Nr. 58 "Fair Play" im Tourismus (03/2010)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

auf der diesjährigen ITB ist dem gesellschaftlichen Engagement im Sinne freiwilliger Corporate Social Responsibility wieder ein eigener interessanter Veranstaltungstag gewidmet.

Dass dabei auch der wachsende Markt des Kreuzfahrttourismus unter sozialen und ökologischen Aspekten zu diskutieren ist und wie notwendig hier verbindliche Regeln sind, zeigen die Beiträge dazu in dieser Ausgabe. Es geht um weit mehr als um die ethische Bewertung, ob es akzeptabel sei, wenn sektschlürfende Kreuzfahrttouristen unmittelbar nach der Erdbeben-Katastrophe in Haiti an Land gehen.

Das Thema Unternehmensverantwortung ist keineswegs neu. Wie in jeder anderen Branche unterliegen auch die Unternehmen im Tourismus staatlicher Gesetzgebung, sind den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten verpflichtet und müssen die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation einhalten.

"Eigentum verpflichtet" sagt das Grundgesetz schlicht und klar. "Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Eigentlich könnte man erwarten, dass bessere nationale und internationale Regeln auch im Sinne fairer Wettbewerbs­bedingungen ein Ziel von CSR-Initiativen wären. Doch nicht selten scheinen solche Initiativen gerade das Gegenteil bewirken zu wollen: klare Regeln zu verhindern.

Mit dem Qualitätslabel "CSRcertified" wurde ein Instrument entwickelt, das es Unternehmen ermöglicht, Transparenz und Glaubwürdigkeit in ihren Nachhaltigkeits­anstrengungen herzustellen und ihre CSR-Performance kontinuierlich zu verbessern. Auch darum wird es auf der kommenden ITB wieder gehen.

Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika ist uns Anlass, nochmals vertieft und mit geweitetem Blick über "Fair Play" und Fair Trade im Tourismus nachzudenken. Auf einige ausgewählte Veranstaltungen auf der ITB weisen wir besonders hin.

Über die Themen dieser Ausgabe und manches andere mehr kommen wir gerne mit Ihnen und Euch ins Gespräch - zum Beispiel auf der ITB an unserem Stand in Halle 4.1. Wir freuen uns auf viele gute Begegnungen.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs                                                Christina Kamp

Internationale Tourismus-Börse (ITB) Berlin, 10. bis 14. März 2010

Die ITB Berlin 2010 findet vom 10. bis 14. März statt. Von Mittwoch bis Freitag ist die Messe nur für Fachbesucher geöffnet, am Samstag und Sonntag auch für das allgemeine Publikum. Öffnungszeiten: täglich 10 - 18 Uhr. Info: www.itb-berlin.de Trends & Events (Halle 4.1) Die Halle 4.1 bietet wie jedes Jahr Informationen zu nachhaltigem Reisen. Unter dem Titel "Experience Adventure, Ecotourism & …

Bilder wie aus kolonialen Zeiten

Szenen wie aus dem Film "Jenseits von Afrika": Ähnlich wie einst Karen Blixen und David Livingston sitzen Touristen in den Camps am Kilimandscharo in 4.600 m Höhe an Tischen und Stühlen in mannshohen Zelten und essen gerade zubereitete Gerichte aus frischem Gemüse und Früchten. Die größeren Tourunternehmen stellen eigens Zelte mit chemischen Toiletten zur Verfügung, obgleich in jedem Camp …

Wenn der Frieden hält

Der Bürgerkrieg ist vorbei. 26 Jahre bewaffneter Konflikt in Sri Lanka wurden offiziell für beendet erklärt, als der Anführer der tamilischen Separatisten "Liberation Tigers of Tamil Elam" (LTTE), Velupillai Prabhakaran, am 19. Mai 2009 vom srilankischen Militär getötet wurde. Auf der Insel spricht niemand mehr über Terrorismus. Entlang der asphaltierten Straßen des Landes zeigen die riesigen Flex-Plakatwände den zum Kriegshelden gewordenen Präsidenten Sri Lankas, Mahinda Rajapaksha, in verschiedenen Posen. Auf diesen Plakaten geht es um den Wiederaufbau der Nation.

Akteure oder Schurken?

Zwar werden Unternehmen zunehmend auch danach beurteilt, auf welche Weise sie ihre Produkte herstellen und ihre Gewinne erwirtschaften, doch gibt es noch keinen Konsens darüber, was "Corporate Social Responsibility" (CSR) eigentlich genau bedeutet. Um die Möglichkeiten und Grenzen unternehmerischer Verantwortung ging es auf einer Konsultation Mitte Dezember 2009 im südindischen Chennai. Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Basisgruppen und der Wissenschaft tauschten sich über Konzepte, Instrumente und Praktiken der CSR im Tourismus aus.

Vom Traumschiff zum schwimmenden Freizeitpark

Trotz Wirtschaftskrise ist der Boom der Kreuzfahrtbranche ungebrochen. Bei einem jährlichen Wachstum von sieben Prozent werden rund 50 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Zwar ist der größte Markt die USA, aber auch in Europa hat die Branche mit fast 24 Milliarden Euro im Jahr 2006 zur Volkswirtschaft beigetragen, schätzt der Verband der Kreuzfahrtreedereien (CLIA). Von der Kreuzfahrtindustrie leben in Europa 280.000 Menschen, weltweit sind es mehr als 500.000.

Kreuzzug gegen die Umwelt

Sie werden immer größer, luxuriöser, moderner und auch die Umweltstandards steigen. Warum Kreuzfahrtschiffe aber für die Umwelt noch immer so problematisch sind und ihr Nutzen für Entwicklungsländer sich in Grenzen hält, wollten wir von Dr. Ross A. Klein wissen. Er ist bekannt als "cruise junkie" und Autor mehrerer Bücher über die Kreuzfahrtschifffahrt. Als Professor für Sozialarbeit arbeitet er an der Memorial Universität von Neufundland, Kanada.

Ausbeutung auf See

"Lassen Sie den Spaß beginnen" - mit diesem Werbespruch füllt einer der größten Kreuzfahrtanbieter seine "Fun Ships". Carnival Cruise Lines weiß, was die Kunden suchen. Doch spätestens am Eingang der Mannschaftsunterkünfte unterhalb der Wasserlinie des Schiffes hört auf den "Fun Ships" der Spaß auf. Denn hier leben oft dicht gedrängt in Doppelkabinen bis zu eintausend Mitarbeiter des Hotel- und Restaurantbetriebs, die unermüdlich 24 Stunden am Tag im Schichtdienst für das körperliche Wohl und den "Spaß" der Kreuzfahrer schuften.

"Sweatships": Für bessere Bedingungen auf Kreuzfahrtschiffen

Für die einen ist es Luxustourismus, für die anderen die Hölle: Kreuzfahrtschiffe, auf denen ein großer Teil der Besatzung zu Bedingungen arbeitet, wie sie sonst vor allem aus den berüchtigten Sonderwirtschaftszonen Asiens bekannt sind. In Anlehnung an die Erfahrungen mit solchen "Sweatshops" setzen sich die Internationale Transport­arbeiterföderation (ITF) und Menschenrechtsinitiativen für …

Von Hopenhagen nach Floppenhagen

Die Erwartungen an den Weltklimagipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen waren hoch gesteckt. Ein verbindliches Klimaschutzfolgeabkommen zu dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll sollte vereinbart werden. Der Gesamtgipfel ist gescheitert und damit die Hoffnung, erstmals auch die Emissionen des Flug- und Schiffverkehrs in ein verbindliches Regelwerk einzubeziehen. Diese Emissionen steigen am …

Tourismus im Krisenjahr 2009

Das Krisenjahr 2009 war ein Ausnahmejahr in vielerlei Hinsicht. Weltweit sind die internationalen Touristenankünfte um vier Prozent gesunken. Die deutschen Pauschalreiseanbieter verzeichneten deutliche Umsatzeinbußen und Passagierrückgänge. Insgesamt konnten sie das Jahr allerdings mit einem operativen Gewinn abschließen. Möglich war dies unter anderem durch eine höhere Passagierauslastung im Flugverkehr und durch die Streichung defizitärer Städteflugverbindungen.

Nicht nur Land, auch Leute

Eine "Herausforderung für die Reiseindustrie" nennt der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung das Ergebnis seiner neuen, repräsentativen Untersuchung von Astrid Kösterke zum Interesse deutscher Touristen an organisierten anspruchsvollen Begegnungsangeboten. 22 Prozent der Deutschen wünschten sich bei Reisen in Entwicklungs- und Schwellenländer Begegnungen mit Einheimischen.

Broschüren zu Unternehmensverantwortung

Unter dem Titel "Zauberformel CSR - Unternehmensverantwortung zwischen Freiwilligkeit und Verpflichtung" liefert der EED einen Beitrag zur Debatte um die Qualität von CSR-Maßnahmen im Tourismus. Neben Beispielen von CSR werden Forderungen an Politik und Unternehmen gestellt, um CSR verbindlicher zu gestalten. Das Dossier ist in englischer und deutscher Sprache beim EED erhältlich und steht als …

Reisepavillon in Berlin

Der Reisepavillon wird 20 Jahre alt. Aus diesem Anlass kommt er in diesem Jahr als Kongress daher und findet vom 22. bis zum 25. April 2010 in Berlin statt. EED Tourism Watch ist mit einer Reihe von Veranstaltungen daran beteiligt: "Die Pleite von Kopenhagen: Wie weiter mit Klimagerechtigkeit und Tourismus?" Freitag, 23.04.2010, 9.00 - 13.00 Uhr. Ort: Harnack Haus Berlin-Dahlem. "Tourism to …

Ökumenischer Kirchentag in München

Auf dem "Markt der Möglichkeiten" des Ökumenischen Kirchentags vom 12. bis 16. Mai 2010 in München ist der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) mit einem Stand und bei einer Vielzahl von Veranstaltungen vertreten. ck- (248 Anschläge, 4 Zeilen, März 2010)

Infoservice

Die wichtigsten Hintergründe alle zwei bis drei Monate im Abo Hier abonnieren