Nr. 63 Menschenrechte im Tourismus (06/2011)

Gleich, ob Sie in diesem Sommer "fair"-reisen, den Urlaub auf Balkonien verbringen oder Ausflüge und Touren in die nähere Umgebung planen: Es gibt viele Anlässe und Gründe, dabei nicht nur unter der Frage "Wohin?" über interessante Urlaubsorte nachzudenken, sondern sich auch über das "Wie?" des Reisens Gedanken zu machen und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Dass es dabei weiterhin viel zu bedenken und zu bereden gibt, zeigen wir in dieser Ausgabe.

Niemand hat letztlich die Wahrheit gepachtet, doch auch das "gesprochene Wort" und die Diskussionen darüber können bekanntlich zu neuen Einsichten führen - Verhaltensänderungen nicht ausgeschlossen! Aus einigen ausgewählten Veranstaltungen der letzten Zeit haben wir diesmal verschiedene bemerkenswerte Redebeiträge zusammengestellt, in denen unsere Autoren und Autorinnen sehr grundsätzlich über nachhaltigen Tourismus und verantwortliches Reisen reflektieren. Dabei benennen sie auch politische und persönliche Herausforderungen und machen konkrete Vorschläge.

Dass es dabei letztlich um nicht weniger geht, als den Schutz der Menschenrechte und die Frage, wie die Menschen in neuen und alten touristischen Zielgebieten bei touristischen Entscheidungen und Entwicklungen bestmöglich gehört werden, mitbestimmen und partizipieren können, liegt in der Natur der Sache.

Klimafreundliches Reisen als Schritt zu mehr Klimagerechtigkeit beginnt bekanntlich vor der eigenen Haustür. Daher gratulieren wir an dieser Stelle dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und seinen Partnern zum 10. Geburtstag der Initiative "Fahrziel Natur". Wir wünschen, dass die eigens entwickelten zehn Wanderrouten, die am Start- und Zielort beispielhaft an den ÖPNV angeschlossen sind, nicht nur in diesen Sommerwochen viele begeisterte Urlauber und Nachahmer finden und die Tourismusmacher/innen zu weiteren kreativen, umwelt- und menschenfreundlichen Reiseangeboten anregen.

Mischen wir uns ein!

Anfang März war in den Zeitungen das Foto einer jungen Demonstrantin in Tunesien zu sehen. Sie hält mit beiden Händen ein Plakat hoch, auf dem es sinngemäß heißt: "Wir haben genug, mischen wir uns ein!"

Zwischen Strafrecht und Unternehmensverantwortung

Das Thema "Menschenrechte und Tourismus" spielt im Bundestag bislang keine große Rolle. Das könnte sich jedoch demnächst ändern, da sich der Menschenrechtsausschuss des Bundestages in diesem Jahr mit dem Schwerpunktthema "Wirtschaft und Menschenrechte" befasst. Im Mittelpunkt steht die Frage, mit welchen Mitteln wir als nationales Parlament die menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen stärken und dadurch in ihren Gastländern die Menschenrechtslage verbessern können.

Menschenrechte zuerst!

Der Beschluss des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen in Genf (2010), in dem das Menschenrecht auf Wasser bestätigt wird, ist ein großer Erfolg für zivilgesellschaftliche Gruppen, die sich seit Jahrzehnten für die Wasserrechte der Bevölkerung einsetzen. Die Entscheidung gilt als historischer Schritt in die richtige Richtung. Sie gibt Gruppen und Bürgerrechtsbewegungen vor Ort neuen Auftrieb …

Menschenrechtsschutz als zentrale Herausforderung - Drei Fragen an Taleb Rifai, Welttourismusorganisation (UNWTO)

Alle Beteiligten im Tourismus müssen ihren Verpflichtungen entsprechend dem inter­nationalen Menschenrechtsrahmen nachkommen. Unsere Studie "Alles was Recht ist. Menschenrechte und Tourismus"* beinhaltet unter anderem Empfehlungen an die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO). Vor diesem Hintergrund fragten wir UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai nach den Bemühungen und Möglich …

Keine Brutzeitverlängerung für den Kranich

In einer Vergleichsstudie der renommierten Klimaschutzorganisation Atmosfair schneidet die Lufthansa AG im Klimaschutz nur mittelmäßig ab. Im internationalen "Atmosfair Airline Index", den Atmosfair unter der Schirmherrschaft von Klaus Töpfer im März 2011 veröffentlicht hat, erreicht die Lufthansa in Punkto CO2-pro-Kilometer nur Effizienzklasse D. Der Airline Index unterscheidet die Effizienzklassen A bis G, wobei die besten Effizienzklassen A und B von keiner der weltweit erfassten Airlines erreicht wurden.

Auf dem Weg von Cochabamba nach Durban

Überall auf der Welt wächst die Widerstandsbewegung gegen die unfairen Auswirkun­gen des Klimawandels. Wir müssen auf die Stimmen der Menschen und der Natur hören, die uns daran erinnern, dass bei der Art und Weise, wie wir diesen Planeten bewohnen, etwas vollkommen schief läuft. Die Klimakrise spiegelt die schädlichen Folgen von Gier und Überkonsum wider, ebenso die dominanten Paradigmen des menschlichen Lebens auf diesem Planeten. Das hat uns an einen Scheidepunkt zwischen Leben und Tod gebracht. Nie zuvor haben wir eine so wichtige Entscheidung getroffen.

Warum Zertifizierung? – Peruanische Ansätze in internationalen Zusammenhängen

Qualität dürfe nicht von Nachhaltigkeit getrennt gesehen werden, stellten Tourismusfachleute auf dem internationalen Seminar "Zertifizierung und Nachhaltiger Tourismus" fest, das vom 11. - 12. April 2011 im peruanischen Cusco stattfand. Organisator war das Zentrum "Bartolomé de las Casas" (CBC), eine Nichtregionsorganisation mit Sitz in Cusco und Partnerorganisation des Evangelischen …

Menschenrechtssensibel von Anfang an

Eine Menschenrechtspolitik in Unternehmen und präventive Folgeabschätzungen bei Investitionsprojekten im Tourismus können dazu beitragen, dass der Tourismus keinen "menschenrechtlichen Schaden" anrichtet. Dies stellten Expertinnen und Experten zu Tourismus und Menschenrechten auf einer Podiumsdiskussion auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) am 11. März 2011 in Berlin fest. Die …

Erste Fair Trade-Pauschalangebote auf dem deutschen Markt

Ein deutscher und zwei Schweizer Reiseveranstalter und ihre Partner wurden auf der Internationalen Tourismusbörse im März in Berlin mit "Fair Trade Travel"-Zertifikaten ausgezeichnet. Überreicht wurden die Zertifikate für Fair Trade-Pauschalreiseangebote von Jennifer Seif, Direktorin von Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA).

Flug- und Schiffsverkehr als innovative Klimafinanzierungsquelle

Wie man bei der internationalen Besteuerung des Flug- und Schiffsverkehrs Gerechtigkeit wahren kann, war eine der zentralen Fragen auf einem Fachworkshop anlässlich der Zwischenverhandlungen zur Klimarahmenkonvention Anfang April in Bangkok. Der Workshop wurde von der Asian Resource Foundation mit Unterstützung von EED Tourism Watch organisiert. Unter dem Titel "Klimagerechtigkeit - Flug- und …

BMZ-Strategiepapier Tourismus und Millenniumsentwicklungsziele

Im März hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Positionspapier "Der Beitrag des Tourismus zur nachhaltigen Entwicklung und zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele" vorgelegt. Das Papier soll als Referenzrahmen für die Positionierung Deutschlands im bilateralen und multilateralen Politikdialog dienen. Auch wenn der Tourismus kein Schwerpunktthema der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, so möchte das BMZ doch das Thema in Zukunft stärker berücksichtigen und die Kooperation mit der Wirtschaft verstärken.

INKOTA-Dossier "Tourismus – Begegnungen der anderen Art"

Auf 28 Seiten erlauben die Autoren und Autorinnen des aktuellen INKOTA-Dossiers Einblicke in den globalen Tourismus. Das Magazin beleuchtet neben Menschenrech­ten, Unternehmensverantwortung und Kinderprostitution auch häufig unterrepräsen­tierte Themen wie die Schnitt- oder besser Trennmenge zwischen Migration und Tourismus. Die Beilage zum vierteljährlich erscheinenden INKOTA-Brief ist besonders …

Bulletin "Presente" der Christlichen Initiative Romero

Die Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) gibt das Bulletin "Presente" heraus. Die aktuelle Ausgabe setzt sich unter verschiedenen Aspekten mit alternativem Tourismus im weiteren Sinne auseinander. So will CIR die Frage, was Tourismus im positiven Sinne leisten kann und sollte, aus den Kreisen nobler Nachhaltigkeits-Imagebroschüren auf ein breiteres und angemessenes Diskussionsniveau bringen. …

Studie "Neue Wege zur Einhaltung internationaler Finanzzusagen"

Frank Schroeder hat im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung die Studie "Rückenwind für den Klimaschutz?" erstellt. Darin beschäftigt er sich mit den anstehenden Herausforderungen von Klimaschutzfinanzierung in Entwicklungsländern und behandelt potentielle Finanzierungsinstrumente, unter anderem auch den Flug- und Schiffsverkehr als Mittel der Klimafinanzierung.

Diashow "Im Reich der Maya"

Eine Multivisionsshow, die mehr als nur Bilder von Landschaften vermittelt, sondern auch Lebensrealitäten und menschliche Herausforderungen zeigt, haben die Fotojournalisten Jutta Ulmer und Michael Wolfenstein von "lobOlmo" zusammengestellt.

"In fünf Tagen um die Welt – Reisen, Tourismus, Nachhaltigkeit"

Zum dritten Mail findet in diesem Jahr der Polit-Sommer im Arbeitnehmerzentrum Königswinter statt. Vom 22.-26. August 2011 lädt die Stiftung für christlich-soziale Politik e.V. zu einem "Bildungsurlaub" der ganz anderen Art ein. In diesem Seminar kann man sich gedanklich an verschiedene Orte der Welt begeben und beliebte und exotische Reiseziele erforschen. Politik, Wirtschaft und Kultur …

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