Nr. 61 Unternehmensverantwortung im Tourismus (12/2010)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

die Weihnachtsmärkte sind hierzulande wieder gut besucht, die festlich geschmückten Innenstädte laden zum Einkaufen ein. Leicht gerät da in Vergessenheit, dass der Advent traditionell eine Zeit der Besinnung ist. In früheren Zeiten wurde im Advent sogar gefastet. Heute ziehen die großen oder traditionsreichen Weihnachts- und Adventsmärkte viele Besucher an. Was den vorweihnachtlichen Konsum angeht, scheiden sich jedoch die Geister: Der Einzelhandel versucht seit Jahren den besonderen Schutz der Adventssonntage aufzuheben. Kirchen und Gewerkschaften wollen diese Feiertage weiterhin als Zeit der Familie und der Besinnung bewahren.

Auch in anderen Weltregionen wird die zunehmende touristische Kommerzialisierung religiöser Anlässe kritisch gesehen. Der Aufschrei der malaysischen "Consumers Association of Penang" (CAP) war groß, als der Tourismusminister Datuk Seri Dr. Ng Yen im Juli dieses Jahres das erste "Ramadan-Sommerfestival" ankündigte. Mit vielfältigen kulinarischen Angeboten, Einkaufsmöglichkeiten und anderen Attraktionen wollte er vor allem Touristen aus dem Nahen Osten anlocken. CAP forderte daraufhin den Minister auf, nicht zu vergessen, dass der Ramadan kein touristisches Produkt ist, sondern ein heiliger Monat, der den Muslimen in der Welt zur spirituellen Bereicherung dient.

In Ägypten kamen die Einnahmen aus dem Tourismus selten den Armen im Lande zugute. In Anbetracht wachsender sozialer und politischer Spannungen schwindet dort die kulturelle und religiöse Toleranz. Dies spüren auch gesellschaftlich engagierte Veranstalter bei begegnungsorientierten Reiseprogrammen, wenn sie ihren Gästen den Blick hinter touristische Fassaden ermöglichen möchten.

Als Schwerpunkt dieser Ausgabe richten wir unser Augenmerk diesmal auf Mittelamerika und die Karibik. In Kooperation mit der katalanischen Organisation "Alba Sud" haben wir Beiträge über die Region und aus der Region zusammengestellt, die einen Eindruck von den Konflikten rund um den Tourismus und den Reaktionen der Menschen vor Ort vermitteln. Dabei wird wieder einmal deutlich, dass Tourismus nicht automatisch menschliche Entwicklung befördert - und immer wieder auch kontra-produktiv sein kann.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für eine besinnliche Weihnachtszeit und ein gutes, gesundes neues Jahr,

Heinz Fuchs                                                Christina Kamp

Engagement will kommuniziert werden

Es lässt sich trefflich darüber debattieren, ob es den Deutschen Nachhaltigkeitspreis braucht. Auch welchen Wert er hat und wie unabhängig, transparent und glaubwürdig das Auszeichnungsverfahren ist, wenn sich Unternehmen in das Paket von Nachhaltigkeitstag und Preisverleihung erst einmal einkaufen müssen, sei an dieser Stelle dahingestellt. In jedem Fall zeigt der von der Stiftung Deutscher …

Ambitionierte Begegnungsprogramme in Ägypten

Glaubwürdige Nachweise für gesellschaftliches Unternehmensengagement und soziale wie ökologische Verantwortung wollen im Detail erbracht werden. Dass es dabei nicht nur um Erfolgsmeldungen und Messzahlen geht, und wie schwierig es im Einzelfall ist, Begegnungen auf Augenhöhe zu realisieren, zeigen die Eindrücke von einer Journalistenreise mit "Biblische Reisen" nach Kairo kurz vor den Wahlen, die Ende November stattfanden.

Tourismus und soziale Konflikte in Mittelamerika

In Mittelamerika hat sich der Tourismus rasch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt und trägt zu einem deutlichen Strukturwandel in der Region bei. Wir fragten Ernest Cañada nach den sozialen Konfliktfeldern, die sich aus diesen Veränderungen ergeben, sowie nach den Reaktionen aus der Zivilgesellschaft.

Tourismus und menschliche Entwicklung - Erfahrungen aus der Dominikanischen Republik

Immer wieder wird der Tourismus als Instrument der Armutsbekämpfung gepriesen. Das Beispiel der Dominikanischen Republik zeugt jedoch von einem sehr geringen Nutzen dieses Wirtschaftszweiges. Gerade in den Orten, in denen der Tourismus besonders prominent ist, trägt er kaum zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Die folgende Analyse basiert auf Statistiken des Entwicklungsprogramms der Vereinten …

Das Vabanquespiel mit ausländischen Kapitalinvestitionen in Kuba

Bereits 1987 war der Tourismus ein Wirtschaftszweig, dem man in Kuba eine besondere Bedeutung beimaß. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1989 erreichte diese Fokussierung jedoch eine völlig neue Dimension. Kuba erlebte seine größte wirtschaftliche, soziale und politische Krise: Das Bruttoinlandsprodukt sank um 35 Prozent und Kuba verlor 85 Prozent seiner Handels- und Finanzbeziehungen. …

Auswirkungen des Tourismus in ländlichen Küstengebieten

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Tourismussektor in der Dominikanischen Republik stark gewachsen, vor allem in den ländlichen Küstengebieten. Parallel dazu haben andere, vornehmlich in ländlichen Gebieten wichtige Wirtschaftszweige (z.B. Landwirtschaft und Fischfang) eine gegenteilige Entwicklung erfahren. Der Tourismus stellt dort eine der wenigen Alternativen zu bereits vorhandenen …

Beteiligung der ländlichen Bevölkerung am Tourismus in Guatemala

Jedes Jahr besuchen gut 1,5 Millionen Ausländer als Touristen Guatemala. Es könnten weitaus mehr sein, doch das mittelamerikanische Land leidet sehr unter seinem Image als gefährliches Reiseland. Dennoch setzen viele Dorfgemeinschaften auf Tourismus, auch, um sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und ihre Umwelt zu schützen. Es existieren ungezählte gemeindebasierte touristische …

Burma: Boykottaufruf gelockert

Nach den umstrittenen Wahlen im November und der Freilassung von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi will die Nationale Liga für Demokratie (NLD) in Burma laut einem Bericht in der britischen "Times" ihren generellen Aufruf zum Tourismusboykott nicht länger aufrechterhalten. "Wir möchten, dass die Leute nach Burma kommen, nicht um die Junta zu unterstützen, sondern um den Menschen zu helfen, …

"India Tourism Watch": Widerstand gegen Aufweichung des Küstenschutzes

Nach einem Gesetzentwurf des indischen Umweltministeriums vom April 2010 sollen die bestehenden Mechanismen zum Schutz der empfindlichen Ökosysteme der etwa 7.500 km langen indischen Küste weiter aufgeweicht werden. Seit Einführung der Regeln zum Küstenschutz ("Coastal Regulation Zone Notification") 1991 hat es immer wieder Gesetzesänderungen gegeben, die Ausnahmeregelungen für eine …

"Fair Trade Travel": Faire Pauschalreisen erstmals in der Schweiz buchbar

Erstmals in der Geschichte der globalen Fair Trade-Bewegung gibt es nun "fair" zertifizierte Pauschalreisen nach Südafrika, die in der Schweiz bei den Veranstaltern Reise Service Imagine und Kuoni Reisen AG gebucht werden können. Die Standards wurden von verschiedenen Akteuren aus den Bereichen Fairer Handel und Tourismus gemeinsam entwickelt - darunter "Fair Trade in Tourism South Africa" (FTTSA) …

Interaktives Bildungsprogramm "Fokuscafé Lateinamerika"

Wieso können wir jederzeit aus dem grauen Alltag in die karibischen Urlaubsparadiese flüchten, während umgekehrte Fluchtbewegungen in hiesige Gefilde mit militärischen Sperrriegeln verhindert werden? Dieser und weiteren Fragen können Jugendliche und junge Erwachsene ab Klasse 10 im Workshop-Programm "Fokuscafé Lateinamerika" nachgehen, dass das Informationsbüro Nicaragua entwickelt hat. Anhand von …

"Alles was Recht ist!" EED-Studie zu Menschenrechten und Tourismus

In einer neuen Studie zeigt EED-Tourism Watch anhand wichtiger Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und anderer Übereinkommen der Vereinten Nationen, dass im Tourismus auf vielfältige Weise Menschenrechte verletzt werden: bürgerliche und politische, aber auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Unter dem Titel "Alles was Recht ist!" wird deutlich, welche Bedeutung der …

Welt-Sichten Dossier "Tourismus – Sehnsucht trifft Wirklichkeit"

Gemeinsam mit der Redaktion Welt-Sichten hat EED-Tourism Watch ein Dossier mit Beiträgen für eine zukunftsfähige Entwicklung durch Tourismus veröffentlicht. Aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln werfen die Autoren Blicke auf den Tourismus. Dabei geht es um Pflichten und Verantwortung, zum Beispiel die Menschenrechte zu achten und dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Es geht auch um die Chancen, …

Medienpreis für Radiobericht zu Kinderprostitution im Tourismus

Mit dem Medienpreis 2010 der Kindernothilfe wurde in der Sparte Hörfunk der rbb-Beitrag "Junge Seelen - billige Ware, Kinder im Sextourismus" von Rebecca Hillauer ausgezeichnet. Mit Originaltönen aus den Philippinen und Interviews mit Nicht-regierungsorganisationen vor Ort und in Deutschland und den Strafverfolgungs-behörden macht die Journalistin deutlich, dass das Schicksal von …

"Zwischen Achterbahn und Dschungelfloß"

Am 12.05.2011 lädt die Evangelische Akademie Baden gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Tourismus der badischen Landeskirche zum dritten Mal zu den Herrenalber Tourismusgesprächen in den Europa-Park Rust ein. Während des ganztägigen Seminars sollen Fragen des Verhältnisses zwischen Kirche und Tourismus erörtert werden. Unter dem Titel "Zwischen Achterbahn und Dschungelfloß" sollen auch Antworten gefunden werden, wie Menschen bei ihren touristischen Grenzerfahrungen seelsorgerisch begleitet werden können.

CSR-Tage der Ferienmesse Wien am 13. und 14.01.2011

In Kooperation mit Naturfreunde Internationale und ECPAT Österreich veranstaltet die Ferienmesse Wien am 13. und 14. Januar 2011 zum ersten Mal zwei Tage zu gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung (CSR). In Informationsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Hintergrundgesprächen und Pressekonferenzen wird die gesellschaftliche Verantwortung der Tourismuswirtschaft näher beleuchtet. Thema …

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