Nr. 48 Frauen im Tourismus (09/2007)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

Wie könnte es auch anders sein in der Mobilitätsbranche Tourismus: Es ist einiges in Bewegung.

Unter dem Slogan "Lassen Sie kümmern" nimmt der Deutsche Reiseverband (DRV) mit einer in der Branche durchaus als "sexy" bezeichneten Imagekampagne den Wettbewerb mit Internetbuchern und Direktvermarktern auf. Durch die Fusionen mit My Travel und First Choice haben Thomas Cook und TUI Travel an Unübersichtlichkeit gewonnen, sind britischer geworden und haben sich als Führungsduo mit einem Umsatz von 17,6 Mrd. Euro (TUI Travel) bzw. 11,9 Mrd. (Thomas Cook) 2006 als Europas größte Veranstalter positioniert. Dahinter stehen weltweit 48.000 Beschäftigte und 27 Millionen Kunden bei den TUI-Veranstaltern und Airlines und rund 33.000 Beschäftigte und 19 Millionen Kunden bei Thomas Cook.

Ein großer Teil auch dieser Reisenden möchte erklärtermaßen seinen Urlaub genießen und sich dabei in dem guten Gefühl wiegen, der Umwelt möglichst wenig zu schaden und einen Beitrag dazu leisten, dass die Bewohner und Beschäftigten des Gastlandes angemessen vom Tourismus profitieren. Damit sich dies mit den Erwartungen der Investoren an Aktienkurse und Dividenden in Einklang bringen lässt, bedarf es einer nachhaltigen Unternehmensführung im Sinne von "Corporate Social Responsibility".

Bisher finden sich bei Reiseangeboten allerdings noch kaum Hinweise über die sozialen Qualitätsstandards, die hinter der Reise stehen – von einem aussagefähigen Soziallabel ganz zu schweigen. Gerade fand die "Faire Woche" statt und machte einmal mehr deutlich, dass ethisch verantwortlicher Konsum längst aus der Nische kirchlicher und sozialer Organisationen herausgetreten ist. 16 Millionen Deutsche kaufen regelmäßig oder zumindest hin und wieder Produkte aus fairem Handel. Dass hier auch ein beträchtliches Marktpotenzial für den Tourismus liegt, sollte Anspruch und Herausforderung zugleich sein. Ob ein Fairtrade-Zertifikat für Tourismus machbar ist, prüft gegenwärtig die Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) zusammen mit Nichtregierungsorganisationen aus sechs verschiedenen Ländern. Einen anderen Weg gehen kleine und mittlere Unternehmen im "Forum anders reisen". Sie wollen über standardisierte Nachhaltigkeitsberichte Transparenz in die sozialen Hintergründe des Reisens bringen.

Ob die Welttourismusorganisation (UNWTO) mit einer aufwändigen Programm- und Veranstaltungskette um Armutsbekämpfung, Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit und die Bedeutung von Glaube und Religion im Tourismus einen ernstzunehmenden Beitrag leisten kann, muss sich erst noch zeigen. Mit ihrem Vorstoß, zum Welttourismustag etwas einseitig die „offenen Türen“ für Frauen in den Blick zu nehmen, hat sie sich nicht nur Freunde gemacht, wie die in dieser Ausgabe dokumentierten Bedenken aus Indien und anderen Teilen der Welt zeigen. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch ermutigende Beispiele gibt, unter anderem in Gambia, wo mit Unterstützung aus der Entwicklungszusammenarbeit einheimische Frauen zumindest einen Fuß in die Tourismus-Tür bekommen haben.

Wir wünschen eine anregende Lektüre und freuen uns wie immer über kritisch-konstruktive Rückmeldungen.

Heinz Fuchs      Christina Kamp

 

Frauen im Tourismus: Durch die "gläserne Decke" in den Keller?

"Der Tourismus öffnet Türen für Frauen" lautet das diesjährige Motto der Welttouris­musorganisation (UNWTO) zum Welttourismustag am 27. September. Die UNWTO nutzt die Veranstaltung im Gastgeberland Sri Lanka, um auf die Arbeits- und Karriere­möglichkeiten für Frauen im Tourismus aufmerksam zu machen. Dabei wird sie ihrer Aufgabenstellung gerecht, Tourismus als Mittel der Armutsbekämpfung zu …

Tourismus öffnet Türen für Frauen?

"Tourismus öffnet Türen für Frauen" – der Slogan des diesjährigen Welttourismustages am 27. September – kommt bei zivilgesellschaftlich organisierten Frauen in Indien nicht gut an. Umso engagierter greifen sie ihn auf. An den Aktionen ist auch Magline Peter maßgeblich beteiligt, eine der führenden Fischereigewerkschaftlerinnen Indiens, die 2005 als eine von "1000 FriedensFrauen Weltweit" für den …

Fair unterwegs in Kerala/Indien

Die palmengesäumten Kanäle, Lagunen und Seeufer wie aus dem Bilderbuch haben Alappuzha, das ‘Venedig des Ostens’, zu einer der besten Backwater-Destinationen in Kerala gemacht. Am frühen Morgen gleitet ein Hausboot durch einen der schmalen Kanäle, dessen Ufer von kleinen Häusern und Hütten gesäumt sind. Eine Frau hockt auf den Steinstufen am Kanalufer und wäscht ihr Kochgeschirr. An einer anderen …

Mit Rosen und Ruderbooten aus der Armut: Sonntag in den Yelagiri Hills

Der See glitzert in der Mittagssonne. Die vier jungen Männer sind in Urlaubslaune. Sie haben das Geld für eine Bootspartie bezahlt. Jetzt warten sie auf dem Steg, bis der nächste Ruderkahn frei ist. "Was ist, wenn wir länger unterwegs sind als eine halbe Stunde", witzeln sie. Die Vermieterin ist nicht auf den Mund gefallen: "Ich rufe, wenn 25 Minuten um sind", gibt sie zurück, "wenn ihr dann doch …

"Gambia is Good"

In dem kleinen westafrikanischen Staat Gambia ist der Tourismus ein wichtiger Wirt­schaftsbereich. Dennoch lebt noch immer der größte Teil der Bevölkerung in Armut. Damit der Tourismus stärker zur Armutsbekämpfung beitragen kann, haben Nichtregie­rungsorganisationen mit finanzieller Unterstützung aus Großbritannien die Initiative "Gambia is Good" gestartet und begonnen, den Zugang von …

Kenia: Tourismus gerecht gestalten

Die immer wieder gestellte Frage "Wer profitiert wirklich vom Tourismus?" ließ sich in den Dörfern am Maasai Mara-Wildreservat in Kenia noch bis vor kurzem eindeutig beantworten. Zwar kauften die Touristen auf Ausflügen in die Maasai-Dörfer Kunsthandwerk und Souvenirs, doch den großen Reibach machten die Fahrer und Reiseleiter, die sie dorthin brachten. Denn die kassierten nicht schlecht bei den …

Verantwortung der Tourismusbranche: "Corporate Social Responsibility" wird messbar

Was bleibt im Land, wenn die Reisesaison vorbei ist? Zahlen Touristikunternehmen ihren Mitarbeitern vor Ort Löhne, die eine Familie ernähren können? Entsorgen Hotels ihren Müll umweltgerecht? Nimmt die Reiseplanung Rücksicht auf die natürlichen Ressourcen, z.B. bei der Wasser- und Energieversorgung? Stammen die Lebensmittel im landestypischen Restaurant wirklich aus dem Land? Zunehmend fragen …

Internationale Aids-Konferenz in Sri Lanka: HIV/Aids zu einem Tourismus-Thema machen

Es müsse im Interesse der Reisebranche liegen, das Wohl und die Gesundheit ihrer Gäste und der Gastgeber im Tourismus langfristig zu sichern, fanden die Teilnehme­rinnen und Teilnehmer eines Workshops der Ecumenical Coalition on Tourism (ECOT) zu "Armut, Aids und Tourismus" auf dem 8. Internationalen Kongress zu Aids in Asien und Pazifik (ICAAP) Ende August in Colombo/Sri Lanka. Nach Ansicht der …

Flüchtige Blicke, anhaltendes Starren: Visuelle Welten im Tourismus

Ob auf Postkarten oder Fotos, in Filmen, Katalogen, Broschüren, Reiseführern, Stadt­plänen oder Landkarten – der Tourismus lebt von der visuellen Darstellung. Die dies­jährige Tourismus-Konferenz der Universität Brighton Mitte Juni im südenglischen Eastbourne stand unter dem Titel "Gazing, Glancing, Glimpsing". Von flüchtigen Blicken bis hin zum intensiven Anstarren des exotischen Anderen bewegt …

Pressehintergrundgespräch im Auswärtigen Amt

"Bewusst reisen – Urlaub und Menschenrechte" war Inhalt eines Pressehintergrundgesprächs am 14. August, zu dem der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Günter Nooke, eingeladen hatte. Mitten in der Haupturlaubszeit war es Nooke ein Anliegen, dass Reisende sich über die Menschenrechtslage ihrer Feriendestination vorab informieren, sich …

Indonesien: Betteln verboten!

Die Provinzhauptstadt Medan in Nord-Sumatra/Indonesien will ein Gesetz erlassen, nach dem Touristen und Einheimische mit hohen Bußgeldern belegt werden, wenn sie Bettlern auf der Straße Geld geben. Den Bettlern selbst drohen Gefängnisstrafen von bis zu sechs Wochen, berichtete kürzlich die Australian Broadcasting Corporation (ABC). Sollte das Gesetz wie erwartet verabschiedet werden, müssen gut …

UNWTO-Konferenz zu Klimawandel und Tourismus

Auf der zweiten internationalen Konferenz der Welttourismusorganisation zu Klima­wandel und Tourismus vom 1. bis 3. Oktober 2007 im schweizerischen Davos sollen die Auswirkungen des Tourismus auf den Klimawandel sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus evaluiert werden. Es sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie der Tourismussektor seine Auswirkungen auf die Umwelt verringern …

UNWTO-Konferenz "Tourismus, Religionen und Kulturdialog"

Um religiös motivierten Tourismus und den Beitrag des Tourismus zum Dialog zwischen Kulturen und Gesellschaften geht es auf einer internationalen Konferenz der UNWTO vom 29. bis 31. Oktober in Cordoba/Spanien. Auch die Auswirkungen des religiös motivierten Tourismus und die Nachhaltigkeit der betroffenen Zielgebiete stehen auf der Tagesordnung. Weitere Informationen: www.unwto.org -ck- (440 …

Kulturtourismus und Entwicklung

Vom 29. bis 31. Oktober veranstaltet die CulturCooperation, Hamburg, das Symposium "Kulturtourismus und Entwicklung" im Goethe-Institut Hamburg. Internationale Experten aus der Tourismusbranche sowie von Kultur- und Umweltverbänden beleuchten Erfah­rungen und diskutieren Perspektiven über die Bedeutung des kulturellen Erbes für einen nachhaltigen Tourismus in Afrika, Asien und Lateinamerika. Das …

Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung, Basel, feiert 30jähriges Bestehen

Mit einer öffentlichen Führung durch eine Foto-Ausstellung mit Bildern zum Tourismus im Kerala (Indien) und anschließendem Fest begeht der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung, Basel, am 20. November 2007 in der Cinématte in Bern seinen 30. Geburtstag. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der indischen Partnerinitiative "KABANI – the other direction", ebenso wie der Reiseleitfaden „Fair …

Nachhaltigkeit in der Tourismus-Ausbildung

Einen Fachworkshop mit dem Titel "Bildungs_Lücke Nachhaltigkeit im Tourismus in der beruflichen Aus- und Weiterbildung" veranstaltet vom 12. bis 13. Oktober 2007 das Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (BIZ). Kontakt: Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz), Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen, Tel. 0421/171910, a.krenzer-bass@bizme.de , www.bizme …

Reisediashows zur Vermittlung von Sozialverträglichkeit im Tourismus

Um Vortragenden und Veranstaltern von Diashows Hilfestellungen bei der Auseinan­dersetzung um soziale Verantwortung im Tourismus zu geben, bietet das Netzwerk, Tourismus, Kultur e.V. (GATE) in Kooperation mit Respect (Wien) am 24. November 2007 in Berlin und am 17. Mai 2008 in München jeweils einen vierstündigen Workshop an. Dabei soll überlegt werden, wie Besucherinnen und Besucher von …

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