Nr. 62 Menschenrechte im Tourismus (03/2011)

Gut Ding braucht Weile. Seit 2001 verpflichten sich weltweit immer mehr Reiseveranstalter, Hoteliers und andere touristische Dienstleister, den Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus umzusetzen. Gleichzeitig wird dieser "child protection code" zur unumstrittenen Grundlage für Sozial- und Nachhaltigkeitszertifizierungen im Tourismus. In diesem Jahr wird sich der Welt größte Ferien- und Reisemesse, die ITB Berlin, ebenfalls formell auf diesen Kodex verpflichten. Wenn sie diesen Schritt auch ihren Ausstellern und Geschäftspartnern nachdrücklích vermittelt und mit deutlichen Erwartungen zur Nachahmung empfiehlt, so ist dies ein weiterer wirksamer Beitrag zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention.

Mit dieser Ausgabe des TourismWatch-Informationsdienstes, während der ITB und darüber hinaus möchten wir weitere Impulse für eine den Menschenrechten verpflichtete Tourismusentwicklung geben. Als wir Ende letzten Jahres die Studie "Alles was Recht ist - Menschenrechte und Tourismus" fertig stellten, waren die Revolutionen in Tunesien und Ägypten und die politischen Veränderungen in der arabischen Welt noch nicht abzusehen. Sie haben auch die Verstrickung des Militärs und der alten Herrschaftsclique mit dem Tourismus ans Licht gebracht. Es stellt sich daher die Frage, ob der Tourismus nach der Revolution noch der gleiche sein kann wie davor oder ob der politischen Demokratisierung nicht auch eine wirtschaftliche folgen muss. Schnäppchen, Billigangebote und "Buchen hilft"-Appelle allein werden kaum dazu beitragen, den Tourismus zu demokratisieren und Einfluss und Einkünfte gerechter zu teilen.

Es gibt in der bunten globalen Urlaubswelt weiterhin viel zu bedenken, manches davon wird in Foren und Veranstaltungen während der ITB zur Sprache kommen. Nicht nur kritische Konsumenten und bewusst Reisende können sich freuen, dass jetzt auch die ersten Veranstalter in der Schweiz und Deutschland Fair Trade zertifizierte Pauschalreisen nach Südafrika anbieten und auf der Messe vorstellen werden.

So Sie zur ITB in Berlin sein werden, freuen wir uns, mit Ihnen am Stand in Halle 4.1, bei unserer Pressekonferenz im Albrechtshof oder bei der einen oder anderen Veranstaltung ins Gespräch zu kommen.

Internationale Tourismus-Börse (ITB) Berlin, 9. bis 13. März 2011

Die ITB Berlin 2011 findet vom 9. bis 13. März statt. Von Mittwoch bis Freitag ist die Messe nur für Fachbesucher geöffnet, am Samstag und Sonntag auch für das allgemeine Publikum. Öffnungszeiten: täglich 10 - 18 Uhr. Info: www.itb-berlin.de Trends & Events (Halle 4.1) Die Halle 4.1 bietet wie jedes Jahr Informationen zu nachhaltigem Reisen. Unter dem Titel "Experience Adventure, ECOtourism & …

Alles was Recht ist

Alle, die am Tourismus beteiligt sind, müssen ihren nach dem internationalen Menschenrechtsrahmen bestehenden Pflichten nachkommen. Sie sind verpflichtet ihren Teil dazu beizutragen, dass die Menschenrechte der Bevölkerung in den Zielge­bieten und die der Beschäftigten im Tourismus vollumfänglich respektiert, geschützt und gewährleistet werden. Dies fordert EED-Tourism Watch in einer neuen Studie, die deutlich macht, wie im Zusammenhang mit touristischer Erschließung oder Entwicklung in vielen Teilen der Welt fundamentale Menschenrechte missachtet werden.

Die Vertreibung der Vertriebenen

Für den Bau des Sardar Sarovar Staudamms und der dazugehörigen Infrastruktur wurden seit Anfang der 1960er Jahre große Teile der indigenen Bevölkerung (Adivasis) entlang des Narmada-Flusses in den indischen Bundesstaaten Madhya Pradesh, Gujarat und Maharashtra vertrieben. Infolge des Widerstands und einer sehr ablehnenden unabhängigen Prüfung zog sich die Weltbank 1993 aus dem Projekt zurück. Die …

Naturschutz und Tourismus auf Kosten der Buschleute

Inmitten von Botswana liegt das Zentral-Kalahari-Wildschutzreservat (Central Kalahari Game Reserve - CKGR). Es wurde 1961 gegründet, um Botswanas indigener Bevölkerung sowie dort lebenden Wildtieren eine Heimat zu bieten. Seit Mitte der 1990er Jahre versuchte Botswanas Regierung jedoch wiederholt, die indigene Bevölkerung von dem Land ihrer Vorfahren im Wildschutzreservat zu vertreiben. Anstelle der ersten Bewohner ziehen Tourismus und Diamantenförderung ein.

Touristen-Enklaven – auf dem Rücken der Arbeiter

In den vergangenen Jahren ist die Region Süd-Mexiko - Mittelamerika - Karibik zu einem der wichtigsten touristischen Zielgebiete geworden. Eines der Phänomene dieser 'Touristifizierung' ist die massive Mobilisierung von Arbeitskräften aus verschiedenen Teilen der Region zum Bau der Touristenenklaven. Das Tourismusmodell - vorangetrieben von transnationalem Kapital und großen Unternehmensgruppen in der Region - ist durch Segregation gekennzeichnet und führt zu sozialer Ungleichheit.

Widerstand in Tela Bay, Honduras

Honduras befindet sich in einer schweren wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krise, ausgelöst durch den Staatsstreich vom Juni 2009. Die neue Regierung verfolgt eine Strategie zu "Normalisierung" der Lage. Der Enklaven-Tourismus scheint einer der Sektoren zu sein, den die neue Regierung besonders fördert. Der Tourismus-Komplex "Los Micos Beach and Golf Resort", besser bekannt als …

Südsee-Insulaner wehren sich gegen Ausverkauf

Mit negativen Meldungen macht die Südsee selten Schlagzeilen. Der Traum von einsamen Stränden unter Palmen und einem stressfreien Leben der Südsee-Bewohner wird von Reiseveranstaltern und Medien gerne genährt. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. So auch auf der sagenumwobenen Insel Rapa Nui, bekannter unter dem Namen Osterinsel. Bilder von blutüberströmten demonstrierenden Ureinwohnern …

"Free Tibet" fordert Verzicht auf Zwangsumsiedlung tibetischer Nomaden

Die chinesische Politik, tibetischen Nomaden eine so genannte "moderne Lebensweise" aufzunötigen und sie in festen Behausungen anzusiedeln, stößt bei Menschenrechtsgruppen auf Kritik. Staatlich kontrollierte chinesische Medien hatten im November 2010 berichtet, man habe im Rahmen eines Regierungsprogramms etwa 6.000 Viehhirten aus 1.300 Nomadenfamilien im Kreis Shangri-la in festen Behausungen …

Siegelvergleich Nachhaltigkeit und CSR im Tourismus

Zertifizierungen für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung (CSR) im Tourismus gewinnen an Bedeutung. Befördert wird dies zusätzlich durch die im November 2010 veröffentlichte ISO-Norm 26000. Sie definiert erstmals mit weltweiter Gültigkeit "gesellschaftliche Verantwortung". Die neue Norm ist das Ergebnis des aufwändigsten Prozesses in der Geschichte der Internationalen Organisation für …

UNWTO "Ulysses Awards" für Beiträge zur den Millenniums-Entwicklungszielen ausgeschrieben

Die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) lädt staatliche Institutionen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen ein, sich um die "UNWTO Ulysses Awards" zu bewerben. Die Bewerber sollen einen wesentlichen Beitrag zur Förderung innovativer Tourismusinitiativen geleistet haben. Dies kann sich auf die Bereiche Staats- und Regierungsführung, Tourismuspolitik, angewandte …

Erste Fair Trade-Pauschalangebote auf dem deutschen Markt

Der Reiseveranstalter Studien Kontakt Reisen (SKR) aus Köln hat als erster deutscher Reiseveranstalter die gesamte Wertschöpfungskette seines Reisepakets "Gardenroute - fair and fine" nach Südafrika nach den anspruchsvollen Kriterien von Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA) überprüfen und zertifizieren lassen. Dabei wurden die wichtigsten Bestandteile des Reisangebots und die wesentlichen …

"Fair Handeln 2011" in Stuttgart

Auf der "Fair Handeln 2011" wird auch der nachhaltige Tourismus ein Angebots­schwerpunkt sein. Die Messe für verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln findet vom 14. bis 17. April 2011 auf dem Gelände der Neuen Messe in Stuttgart statt. EED Tourism Watch wird mit eigenem Stand als Aussteller auf der Messe vertreten sein. Im Rahmen des Schülertages am Freitag, 15.04.2011 wird Tourism Watch …

Menschenrechte in einer globalisierten Welt – Global Media Forum, 20.-22. Juni 2011

Wie können Medien dazu beitragen, das Bewusstsein für die weltweite Geltung der Menschenrechte zu schärfen? Mit dieser und weiteren Herausforderungen rund um Menschenrechtsfragen beschäftigt sich in diesem Jahr der internationale Medienkongress "Global Media Forum" der Deutschen Welle. Er bietet Podiumsdiskussionen und Workshops, interaktive Präsentationen, Ausstellungen und "Begegnungsinseln". …

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