie herzlich zu unserer hochrangig besetzten Veranstaltung "Human Rights in Practise/Menschenrechte konkret" am 6. März um 16 Uhr auf der großen Bühne, ebenfalls in Halle 4.1, ein.

Internationale Tourismusbörse Berlin

Die ITB Berlin 2013 findet vom 6. bis 10. März statt. Von Mittwoch bis Freitag ist die Messe nur für Fachbesucher geöffnet, am Samstag und Sonntag auch für das allgemeine Publikum. Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr. Veranstaltungen von Brot für die Welt – Tourism Watch Sie finden uns am Stand 218 in der Halle 4.1 (zwischen TourCert und ECPAT). Unter dem Titel „ Menschenrechte konkret/Human Rights …

Zwei Jahre nach der Revolution - Tunesien-Tourismus während der Demokratisierung

Rund zwei Jahre nach der Revolution in Tunesien im Januar 2011 hat sich der Pauschaltourismus zumindest hinsichtlich der Gästezahlen wieder etwas erholt. Doch noch immer leiden die Hotels, Restaurants und Händler, weil viele Europäer eine Reise nach Tunesien für unsicher und gefährlich halten. Die wirtschaftliche Situation, die die Regierung am dringlichsten verbessern wollte, ist durch Stagnation …

Menschenrechte konkret

"Wir wollen uns auf den Weg begeben" – das war kurz gefasst die einhellige Meinung der fast 40 Teilnehmenden der Fachtagung Tourismus und Menschenrechte am 20. Februar 2013. Tourism Watch hatte gemeinsam mit dem "Roundtable Tourismus und Menschenrechte" etwa 20 Veranstalter und Vertreter der Reisewirtschaft, namhafte Menschenrechtsexperten und Vertreter von Ministerien und aus der …

Von anderen lernen

Das Spektrum der Branchen, in denen ein Branchenstandard für gesellschaftliche Unternehmensverantwortung (CSR) existiert, ist groß. Es reicht von der Baumwollproduktion ("Better Cotton Initiative") über die Blumenzucht ("Floriculture Sustainability Initiative") und Chemieindustrie ("Responsible Care") bis zu den Energieversorgern ("Bettercoal"), Handelsunternehmen ("Business Social Compliance …

Balearen: Antworten auf die Kommerzialisierung der Landschaft

Vor dem Hintergrund der Krise und der Sparpolitik hat die Regierung der Partido Popular auf den Balearen im Laufe des Jahres 2012 diverse Änderungen in der Gesetzgebung zum Umweltschutz vorgenommen, die darauf abzielen, Investitionen der Tourismus- und der Immobilienbranche sogar in Naturschutzgebieten zu unterstützen. Über die diesen Prozessen zugrundeliegende Logik sprachen wir mit Margalida …

Dem Untergang geweiht?

Sanit (36) versuchte zügig weiter Richtung Wasser zu gehen, doch alle wussten, dass es ihm nicht gut ging. Vor kurzem war er mehr als 20 Meter in die Tiefe getaucht, um Fisch-Fallen vom Meeresgrund zu holen. Nun litt er an der Taucherkrankheit. So etwas passiert, wenn Taucher zu schnell wieder an die Oberfläche kommen und sich im Körpergewebe Stickstoffblasen bilden, die zu örtlichen Verletzungen …

Die „Saharisierung" des Mittelmeers

Der Mittelmeerraum ist eine der Regionen der Welt, wo die Auswirkungen des Klimawandels am deutlichsten spürbar werden. Die Temperaturen steigen bereits und werden ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts noch weiter zunehmen. Die Region wird heißer als der globale Durchschnitt, mit starken saisonalen Ungleichgewichten und einer Ausbreitung der Wüsten in Richtung des nördlichen Mittelmeeres. Ein …

TODO!-Preise für Projekte in Indien und Uganda

Als besonders partizipativ und damit sozialverantwortlich zeichnet der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung in diesem Jahr zwei Projekte aus Indien und Uganda mit dem „TO DO!"-Preis aus. Die „Pearls of Uganda" sind ein regionales Netzwerk, bestehend aus etwa 20 „Perlen" touristischer Angebote in verschiedenen Gemeinden im Südwesten Ugandas. Die Dörfer liegen am Rande von Nationalparks und …

Andamanen-Straße durch Jarawa-Gebiet für Touristen gesperrt

Mit einem Beschluss vom Januar 2013 verbietet Indiens Oberstes Gericht Touristen das Befahren der Andaman Trunk Road, einer umstrittenen Straße, die durch das Gebiet des indigenen Volkes der Jarawa auf den Andamanen-Inseln führt. Zuvor hatte Indiens Oberstes Gericht den Behörden der Andamanen bereits angeordnet, eine fünf Kilometer breite Pufferzone durchzusetzen, um die Jarawa vor der Ausbeutung …

Mexiko: Indigene beschweren sich über Verletzung ihrer Bewegungsfreiheit

Wegen Diskriminierung durch die lokalen Behörden haben indigene Frauen bei der Ombudsstelle für Menschenrechte des mexikanischen Bundesstaates Guanajuato Beschwerde eingelegt. Die Verwaltung der Stadt Guanajuato erlaube den indigenen Nahua aus den Bergen von Guerrero nicht, sie im Stadtkern der Stadt Guanajuato, die zum Weltkulturerbe gehört, aufzuhalten oder ihn zu durchqueren. Ihre Genehmigungen …

Laotischer Aktivist Sombath Somphone noch immer vermisst

Der laotische Aktivist Sombath Somphone, einer der Hauptorganisatoren des Asia-Europe People's Forums Mitte Oktober 2012 in Laos (vgl. TW69), ist seit dem 15. Dezember nach einer Polizeikontrolle in Vientiane verschwunden. Die Gründe für sein Verschwinden sind unklar, über seinen Aufenthaltsort ist noch immer nichts bekannt. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International …

Symposium: Neue Impulse für nachhaltigen Tourismus

Im Rahmen ihrer dritten Jahreshauptversammlung veranstaltet die „Globale Partnerschaft für nachhaltigen Tourismus" (Global Partnership for Sustainable Tourism) am 25. März 2013 von 9 bis 17.30 Uhr ein Symposium im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn. Dabei geht es unter anderem um Tourismuswachstum, um biologische Vielfalt und nachhaltigen Tourismus und um die Verantwortung des Privatsektors bei …

Weltsozialforum Tunesien

Vom 26. bis 30. März 2013 findet in der tunesischen Hauptstadt Tunis das Weltsozialforum statt. In Kooperation mit der Alternative Tourism Group (Palästina), der Association of small-scale enterprises (ASSET, Gambia), Kabani – the other direction (Indien), der Stiftung Retour (Niederlande) und weiteren Mitgliedern des Europäischen Tourismus Netzwerkes (TEN) ist Tourism Watch an der Organisation …

Europäischer Tag der Meere 2013 zu Tourismus

Die diesjährige Konferenz zum Europäischen Tag der Meere (European Maritime Day) findet am 21. und 22. Mai 2013 in Malta statt. Das Hauptthema der Konferenz ist Küstenentwicklung und nachhaltiger Küsten- und Meerestourismus. Ein besonderer Fokus liegt auf der Mittelmeerregion. Es sind sowohl hochrangige politische Debatten vorgesehen als auch ein praktischer Austausch zwischen Interessengruppen. …

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