Nr. 59/60 Nachhaltigkeit in der touristischen Bildung (09/2010)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

der Global Peace Index (GPI) ist ein Versuch von Friedensexperten, die Friedfertigkeit von Ländern und Regionen zu beschreiben und zu vergleichen. Angeführt wird die Liste in diesem Jahr von Dänemark und Neuseeland. Wenig verwunderlich ist, dass ganz am Ende Somalia, Israel, der Irak und Afghanistan aufgeführt sind. Der Tourismus gilt in diesem Zusammenhang als "Friedensindustrie", weil er eher im Frieden als in Konfliktsituationen gedeiht. Viele touristische Zielgebiete liegen aber in Konfliktregionen oder sind von unterschiedlichen Konflikten und Spannungen betroffen. Ob Burma oder das "Heilige Land" - nicht selten werden sie als exotische Urlaubsparadiese vermarktet.

Tourismus kann helfen, Konflikte zu überwinden, er kann sie aber auch verschärfen. "Richte keinen Schaden an" oder "Do no harm", wie es im Fachjargon heißt, muss daher die Prämisse für Reiseveranstalter lauten. Doch es geht um mehr. Konfliktsensibilität als Bestandteil der Unternehmensverantwortung bedeutet, das konkrete Konfliktumfeld zu verstehen, die Auswirkungen des eigenen Handelns einzuschätzen und die Potenziale zur Friedensförderung zu nutzen. Neutralität ist kaum möglich, weder für Reiseveranstalter noch für Reisende.

Dieser "Watch" erscheint als Doppelausgabe und kommt somit etwas umfänglicher als üblich daher. Anlässlich des diesjährigen Welttourismustages nehmen wir in unserem Interview mit dem Bonner Büro der Welttourismusorganisation und in Beiträgen aus Kamerun und Benin die Zusammenhänge von Tourismus und biologischer Vielfalt in den Blick.

Tourismus ist "people business" - das gilt auch für seine Kritikerinnen und Kritiker aus Kirchen und Nichtregierungsorganisationen in vielen Teilen der Welt. Peter Holden hat als Direktor der Ecumenical Coalition on Third World Tourism (ECTWT) in den 1980er und 90er Jahren die globale zivilgesellschaftliche Vernetzung gefördert und den Stimmen der Bereisten bei uns in den Entsendemärkten Gehör verschafft. Im Mai ist er im Alter von 75 Jahren verstorben. Caesar D´Mello würdigt ihn in einem Nachruf als ökumenischen Wegbegleiter für einen menschlichen und verantwortlichen Tourismus.

Wie stets freuen wir uns natürlich auf kritisch-konstruktive Rückmeldungen. Bei allen Beiträgen wünschen wir eine anregende Lektüre.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs                                                Christina Kamp

Chancen und Risiken für die biologische Vielfalt

Um auf den dramatischen Verlust biologischer Vielfalt aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2010 zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt erklärt. Auch der diesjährige Welttourismustag steht in diesem Zeichen. Das von den Staats- und Regierungschefs der Welt vereinbarte Ziel, bis 2010 den weltweiten Verlust an biologischer Vielfalt entscheidend zu verlangsamen, ist …

An den Hängen des Mongo ma Loba

Der Kamerunberg, mit 4095 m der höchste noch aktive Vulkan Westafrikas, ist seit langem eine Attraktion für Forscher, Entdecker und Kamerunbesucher. Auch die Einheimischen, die an seinen Hängen leben, sind von der mächtigen Gewalt dieses Vulkanmassivs fasziniert. In alter Zeit bildeten sich Legenden und Sagen um diese Region und um den "Mongo ma Loba" oder "Fako", wie die Einheimischen den Berg …

Aus Stolpersteinen Sprungbretter machen

Benin - das kleine Land am Golf von Guinea - ist als Reiseziel eher in der frankophonen Welt ein Begriff. Mit seiner gastfreundlichen Bevölkerung und seinen landschaftlichen, historischen und kulturellen Schätzen ist das Land aber definitiv einer der Geheimtipps in Westafrika. Doch auch Benin hat mit etlichen Problemen zu kämpfen. Die im Vergleich zur Küstenregion schlechte Ausbildungs- und …

Jagdtourismus verdrängt Massai

Kenias und Tansanias Wildparks sind aus der Tourismuswerbung Ostafrikas nicht wegzudenken. Zehntausende ausländische Urlauber besuchen jedes Jahr die Safariparks. Die meisten Reisenden halten ihre Begegnung mit Wildtieren im Bild fest. Doch kommen auch wohlhabende Touristen, um Großwild zu jagen. Zwar hat Kenia im Jahr 1977 die Großwildjagd verboten, doch das Nachbarland Tansania gilt unter …

Angst vor Entführungen

Reisen in die Sahara lassen sich immer schwerer verkaufen. Unter Touristen geht die Angst vor Entführungen durch die Terrororganisation "El Kaida im Maghreb" (AQMI) oder durch kriminelle Banden um. Unter den zurückgehenden Gästezahlen leiden besonders die Tuareg in Mali und Niger, die nach den Dürren der vergangenen Jahrzehnte immer mehr auf Tourismus gesetzt haben.

Reisen in Konfliktgebiete

Der Tourismus in Ländern, die von Konflikten betroffen sind, wie beispielsweise Kolumbien oder Burma, kann einen positiven Einfluss im Land haben, er kann aber auch Konflikte verstärken. Wenn Reiseveranstalter sich entscheiden, Reisen in solche Gebiete durchzuführen, liegt es in ihrer speziellen Unternehmensverantwortung (CSR), friedensfördernde Eigenschaften des Tourismus gezielt zu nutzen und zu …

Reisen für den Frieden?

Tourismus in Verbindung mit Konfliktregionen zu diskutieren, ist auf dem ersten Blick nicht nahe liegend. Die Touristenzahlen brechen rapide ein, sobald in einer Region ein Konflikt ausbricht. Andererseits kann Tourismus in einer Konfliktregion auch wirtschaftliche Entwicklung befördern. Durch Interaktion zwischen ehemaligen Konfliktparteien können Feindbilder abgebaut werden. Positive Wirkungen …

Ein neues Image aufbauen

Die Tourismuswirtschaft gehört zu den Branchen, die am empfindlichsten auf Gewaltkonflikte reagieren. Die meisten Unternehmen tragen aber nur indirekt zur Friedensförderung bei. Die Ergebnisse einer Studie von Swisspeace und der Cologne Business School* zeigen auf, dass der Tourismus in der Wiederaufbauphase nach dem Konflikt in Ruanda eine wichtige Rolle spielt.

Nach dem Bürgerkrieg

Nach dem blutigen Bürgerkrieg in Sri Lanka ruhen nun die Waffen, doch die tiefen Wunden des Konflikts haben noch nicht einmal begonnen zu heilen. Die Wiederwahl von Präsident Mahindra Rajapakse macht es unwahrscheinlich, dass Sri Lanka sich nun auf einen langfristigen Frieden zu bewegt. Durch die Nachkriegspolitik vertieft sich die Kluft zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen. Es gibt keine …

Für Toleranz und Dialog

Es ist noch früh am Morgen, die Reisenden sitzen im Bus, die Stimmung ist heiter, alle freuen sich auf ihren Ausflug zu den Wasserfällen und ins Gebirge. Der Bus hat das Dorf kaum hinter sich gelassen, als eine hitzige Diskussion aufkommt: "Kein Wunder, dass das in diesem Land nicht voran geht, wenn die Typen schon morgens um acht Uhr im Café rumhängen!" Die Reiseleiterin bekommt dies mit und …

Für einen Tourismus mit Zukunft

Sozial- und umweltverträglicher Tourismus ist in vielen Köpfen der Reisemacher und -mittler nur in Ansätzen verankert. Doch zeigen Studien, dass immer mehr Reisende nachhaltige Aspekte in ihrem Urlaub berücksichtigt wissen möchten. Es fehlt aber bislang noch an "nachhaltigen" Reiseangeboten und an einer fachkundigen Beratung.

Widersprüchliche Wirkungen des Tourismus

Das Thema Armutsbekämpfung durch Tourismus wird in der Wissenschaft immer noch zumeist von der makro-ökonomischen Seite betrachtet. Der Tourismus als Wachstumsmotor für Entwicklungsländer wird zum Beispiel durch den Anteil der Tourismuswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt oder die Zahl der Beschäftigten in der Reisebranche gemessen.

Umstrittene Agrotreibstoffe

Die Lufthansa, wie auch einige andere Fluggesellschaften, will in Zukunft auf Biotreibstoffe setzen. Dass dabei auch die Energiepflanze Jatropha im Gespräch ist, hat bei Umweltorganisationen Widerstand hervorgerufen. Hinsichtlich wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Kriterien sei der Anbau von Jatropha und anderen Energiepflanzen nicht auf nachhaltige Weise möglich, heißt es bei "Rettet den Regenwald" in einer Protestaktion gegen die Lufthansa-Pläne.

Frischer Wind für die "Bunkers"

Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zur Sanierung des Bundeshaushaltes beinhalten eine Abgabe auf Flugtickets ab 2011. Auch international weckt der Flugverkehr zunehmend Interesse, denn er ließe sich als "frische" Finanzquelle für den Klimaschutz und für Anpassungsmaßnahmen anzapfen. Der politische Wille zu tatsächlichen Verringerung der Emissionen aus dem Flug- und Schiffsverkehr ist jedoch nach wie vor gering.

China auf dem Weg zum Reiseweltmeister

Die "BRIC"-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) werden in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren das globale Tourismusgeschäft dominieren. Die Volkswirtschaften dieser Länder wachsen doppelt so schnell wie der Durchschnitt. Auf dem "Global Travel and Tourism Summit" des World Travel & Tourism Council (WTTC) im Mai 2010 in Peking skizzierte Goldman Sachs-Analystin Anna Stupnytska die …

Jerusalem als Ort für die OECD-Tourismuskonferenz in der Kritik

Erstaunt und erschüttert nahmen die Ecumenical Coalition On Tourism (ECOT), die Alternative Tourism Group aus Bethlehem und Kairos Palestine die Ankündigung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wahr, ihre diesjährige Tourismuskonferenz in Jerusalem stattfinden zu lassen. Sie reagierten mit einem offenen Brief an die OECD und fordern die Organisation auf, ihre …

Weltkindertag 2010: Schutz von Kindern vor Gewalt

Anlässlich des Weltkindertages am 20. September 2010 ruft die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, dazu auf, den Schutz von Kindern vor Gewalt zu verbessern und die Hilfsangebote für gefährdete Kinder auszuweiten. Kaum ein Übereinkommen der Vereinten Nationen genießt so breite Akzeptanz wie das über die Rechte des Kindes. 193 Länder haben die Kinderrechtskonvention …

Engagement zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Während die Tourismusbranche schnelllebig ist und die UNWTO jährlich auf ein neues Thema anlässlich des Welttourismustages setzt, sorgt die Kinderrechtsorganisation ECPAT mit wichtigen Aktivitäten dafür, dass das Thema der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Tourismus auf der öffentlichen Agenda bleibt.

CO2-Fußabdruck im Tourismus

Bestimmte Tourismusdienstleistungen - vor allem in Verbindung mit Flug- und Fernreisen - können im Vergleich zu alltäglichen Konsumprodukten einen überproportional hohen CO2-Fußabdruck aufweisen. Auch im Tourismus könnte eine verpflichtende und auf internationalen Berechnungsstandards basierende CO2-Kennzeichnung Vorteile haben. Sie könnte zumindest langfristig dazu beitragen, bei Konsumenten das …

Kinder- und Jugendreisen – Natürlich fairreisen

Die Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung (KATE Stuttgart) hat gemeinsam mit Kinder- und Jugendreiseveranstaltern Ansätze zur "CO2-Bilanzierung von Jugendreisen" entwickelt. Herausgekommen ist eine lesenswerte Broschüre, die unterschiedliche nachhaltige Reiseformen vorstellt. Es werden einzelne Komponenten einer Reise verglichen, die sich besonders auf den CO2-Ausstoß auswirken. Ergänzt wird …

CO2-Rechner für Jugendliche

Im Rahmen des Projekts "Jugend aktiv - für Klimagerechtigkeit" hat die Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung (KATE Stuttgart) in Zusammenarbeit mit KlimAktiv, einer gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung des Klimaschutzes, einen einfachen CO2-Rechner für Jugendliche entwickelt. Anhand von lebensnahen Beispielen sollen Jugendliche zur Reflexion über Klimagerechtigkeit motiviert werden. Der …

Studienkreis für Tourismus und Entwicklung mit neuer Geschäftsführung und neuer Anschrift

Nach dem Ausscheiden von Wibke Reger wird der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung derzeit kommissarisch von Klaus Betz, dem langjährigen Studienkreis-Pressesprecher und TO DO!-Projektleiter geleitet. Das Studienkreis-Büro ist von Ammerland nach Tutzing umgezogen und seit 1. Juli 2010 unter neuer Anschrift zu erreichen: Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. Hauptstraße 35, 82327 Tutzing Tel. 08158/90 53 970, Fax 08158/ 90 53 971

Konferenz "Flugverkehr als Mittel der Klimafinanzierung" am 28.09.10

Anlässlich der Diskussion um neue Finanzierungsinstrumente für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel lädt EED Tourism Watch zu einem Informationsaustausch in Berlin ein. Dabei geht es unter anderem um den Flug- und Schiffsverkehr als Mittel der Klimafinanzierung, um die Ticket-Abgabe für in Deutschland startende Flüge und um die von Entwicklungsländern vorgeschlagene …

An die Arbeit! – Aktionstag der Klimabewegung am 10. Oktober 2010

Zu einer "Global Work Party" am 10. Oktober 2010 ruft die Kampagne "350.org" auf. An diesem Tag sollen Lösungen zum Klimaschutz gefeiert werden. Gruppen in aller Welt sollen Aktionen zum Klimawandel organisieren und diese über das Internet vernetzen. Die Aktionen sollen eine deutliche Botschaft an die Entscheidungsträger dieser Welt senden: "Wir packen's an! Wie sieht es mit Euch aus?", heißt es auf der Kampagnenwebseite. Die Zahl 350 stehe für 350 ppm - das Höchstmaß an CO2, das die Atmosphäre tragen könnte.

Den Kampf nicht aufgeben

Der Nachruf von Georg Friedrich Pfäfflin und Regula Renschler erreichte uns erst nach Druckschluss und ist weiter unten zu finden. Peter Holden war einer der Pioniere der Tourismuskritik. Er war 1982 bis 1986 der erste Direktor der "Ecumenical Coalition On Third World Tourism" (ECTWT, heute "Ecumenical Coalition On Tourism" - ECOT). Bereits zuvor arbeitete er mit Menschen in den Kirchen und in der …

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