Nr. 67 Tourismus und nachhaltige Entwicklung (06/2012)

Alle wollen nachhaltigen Tourismus: Touristen, Reiseveranstalter, Zielgebiete. Eine gesunde Umwelt, frische Luft, sauberes Wasser und intakte Natur stehen ganz oben auf der touristischen Prioritätenliste. Urlaubs- und Pauschalreisen lassen sich zunehmend auch gut in Form eines nachhaltigen Angebots verkaufen. Viele Menschen sind bereit, dafür durchaus etwas mehr auszugeben.

Wohl kaum ein anderer Begriff hat jemals einen solch inflationären Gebrauch erlebt wie "Nachhaltigkeit". Seit der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 hat sich die Metapher des Nachhaltigkeitsdreiecks durchgesetzt: Ökonomie, Ökologie und Soziales als die drei Säulen der Nachhaltigkeit müssen ausbalanciert werden. Die vielschichtigen Krisen der Weltwirtschaft, der fortschreitende Klimawandel und die Zahl von über einer Milliarde hungernden Menschen zeigen überdeutlich, dass ein zielgerichtetes Verständnis nachhaltiger Entwicklung anders ausgerichtet werden muss. Das Bild von Leitplanken eignet sich besser. Die eine Begrenzung bilden dabei natürliche Ressourcen und ökologische Tragfähigkeit, die andere Leitplanke Gerechtigkeit und Menschenrechte. So verstehen es auch die Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe.

Der Entwurf zur Abschlusserklärung der Nachfolgekonferenz Rio+20 nimmt Bezug auf Tourismus. Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) ist damit allerdings nicht zufrieden und weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die entwicklungsfördernde Wirkung bestehender Tourismusformen und ‑konzepte überschätzt werde. Tourismus sei eine besonders krisenanfällige Ökonomie und trage über Flug- und Schiffsverkehr massiv zur Klimaveränderung bei. Das prognostizierte Wachstum des Tourismus konterkariere seine Nachhaltigkeit. Aus Sicht von VENRO ist ein Paradigmenwechsel erforderlich: hin zu einem an lokalen Bedürfnissen ausgerichteten und auf den Menschenrechten basierenden Konzept touristischer Entwicklung.

Rio+20 kann die Weichen neu stellen, für einen neuen Tourismus, eine nachhaltige Entwicklung und ein gutes Leben für alle. Den Vorrang von Umwelt und Entwicklung vor wirtschaftlichen Interessen festzuschreiben, wäre ein wichtiger und dringend nötiger Schritt für den blauen Planeten und die Menschen, die ihn bewohnen.

Rio+20: Neuer Anlauf – neue Sackgasse?

Vom 20. bis 22. Juni 2012 blickt die Welt erneut nach Rio de Janeiro. Zwanzig Jahre nach dem historischen Weltgipfel von 1992 soll die diesjährige Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung neuen Schwung in die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit bringen. Im Mittelpunkt stehen Ansätze für eine "grüne", umweltverträgliche Wirtschaft im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung und …

Wachstum ohne Grenzen?

Sie wird dem "weiter wie bisher" gegenübergestellt, zumindest rhetorisch: Die "grüne Wirtschaft" – eines der Themen, die auf der Rio+20-Konferenz Ende Juni ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Das Konzept hat jedoch deutliche Schwachstellen. Es stellt das vorherrschende Wachstumsparadigma nicht in Frage und vernachlässigt die fundamentalen Herausforderungen globaler Gerechtigkeit und …

Neue Unternehmen, neue Kunden braucht das Land

Unser Land braucht nicht nur neue, beispielgebende Reiseunternehmen, die mit Nachhaltigkeitsinitiativen vorangehen, es braucht auch neue und andere Kunden. Das geht sehr viel weiter: Wir müssen uns insgesamt klar werden, dass unser Lebensstil nicht nachhaltig ist. Nehmen wir mehr der Dienste und Leistungen der Natur in Anspruch, als diese wieder erstellen kann? Das ist es, was wir mit …

Das Vermächtnis von Chico Mendes

Der brasilianische Volksheld Chico Mendes hat der Menschheit mindestens ein wichtiges Vermächtnis hinterlassen: das Gesetz zur Schaffung von Schutzgebieten zur nachhaltigen Nutzung – so genannten Extraktivismus- oder Sammlergebieten ("reservas extrativistas" – Resex auf Portugiesisch). Mendes führte in den 1970er/80er Jahren die Gewerkschaft der Kautschukzapfer an, um den reichen Farmern …

Leitlinien gegen "Land grabbing"

Mit freiwilligen Leitlinien wollen die Vereinten Nationen dazu beitragen, dem gravierenden Ausmaß von Landraub Einhalt zu gebieten, der in vielen Entwicklungsländern die Ernährungssicherheit bedroht. Das neue völkerrechtliche Instrument gilt als ein Meilenstein zum Schutz von Landrechten. Im Mai wurden die "Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und …

Der neoliberale Angriff auf die lokale und globale Demokratie

Seit Mitte der 1980er Jahr geht der Boom der globalen Hotellerie mit einer noch nie da gewesenen Expansion des Finanzkapitalismus einher. Die Verknüpfung bzw. Synergie zwischen beiden besteht in der Schaffung eines riesigen Tourismusangebots in Form von Business-Clustern, die das traditionelle Hotel um ein breites Spektrum an Anreizen ergänzen, von Ferienwohnungen über Golfplätze und Yachthäfen …

Wirtschaftswachstum inklusive?

Es ist eine clevere Urlaubsform, die dem Reisenden einen unbeschwerten und kostengünstigen Urlaub ermöglichen soll und den Reiseunternehmen große Profite beschert: der all-inclusive-Tourismus. Der Kunde erwirbt ein umfangreiches Leistungspaket, das über die Vollpension hinaus in der Regel weitere Services einschließt. Mittlerweile ist diese Urlaubsform weltweit zu finden. Insbesondere …

TO DO! 2011-Preisträger aus Bolivien, Italien und Mosambik

Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin hat der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung die drei Gewinner des TODO! 2011-Wettbewerbs Sozialverantwortlicher Tourismus ausgezeichnet. Zu den Preisträgern zählt die San Miguel del Bala Eco-Lodge in Bolivien, ein Projekt der indigenen Tacana, die sich nach Ausweisung ihrer Region als Nationalpark mit dem Tourismus eine neue …

CSR-Siegel von TourCert für Reiseveranstalter und Reisebüros

Mit der diesjährigen Verleihung von CSR-Siegeln durch TourCert tragen nun insgesamt 64 Tourismusunternehmen das CSR-Siegel, 21 davon wurden bereits re-zertifiziert. Weitere 22 Unternehmen befinden sich im Prozess der Einführung. In den Unternehmen konnten bereits über 100 CSR-ManagerInnen ausgebildet werden. Bei der Zertifizierung gehe es um ein neues Wirtschaften, um Verantwortung, gelebte …

Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung mit neuen Organisationsstrukturen

Die Organisation des Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus hat ihren Hauptsitz in die thailändische Hauptstadt Bangkok verlegt. Das neue Hauptbüro ist zunächst in den Räumlichkeiten der Kinderschutzorganisation ECPAT International untergebracht. Neuer Direktor ist der Däne Andreas Astrup. Das New Yorker Büro des Code soll als Regionalbüro für Nord-, Mittel- …

TOURA D'OR-Filmwettbewerb 2012 ausgeschrieben

Der internationale TOURA D'OR-Filmwettbewerb Zukunftsfähiger Tourismus, der seit 1990 vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung alle zwei Jahre veranstaltet wird, wurde erneut ausgeschrieben. Der Wettbewerb wendet sich an Produzenten, Regisseure, Redakteure und Auftraggeber von tourismusbezogenen Filmen. Es werden Produktionen ausgezeichnet, die sich für einen sozialverantwortlichen und …

Karikaturenausstellung "Cartoonair am Meer"

Unter dem Motto "Packende Bilder – Cartoons auf Reisen" findet vom 9.6. bis 9.9.2012 die Karikaturenausstellung "Cartoonair am Meer" auf der Wiese im Garten vom Kulturkaten im Ostseebad Perow statt. In über 200 Bildern von 53 Cartoonistinnen und Cartoonisten geht ums Einpacken vor der Reise und ums Auspacken danach, und um alles, was man dazwischen erleben kann. Im Urlaub oder auf Dienstreisen, in …

"FAIR 2012" in Dortmund

Auf der "FAIR 2012" wird auch der sozial gerechte Tourismus eines der Ausstellungsthemen sein. Die Messe zum fairen Handel findet vom 7. bis 9. September 2012 in den Westfalenhallen in Dortmund statt. EED Tourism Watch wird mit einem Stand als Aussteller auf der Messe vertreten sein. Außerdem wird Tourism Watch einen Infoshop zum Thema "Fair Reisen" im Infoshopraum direkt in der Messehalle …

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