Nr. 65 Südafrika (12/2011)

Das "Drängende ist der Tod des Dringlichen" ist ab und an als geflügeltes Wort bei Medienschaffenden zu hören. Aktuell trifft es besonders auf die stets in die Schlagzeilen drängenden abstrakt-theoretischen Zahlenspiele von Politik, Banken und Ratingagenturen zu, welche die eigentlich dringlichen Themen in den Hintergrund drängen. Während das politische Spitzenpersonal dabei ist, Euro und Weltwirtschaft zu retten, engagiert sich die zweite oder dritte Reihe bei den Klimaverhandlungen im südafrikanischen Durban. Auch in dieser Verhandlungsrunde sind weder konkrete noch wegweisende Ergebnisse zu erwarten, die helfen würden, den CO2-Ausstoß zu verringern und die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen.

Jenseits der internationalen Klimadiplomatie wird das klimapolitische Engagement nationaler Regierungen, Unternehmen, öffentlicher Einrichtungen und Privathaushalte immer wichtiger. Denn unabhängig von jeglichen Zielen – verbindlich, unverbindlich oder noch nicht einmal ausgehandelt – kommt es einzig und allein darauf an, was an Klimaschutz rasch und effektiv in die Tat umgesetzt wird.

Der Klimagipfel in Durban ist ein Anlass für uns, einen vertiefenden Blick auf den südafrikanischen Tourismus zu richten. Ein weiterer ist die erste nach "Fair Trade Travel"-Kriterien organisierte Pauschalreise von Deutschland nach Südafrika, die Ende September stattfand. Fairer Handel im Tourismus zeigt, wie ein glaubwürdiger, ethisch und sozial verantwortlicher Tourismus zur menschlichen Entwicklung beitragen kann.Tourismus allerdings per se als Beitrag zur Armutsminderung hoch zu stilisieren, um ihn damit aus den Klimaverhandlungen heraus zu halten, hat die Tourismuslobby in Durban nicht geschafft.

Die Formel "Mehr Ethik bedeutet mehr Entwicklung" trifft den Kern der Sache schon eher. Sie wurde auf der ersten "Internationalen Konferenz zu Ethik und Tourismus" der Welttourismusorganisation (UNWTO) Mitte September in Madrid ausgegeben. Antje Monshausen hat an der Konferenz teilgenommen und sie kommentiert. Zwischenzeitlich hat sie ihre neuen Aufgaben im EED übernommen und wir freuen uns, dass wir mit Corinna Rach eine engagierte und kompetente Nachfolgerin vorstellen dürfen. Wir freuen uns auf gute Zusammenarbeit für einen zukunftsfähigen Tourismus.

Es gibt noch viel zu tun!

Zwölf Jahre ist es her, dass die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) ihren "Globalen Ethikkodex für den Tourismus" verabschiedet hat. Bislang ist der Kodex weit davon entfernt, als Leitfaden für Tourismusentwicklung zu fungieren. Nun ist es der UNWTO gelungen, Mitte September 2011 in Madrid mit wichtigen staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren zu diskutieren, wie es um …

"Ich kann selbst entscheiden"

Ella Mahlulo (40) ist eine von vielen. Sie ist eine von sehr vielen Frauen in Südafrika mit einer leidvollen Vergangenheit. Doch ist sie eine von denen, die auf die Zukunft vertrauen und die Initiative ergriffen haben, um in ihrer Gemeinschaft etwas zu verbessern. Zusammen mit Penny Mainwaring leitet Ella das Unternehmen "Emzini Tours" in Knysna, einem beliebten Touristenziel an der Garden Route, …

Eine Frage des Überlebens

An der vorderen Wand werben Plakate für Abenteuer in der Natur und einen fairen Tourismus. An der Rückwand des kleinen Veranstaltungsraums informieren Poster über die verheerenden Wirkungen des Drogenkonsums. Die Arbeit von "Stormsriver Adventures" hat zwei Seiten. Das südafrikanische Unternehmen in Stormsriver hat sich mit Canopy-Touren im Tsitsikamma-Nationalpark einen Namen gemacht. Zugleich …

Faire Bedingungen, gutes Gewissen

Man hätte daran vorbeifahren können. Die Gäste hätten es vielleicht kaum bemerkt. Auf dem Weg durch Hout Bay, unweit von Kapstadt, sieht man von dem Township Imazamo Yethu (Mandela Park) nur eine kleine Ecke. Kleine, ärmliche Hütten, die notdürftig zusammengezimmert wurden, aber doch permanente Wohnstätten sind. Als Reiseanbieter in Südafrika kann man seinen Gästen ein wunderschönes, …

Letzter Aufruf Durban

Auf einem zivilgesellschaftlichen Parallelgipfel an der Universität von KwaZulu-Natal diskutierten anlässlich der UN-Klimakonferenz Anfang Dezember im südafrikanischen Durban Nichtregierungsorganisationen zusammen mit der Welttourismusorganisation (UNWTO) die Herausforderungen für die internationale Tourismuswirtschaft am Schnittpunkt von Klima- und Entwicklungspolitik. Zum Auftakt der zweiten …

Kirche setzt auf Kompensation

Mit Klimasünden, die sich "nicht vermeiden lassen", muss man nicht länger leben, man kann sie "kompensieren", und das jetzt auch bei der Kirche. Diese durchaus umstrittene moderne Form des Ablasshandels bezieht sich auf die Emissionen von Treibhausgasen, die im Alltag oder auf Reisen entstehen. Idealerweise sind es nur noch die Emissionen, die nach Umsetzung von Energiesparmaßnahmen und dem …

Bald ein weiteres verlorenes Paradies?

"Ich habe Angst!" – José Maria Borges ist ein hagerer Mann, etwa Mitte Fünfzig. Er hat einen durchdringenden, fixierenden Blick, seine Stimme ist rau und einprägsam: "Ich weiß nicht, wer es war, aber sie haben mir fast alles genommen, was ich besitze!" Im abendlichen Kerzenlicht wirken seine Worte unheimlich. Es ist nun fünf Jahre her. Mitten in der Nacht kamen maskierte Männer und stürmten in das …

Gemeindebezogen und ganzheitlich

Dass der christliche Verein junger Menschen (CVJM) in zahlreichen Ländern weit mehr ist als ein christlicher Jugendverband, wissen nur wenige. In vielen Ländern und auf internationaler Ebene ist der YMCA ein etwas anderer Akteur im Tourismus mit einer reichen Vielfalt an Reiseprogrammen sowie YMCA-Hotels und Gästehäusern in zahlreichen Ländern. Mit den Einnahmen finanzieren viele der nationalen …

Südafrikanischer Mindeststandard für verantwortlichen Tourismus

Mit einem "nationalen Mindeststandard für verantwortlichen Tourismus" (South African National Minimum Standard for Responsible Tourism – SANMSRT) will die südafrikanische Regierung Nachhaltigkeit und Verantwortung im Tourismussektor fördern und unerwünschte Auswirkungen auf das natürliche, historische, kulturelle und gesellschaftliche Umfeld verringern. Der Standard besteht aus 41 Kriterien, die …

"Reisen in die Erinnerung" in Kapstadt

Seit Ende der neunziger Jahre können sich Touristen in Kapstadt auf geführten Touren mit dem Erbe der Apartheid und dem Widerstand gegen das Unrechtsregime auseinandersetzen. 1997 wurde das Unternehmen "Western Cape Action Tours" gegründet. Die Mitarbeiter waren ANC-Veteranen ohne formelle Ausbildung. Nach dem Ende der Apartheid waren viele von ihnen arbeitslos. Um dem Bedarf an …

Eine-Welt-Filmpreis NRW für "Shosholoza Express"

Es ist eine Reise im doppelten Sinn: eine Zugreise durch das neue Südafrika, aber auch eine Zeitreise: zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die dicht beieinander liegen. Der Dokumentarfilm "Shosholoza Express" nimmt seine Zuschauer mit auf eine Reise durch Südafrika rund 20 Jahre nach Ende der Apartheid. Regisseurin Beatrice Möller vermittelt Begegnungen mit Menschen, die so unterschiedlich sind …

Globale Partnerschaft für nachhaltigen Tourismus (GPST)

Mit der neu gegründeten "Globalen Partnerschaft für nachhaltigen Tourismus" ("Global Partnership for Sustainable Tourism") wollen die Vereinten Nationen Veränderungen im Tourismus hin zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Das Sekretariat der Mitglieds-organisation ist beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Paris angesiedelt. Zu den mehr als 80 Mitgliedern gehören nationale Regierungen …

Ehemaliger ECOT-Direktor Tan Chi Kiong verstorben

Rev. Tan Chi Kiong, ehemaliger Direktor der "Ecumenical Coalition on Tourism (ECOT)" ist am 21. September 2011 nach längerer Krankheit in Hongkong verstorben. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Tan Chi Kiong wurde am 31. Juli 1940 in Klang, Malaysia geboren. Von 1986 bis 1995 war er Generalsekretär der Asia Alliance of YMCAs und eine wichtige ökumenische Führungspersönlichkeit in Asien. …

Studienkreis mit neuer Geschäftsführung

Neue Geschäftsführerin des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung ist seit Oktober 2011 Birgit Steck. Sie hat zuvor für die niederländische Entwicklungs-organisation SNV in Tansania gearbeitet und war als Gutachterin mit Schwerpunkt Lateinamerika tätig. Klaus Betz, bislang kommissarischer Geschäftsführer des Studienkreises, wird künftig wieder als freier Journalist arbeiten und weiter …

Aktualisierte Informationsbroschüre von ECPAT

Die Neuauflage der Broschüre "Aktiv zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung", herausgegeben von der Kinderrechtsorganisation ECPAT, trägt den neuesten Entwicklungen im Kinderschutz Rechnung. 2010 startete mit ministerieller Unterstützung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine länderübergreifende Kampagne. Der Aufklärungsfilm "Gegen das Wegsehen" wird von Fluglinien, Hotels und …

Internationale Tourismusbörse (ITB) 2012 in Berlin

Die ITB Berlin 2012 findet vom 7. bis 11. März statt, vom 7. bis 9. März parallel zur Messe der ITB Berlin Kongress. EED Tourism Watch wird auf der ITB mit einem Stand vertreten sein. Zudem ist eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Rechte für Menschen – Pflichten für Unternehmen" geplant, bei der es am Mittwoch, den 7.3. um 16.00 in Halle 4.1. um Menschenrechte im Tourismus gehen wird. Weitere …

"Rio+20"-Gipfel vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro

Die Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (der "Rio+20"-Gipfel) 2012 in Rio de Janeiro wurde von Anfang Juni auf den 20. bis 22. Juni 2012 verschoben. Auf der Weltkonferenz soll es um eine "grüne", umweltverträgliche Wirtschaft im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung und Armutsüberwindung gehen sowie um den institutionellen Rahmen für nachhaltige Entwicklung.

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