Nr. 53 Palästina (12/2008)

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
ein herzliches Dankeschön an alle, die im Sommer an der Leserbefragung unserer Praktikantin Ricarda Schmitz teilgenommen haben! Wir haben dadurch wertvolle Anregungen bekommen. Bereits in dieser Ausgabe kommen wir dem Wunsch nach, mehr Kurzinfos zu liefern. Wie viele von Ihnen und Euch richtigerweise angemerkt haben, nehmen wir in der Tat sehr stark die Schattenseiten des Tourismus in den Blick. An dieser “Watchdog“-Rolle wollen wir – aus Solidarität mit unseren Partnern und der vom Tourismus betroffenen Bevölkerung – auch festhalten. Dennoch wollen wir gerne den Vorschlag aufgreifen, stärker nach positiven Beispielen im Tourismus Ausschau zu halten und darüber zu berichten.

Doch was soll man dazu sagen, wenn der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) mit großem Medien- und Promi-Aufgebot im Beisein der schwedischen Königin Silvia und von “Fußballkaiser“ Franz Beckenbauer im Dezember 2005 den Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung unterschreibt und dann abtaucht? Weder BTW noch Deutscher Reiseverband (DRV) waren der Einladung zum dritten Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern Ende November nach Brasilien gefolgt, um von konkreten Maßnahmen und erfolgreichen Umsetzungsinitiativen oder auch von Schwierigkeiten dabei zu berichten (S. 4 ff.). Mitglieder der deutschen Regierungsdelegation sprachen in Rio sogar davon, dass durch die Abwesenheit und eine klare Positionierung der deutschen Reisewirtschaft beim Weltkongress in Rio das Ansehen Deutschlands im Ausland beschädigt worden sei.

Pfr. Mitri Raheb von der Weihnachtskirchengemeinde in Bethlehem öffnet in seinem Beitrag ein vorweihnachtliches Fenster nach Palästina (S. 2) und im Anhang 1 dokumentieren wir Auszüge aus einem neuen Verhaltenskodex der “Palästinensischen Initiative für verantwortlichen Tourismus“ im Heiligen Land.

Zum Jahreswechsel erstrahlt nun auch die Internetseite des TourismWatch in neuem Glanz. Neben einer bessern Übersichtlichkeit der Artikel, die nun nach Themen sortiert sind, stehen selbstverständlich weiterhin alle bewährten Funktionen zur Verfügung. Darüber hinaus freuen wir uns darauf, in Zukunft herausragende akademische Abschlussarbeiten für einen sozialverantwortlichen und zukunftsfähigen Tourismus auf unserer Seite zu veröffentlichen.

Zunächst aber wünschen wir eine bereichernde Lektüre und viel Spaß beim Stöbern auf der neuen Seite von www.tourism-watch.de.

Allen eine gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs                                                    Christina Kamp

Brücken schlagen statt Mauern bauen

“Kämen Maria und Josef heute nach Bethlehem durch?”, fragte mich vor kurzem ein europäischer Journalist, nachdem er den Kontrollpunkt vor der Stadt passiert hatte. Dieser “Checkpoint“, erinnert stark an den Checkpoint Charlie an der ehemaligen Grenze in Ost-Berlin. Es sind keine Soldaten zu sehen, denn sie sitzen hinter kugelsicheren und verspiegelten Fenstern. Man sieht auch keine Schilder, man …

Ahlan waSahlan! Willkommen!

"Palästina als Reiseziel zu wählen, heißt solidarisch zu handeln. Man bricht die Isolation auf, in der die palästinensische Bevölkerung gefangen ist", sagt Pierrette Nicolosi von der belgischen Tourismusinitiative "Tourisme et Justice". Auf Bitte palästinensischer Partner brachte sie Anfang 2007 eine neue Initiative zum Tourismus im Heiligen Land auf den Weg. Anlässlich des Tages der …

Globales Engagement zum Schutz von Kindern

Sexuelle Ausbeutung von Kindern ist überwindbar. Das war die Botschaft der über 3000 Teilnehmenden aus 170 Ländern auf dem weltweit bislang größten Kongress gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. 137 Regierungen diskutierten Ende November in Rio de Janeiro mit Kindern und Jugendlichen, Nichtregierungsorganisationen, internationalen Organisationen und dem privaten Sektor. Während …

"Kinder sind keine Ware"

Seit dem ersten Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern 1996 in Stockholm ist es ein wichtiges Anliegen, Kinder und Jugendliche selbst an der Suche nach Strategien zum Schutz von Minderjährigen zu beteiligen. Aus Sicht von Kinderschutzorganisationen erhöht sich dadurch die Rechenschaftspflicht der Erwachsenen gegenüber den Kindern und Jugendlichen, die es zu schützen gilt.

Neue Töne zum Welttourismustag 2008

Um Klimawandel und Tourismus ging es beim diesjährigen Welttourismustag. Die offizielle Veranstaltung der Welttourismusorganisation (UNWTO) fand am 27. September 2008 in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Im Vorfeld trafen sich dort auch Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus Lateinamerika, Asien und Europa, um Handlungsstrategien zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit im Tourismus zu diskutieren. Auf der offiziellen UNWTO-Veranstaltung übergaben sie der Welttourismusorganisation ihre Vorschläge (s. Anhang 2).

Welttourismustag 2008 in Afrika

Mit einem Forum über die Rolle der Religion im Kampf gegen den Klimawandel begingen Religionsgemeinschaften in Nairobi, Kenia, den Welttourismustag am 27. September 2008. Sie riefen die Industrieländer auf, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um arme Länder in die Lage zu versetzen, sich an die negativen Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Sowohl Christen als auch Muslime nahmen an dem Forum teil.

"Hier kotzte Goethe"

Um die Widersprüchlichkeiten bei der Vermittlung und dem Verkauf von Natur- und Kulturerbe ging es auf der Jahreskonferenz 2008 der Association for Tourism and Leisure Education (ATLAS), die unter dem Titel "Selling or Telling" Anfang Juli im südenglischen Brighton stattfand.

Einreisebeschränkungen für HIV-Infizierte

Über 70 Länder haben Einreisebeschränkungen für HIV-Infizierte. Diese können bereits für kurzzeitige oder (häufiger) für längere Aufenthalte gelten. Die Mehrheit der Länder, die solche Einreisebeschränkungen verhängen, verlangt HIV-Tests als Nachweis. Zu den fast 30 Ländern, die HIV-infizierte Ausländer des Landes verweisen, gehören auch Reiseziele wie Sri Lanka, Malaysia, China, die Mongolei, …

Weltklimakonferenz 2008 in Polen

Bei der 14. UN-Weltklimakonferenz im Dezember 2008 in Posen ging es um Weichenstellungen, die bei der nächsten Konferenz 2009 in Kopenhagen schließlich in Entscheidungen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls münden sollen. Bislang werden die Emissionen aus Treibstoffen des internationalen Flug- und Seeverkehrs (“bunker fuels“) im Kyoto-Protokoll nicht behandelt, da sie keinem Land …

Negativpreise für irreführendes EU-Lobbying

Die Gewinner des unrühmlichen “Worst EU Lobbying Award 2008“ sind die Agrosprit-Lobbyisten. Der diesjährige Negativpreis für das schlimmste irreführende und manipulative Lobbying in Brüssel ging Anfang Dezember an Malaysian Palm Oil Council, UNICA (eine Initiative brasilianischer Zuckerbarone) und den Energiekonzern Abengoa Bioenergy, die gemeinsam nominiert waren. Zusammen erhielten sie mehr als …

Neu entwickelte Kriterien für nachhaltigen Tourismus

Die ersten so genannten "Weltweit gültigen Kriterien für nachhaltigen Tourismus" stellte die United Nations Foundation zusammen mit der Rainforest Alliance, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Welttourismusorganisation (UNWTO) auf dem Weltnaturschutzkongress Anfang Oktober in Barcelona vor. Der Kriterienkatalog wurde von der "Partnerschaft für Globale Kriterien eines …

Verantwortlicher versus unverantwortlicher Tourismus

Während die Tourismuswirtschaft am 12. November 2008 in London den "World Responsible Tourism Day" (WRTD) beging, rief im indischen Bundesstaat Goa die "Armee der wachsamen Goaner" (Jagrut Goenkaranchi Fouz – JGF) zu einer Kampagne gegen unverantwortlichen Tourismus auf. Symbolisch wurde dort der 12.11. zum "International Day Against Irresponsible Tourism“ (IDAIT) erklärt. Im Laufe von zwei …

Zweckentfremdung von Tsunami-Hilfe in Kerala

Tsunami-Gelder dürften nicht für die Tourismusentwicklung zweckentfremdet werden und die Projekte müssten den Vorgaben der Planungskommission entsprechen. Dies forderte "Kerala Tourism Watch", ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, Ende Oktober im südindischen Kerala.

"signaTOUR" Preisträger 2008

Fairer Handel und Klimaschutz im Tourismus standen im Mittelpunkt der Veröffentlichungen, die mit dem diesjährigen Medienpreis für einen Tourismus mit Zukunft "signaTOUR 2008" ausgezeichnet wurden. "Seit der ersten Ausschreibung von signaTOUR im Jahr 2003 hat die Auseinandersetzung der deutschsprachigen Reisejournalisten mit ökologischen und sozialen Zusammenhängen sichtlich zugenommen, …

Neue Website für Reiseleiter-Seminare

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung in Ammerland stellt seine interkulturellen Motivationsseminare für Tourguides in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern nun auf einer eigenen Projekt-Website im Internet vor. Unter www.tourguide-qualification.org finden sich ausführliche Informationen zu den Reiseleiter-Fortbildungen, deren Ziel es ist, Brücken zwischen den Kulturen zu …

Studienkreis für Tourismus und Entwicklung mit neuer Geschäftsführung

Neue Geschäftsführerin des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung ist seit 1. Oktober 2008 Wibke Reger. Sie tritt die Nachfolge von Dietlind von Laßberg an, die aus persönlichen Gründen ihre Tätigkeit in der Ammerlander Geschäftsstelle nieder gelegt hat. Weitere Informationen: www.studienkreis.org/deutsch/wer/main_wer.html -ck- (330 Anschläge, 5 Zeilen, Dezember 2008)

Leitfaden für umweltgerechtes Verhalten in der Antarktis

Mit einem aktualisierten Leitfaden und einem neuen Faltblatt über umweltgerechtes Verhalten auf dem "weißen Kontinent" gibt das Umweltbundesamt Reisenden und speziell Kreuzfahrttouristen verbindliche Verhaltensrichtlinien für das Südpolargebiet an die Hand. Der Leitfaden erklärt, wie die einzigartige sensible Tier- und Pflanzenwelt der Antarktis geschützt werden kann. Eine wichtige Faustregel: …

SympathieMagazin "Nepal verstehen"

Buddhistische Klöster mit aufwändigem Schnitzwerk, Stupas und himmelhohe Berge bilden ohne Zweifel eine unvergleichliche Kulisse – doch die Autorinnen und Autoren des neuen SympathieMagazins "Nepal verstehen" (Redaktion: Rainer Hörig) richten ihr Augenmerk auf das Alltagsleben in Nepal. Eine diktatorische Monarchie und ein zehn Jahre währender bewaffneter Konflikt haben zu Umwälzungen geführt, die …

SympathieMagazin "Tunesien verstehen"

Durch die geschickte Nutzung touristischer und landwirtschaftlicher Ressourcen ist Tunesien nach Libyen zum wohlhabendsten Land Afrikas aufgerückt. Fragen, wo die tunesische Gesellschaft zurzeit steht und was die wirtschaftlichen und politischen Perspektiven sind, werden im neuen SympathieMagazin “Tunesien verstehen“ (Redaktion: Martina Sabra) aufgegriffen. Das Heft weckt Interesse, sich auf das …

Fair Handeln 2009

Auf der "Fair Handeln 2009" wird auch der nachhaltige Tourismus ein Angebotsschwerpunkt sein. Die Messe für verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln findet vom 2. bis 5. April 2009 auf dem Gelände der Neuen Messe in Stuttgart statt. Veranstalter sind die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) und die Landesmesse Stuttgart. Parallel zur Messe sind ein Fachkongress sowie …

Tourismus auf dem Weltsozialforum 2009 in Brasilien

Eine Reihe von Tourismus-Workshops soll auf dem Weltsozialforum (WSF) vom 27. Januar bis 1. Februar 2009 in Belém im brasilianischen Bundesstaat Para stattfinden. Insbesondere sollen die Erfahrungen mit Tourismus, Landrechten und Bodenspekulation in verschiedenen Teilen der Welt in den Blick genommen werden. Der Klimawandel wird in Zusammenhang mit Konsummodellen – auch im Tourismus – gestellt. …

Verhaltenskodex für Tourismus im Heiligen Land

Ein verantwortungsvoller und gerechter Tourismus bietet Gemeinschaften aus verschiedenen Kulturen die Möglichkeit zur Begegnung und zum Austausch. Er fordert Solidarität und fördert zugleich ein besseres Verständnis untereinander. Diesem Prinzip folgt der vorliegende Verhaltenskodex. Er wurde entwickelt, um Pilger und Touristen über die Realität in Palästina und den Alltag der palästinensischen …

Deklaration "Für einen Klimawandel im Tourismus"

Anlässlich des Welttourismustages 2008 in Lima, Peru trafen Vertreter von NGOs aus Lateinamerika, Asien und Europa zusammen und erarbeiteten eine Reihe von Vorschlägen, um die Entwicklung eines realen nachhaltigen und solidarischen Tourismus voranzubringen.

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