Nr.52 Klimawandel (09/2008)

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

insoweit scheint in Politik, Öffentlichkeit, Medien und Tourismuswirtschaft Einigkeit zu bestehen: Der Klimawandel und seine Folgen sind die globale Herausforderung unserer Zeit und touristische Aktivitäten, insbesondere der wachsende Flugverkehr, tragen erheblich zum Klimawandel bei. Mit der Frage, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, hört die Übereinstimmung allerdings auch schon auf.

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) empfiehlt z.B. im Rahmen ihrer Klimaschutzstrategie eine Emissionsberechnung, die viele Experten in tourismuskritischen und Umweltorganisationen als wissenschaftlich fragwürdig, als politisch falsches Signal und im Ergebnis als "Anstiftung zum Greenwashing" bezeichnen. (S. 10)

Den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe "Klimawandel und Tourismus" verstehen wir als Ergänzung der Veranstaltungen zum Welttourismustag am 27. September 2008 in Peru, der auf Initiative der UNWTO der Klimaproblematik gewidmet ist.Auch anderswo finden anlässlich des Welttourismustages Veranstaltungen statt, die sich diesem Thema widmen.

Natürlich kommen auch wieder Autoren und Stimmen aus dem Süden zu Wort. T.T. Sreekumar stellt in seinem Beitrag ein deutliches "Gerechtigkeitsdefizit" im Handel mit Emissionszertifikaten fest. Er hat erhebliche Bedenken hinsichtlich einer geplanten Ausweitung. Es sei ungerecht, so sein Fazit, wenn der "Norden" mit einem technischen Instrumentarium wie dem Emissionshandel seine Klimareduktionsziele durch Ausgleichsleistungen in Entwicklungsländern erreichen will, statt durch eigene Einsparungen an Treibhausgasen. (S. 3)

Dass die ersten Siedler in Folge des Klimawandels ihre Inseln verlassen und andere sich auf die Umsiedlung vorbereiten berichtet der Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz im Interview. (S. 5) Die Frage, wer für ihre Umsiedlungskosten aufkommt oder aufkommen müsste, liegt auf der Hand.

Das Thema Klimawandel und Tourismus wird uns auch in Zukunft beschäftigen, zumal wir viele Aspekte, wie z.B. die Auswirkungen der Kreuzfahrtschifffahrt, in dieser Ausgabe noch gar nicht aufgreifen konnten.

Allen Leserinnen und Lesern, die wir in den letzten Wochen hinsichtlich ihrer TourismWatch-Nutzungsgewohnheiten kontaktiert und befragt haben, danken wir auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für ihre Auskünfte. Wir freuen uns über sehr viel Zuspruch und fühlen uns ermutigt und angespornt für die Zukunft. Um die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern wird übrigens gegenwärtig die TourismWatch-Homepage grundlegend überarbeitet. Doch auch darüber demnächst mehr.

Zunächst aber bei allen Beiträgen und Hinweisen dieser Ausgabe eine anregende Lektüre.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs                                            Christina Kamp

Für einen "Klimawandel" im Tourismus

Die internationale Debatte über Tourismus und Klimawandel müsse auch aus der Perspektive der Menschenrechte geführt werden. Dafür setzen sich verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch EED-Tourism Watch, anlässlich des diesjährigen Welttourismustages am 27. September ein. Unter dem Motto "Für einen Klimawandel im Tourismus – Beiträge für einen verantwortlichen und …

Klimawandel, Tourismus und soziale Gerechtigkeit

Internationaler Tourismus und Binnentourismus hängen eng miteinander zusammen. Durch beide werden die Optionen aufs Spiel gesetzt, die der Bevölkerung in den touristischen Zielgebieten zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes noch bleiben. Es entstehen enorme Auswirkungen in Bezug auf die CO2-Emissionen und damit auf den Treibhauseffekt.

Eine Frage des Überlebens

Die pazifische Inselwelt ist für den Klimawandel besonders anfällig. Er entscheidet in dieser Region über Leben und Tod, und das nach den Befürchtungen des Generalsekretärs der Pazifischen Kirchenkonferenz (PCC), Fe'iloakitau Kaho Tevi, eher früher als später. Je nach geografischen Bedingungen wirken sich die Klimaveränderungen auf den einzelnen Inseln unterschiedlich aus.

Wenn ein "Paradies" versinkt

"Das Thema Klimawandel ist nicht länger ein Thema der Zukunft. Es ist ein Thema der Gegenwart und es ist von größter Dringlichkeit im Südpazifik." Mit diesen Worten beschrieb Fidschis Tourismusminister Bannve Kuamaitotoya bei einer UN-Konferenz zu Tourismus und Klimawandel im Oktober 2007 die dramatische Situation seines Landes. Fidschi kann eine halbe Million Reisende im Jahr begrüßen, und der Tourismus trägt etwa 30 Prozent zum Sozialprodukt bei.

Schmelzende Gletscher, biblische Fluten

Heftige Monsunregen haben Ende August 2008 in Nepal und dem angrenzenden indischen Bundesstaat Bihar eine gewaltige Flutkatastrophe ausgelöst. Nach einem Dammbruch hat der Kosi, einer der großen Himalaya-Flüsse, die in den Ganges münden, seine Fließrichtung um 120 Kilometer nach Osten verschoben. Zahlreiche Gebiete im Südosten Nepals und in Bihar sind überschwemmt.

Milchmädchen(be)rechnung bei Flugemissionen

Indem sie den Emissionsrechner der Luftfahrtindustrie empfiehlt statt sich an die Berechnungen des Weltklimarates zu halten, setze die Welttourismusorganisation (UNWTO) ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Mit diesem Vorwurf hat sich eine Gruppe tourismuskritischer Organisationen im Juli 2008 in einem offenen Brief an die UNWTO gewandt und um eine Erklärung gebeten.

Die Rolle der Reiseveranstalter beim Klimaschutz

Im Hinblick auf Klimaschutz befinden sich die großen Reiseveranstalter momentan in einem Dilemma: Einerseits erkennen sie, dass effizienter Klimaschutz langfristig unverzichtbar für den Erhalt ihres Kernproduktes und somit ihres zukünftigen wirtschaftlichen Erfolges ist. Andererseits würde eine Nettoreduktion ihrer eigenen Emissionen eine grundlegende Umstrukturierung ihres traditionellen Geschäftsmodells bedeuten.

10 Tipps für Reisen mit dem "Klimaplus"

Das Klimabündnis Österreich hat 10 Tipps zusammengefasst, wie Urlauber ihre Reise klimafreundlich(er) gestalten können: • Bahn, Bus oder Fahrrad haben die beste Ökobilanz • Zielorte bis zu 700 km erreicht man auch ohne Flugzeug • Zielorte bis zu 2.000 km - Aufenthalt mindestens 8 Tage • Zielorte über 2.000 km - Aufenthalt mindestens 14 Tage • Setzen Sie auch in der Destination auf sanfte Mobilität …

Sri Lanka pflanzt Bäume

Zehntausend Sandelholzbäume wurden kürzlich auf Initiative des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Umwelt in Sri Lanka gepflanzt, vor allem in Tempeln und an religiösen Stätten. Damit soll der Sandelholzbaum wieder ins Blickfeld – auch der Touristen – gerückt werden. Die Baumpflanzaktion ist eine von verschiedenen Initiativen, die das Anliegen eines "kohlenstoffneutralen Sri Lanka" …

"Mausam": Reflektionen zum Klimawandel aus dem Süden

Eine neue indische Zeitschrift mit dem Titel "Mausam" soll ein Forum bieten, um die Diskussion um den Klimawandel auch den "einfachen Menschen" zugänglich zu machen. Darin kommen unter anderem der "durch den Kapitalismus verursachte Klimawandel" und "marktbasierte Scheinlösungen wie der Emissionshandel und Biokraftstoffe" auf den Prüfstand. In der ersten Ausgabe vom Juli-September 2008 werden verschiedene indische Projekte unter dem "Clean Development Mechanism" (CDM) untersucht und gravierende Mängel aufgedeckt.

Dos and Don´ts in Goa

Der Drogenhandel oder -konsum ist in Goa streng verboten, ebenso pädophile Aktivitäten. Diese Botschaft und weitere "Dos and Don'ts" lässt die Regierung des kleinen indischen Bundesstaates in Tourismusorten auf Anschlagtafeln anbringen. Was Touristen zu tun haben, ist zunächst einmal, den Meldepflichten nachzukommen und die Visavorschriften zu beachten. Zudem dürfen sie nur Touristenführer …

Normalität im Konflikt

Israel und die Israelis besser zu verstehen, bedeutet, sich auch mit den Palästinensern zu befassen – und umgekehrt. So ergänzen sich die beiden neuen SympathieMagazine "Israel verstehen" (Redaktion: Katharina Amling) und “Palästina verstehen“ (Redaktion: Friedemann Büttner, Susanne Weiß) auf hervorragende Weise. Hinzu kommt das ebenfalls neu erschienene Heft “Judentum verstehen“ (Redaktion: Gesa …

Eine Landbrücke voller Kontraste

Wer das Sympathie Magazin "Costa Rica – Guatemala – Nicaragua verstehen" liest, erhält ausführliche Informationen über die bunte Welt dieser kleinen und überraschend vielfältigen zentralamerikanischen Staaten. Die Redakteurinnen Susanne Asal und Sandra Weiss stellen Geschichten von Mayas, Garifunas, Ticos und Indígenas vor und vermitteln tiefgehende Eindrücke in den facettenreichen Alltag der …

Tagung: "Lichtblicke im Morgenland?"

Trotz ungelöster politischer Konflikte gehört Israel/Palästina zu den meist besuchten Reisezielen dieser Erde. Der Tourismus war immer eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle, an der alle Seiten, wenn auch unterschiedlich, Anteil hatten. Auf der Tagung "Lichtblicke im Morgenland?" vom 7. bis 9. November 2008 in der Evangelischen Akademie Baden in Bad Herrenalb soll diskutiert werden, in welcher Weise die Weiterentwicklung des Tourismus eine gemeinsame Perspektive darstellen könnte, von der für die Friedensfrage neue Impulse ausgehen.

World Travel Market (WTM) 2008

Der diesjährige World Travel Market auf dem Messegelände ExCeL in den Londoner Docklands findet vom 10. bis 13. November statt. Der 12. November ist als "World Responsible Tourism Day" angekündigt. Zudem findet anlässlich des WTM am Donnerstag, den 13. November von 11.00 bis 16.00 Uhr die Konferenz "The Business Case for Responsible Tourism" statt. Auf dieser Konferenz soll es darum gehen, wie …

Reisepavillon 2009

Der nächste Reisepavillon soll im kommenden Jahr deutlich später als sonst, nämlich vom 26. Februar bis 2. März 2009 in München stattfinden. Veranstalter ist Stattreisen Hannover, Ausrichter sind diesmal die Organisatoren der gleichzeitig stattfindenden Freizeitmesse "Freizeit Reisen Erholung" (f.re.e.), Nachfolger der C-B-R. Als Themenschwerpunkt widmet sich der Reisepavillon 2009 dem "Tourismus …

Another Tourism is possible

Anlässlich des Welttourismustages 2008 der UNWTO in Lima, Peru trafen sich im Vorfeld zivilgesellschaftliche Gruppen aus Lateinamerika, Asien und Europa, um über die Folgend des Klimawandels für die Bevölkerung vor Ort zu diskutieren.

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