Nr. 46 Indien (03/2007)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

„Stell Dir vor es ist ITB und keiner geht hin“ – eine ebenso groteske wie abwegige Vorstellung? Nicht ganz: Die größten deutschen Tourismusunternehmen fehlen auf der ITB und in diesem Jahr wird erstmals auch die TUI nicht dabei sein. Doch keine Sorge, die Messe ist ausgebucht und vom 7. – 11. März werden ansonsten (fast) alle wieder da sein – „die ganze Welt an einem Tag“ sozusagen. Tourismusmacher aus allen Teilen der Welt, Reisekonsumenten mit Fernweh und Sehnsüchten, reale und künstliche Destinationen, Tourismuswissenschaft und -politik werden ebenso in Berlin bei der größten Tourismusbörse der Welt sein, wie Journalisten, Berater, Kritiker und Nichtregierungsorganisationen. Neben dem „Geschäftlichen“ wird es hoffentlich auch Raum und Zeit geben, um über den Gegenstand der Veranstaltung sehr grundlegend zu reflektieren – damit Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung immer stärker zu einer Denkweise im Tourismus werden. Schließlich ist Tourismus in weiten Teilen „People Business“ – von Menschen, mit Menschen und für Menschen gemacht. Paul Gonsalves und Jaqueline de Rey waren zwei von ihnen, die sich aus sehr unterschiedlichen Ausgangslagen heraus für einen menschenwürdigen und verantwortlichen Tourismus engagiert haben. Beide sind kürzlich verstorben.

Andererseits bestimmen klimatische Faktoren ganz erheblich den Tourismus – Sonne, Wasser und Schnee sind Baustoffe touristischer Angebote. Der neue Weltklimareport der UNO zeichnet auch für den Tourismus düstere Zukunftsszenarien. Ein Hitzeschub von bis zu 6,4 Grad, die Meere überfluten weite Teile der Küsten, Inseln verschwinden, Dürren raffen tausende Menschen dahin. „Nur eine CO2-Vollbremsung kann das Schlimmste noch verhindern“. Dabei sieht sich der Tourismus bisher eher als Betroffener dieser Prognosen und diskutiert vorrangig über touristische Alternativen und Anpassungsmöglichkeiten. Der Beitrag des Tourismus selbst zum Klimawandel wird demgegenüber ungern thematisiert. Es ist davon auszugehen, dass bereits heute der Flugverkehr für zehn Prozent des von Menschen verursachten Treibhauseffekts verantwortlich ist und bis 2050 bei den prognostizierten touristischen Wachstumsraten eine Verdreifachung der flugbedingten Emissionen zu erwarten ist.

Indien ist das Partnerland der diesjährigen ITB. Deshalb schauen wir in dieser Ausgabe etwas genauer hinter die Kulissen des indischen Tourismus und freuen uns, dass u.a. Sumesh Mangalassery von „KABANI – The other direction“ aus Kerala und Vidya Rangan von Equations in Bangalore in Indien während der ITB unsere Gäste sein werden.

Einige interessante Veranstaltungen während der ITB haben wir für Sie zusammengestellt und freuen uns, Sie und Euch am Stand von EED Tourism Watch in Halle 4.1 (Trends & Events), Stand-Nr. 205, bei Veranstaltungen oder bei anderer Gelegenheit in Berlin zu treffen.

Zunächst aber wünschen wir eine anregende Lektüre.

Heinz Fuchs      Christina Kamp

 

Internationale Tourismus-Börse (ITB) Berlin, 7. bis 11. März 2007

Die größte Tourismus-Messe der Welt beginnt in diesem Jahr am Mittwoch den 7. März und endet am Sonntag den 11. März. Dabei sind Mittwoch, Donnerstag und Freitag den Fachbesuchern vorbehalten. Öffnungszeiten: 10 - 18 Uhr. Info: www.itb-berlin.de . In diesem Jahr steht die ITB im Zeichen des Partnerlandes Indien. Entsprechend wird Indien die Eröffnungsfeier am Vorabend der Messe mit einem …

ITB- VERANSTALTUNGEN (Auswahl)

„Fair unterwegs in Kerala/Indien“ Donnerstag, 8. März 2007, 11:00 bis 12:00 Uhr, Halle 4.1., Bühne. Veranstalter: Messe Berlin GmbH, EED-TourismWatch (Bonn), Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (Basel) und Kabani – the other direction (Kerala). Was macht den Tourismus in Kerala fair oder unfair? Touristenführer, Homestay-Anbieter und Bauern in Wayanad und Selbsthilfegruppen in der Backwater …

Medizintourismus in Indien

Medizintourismus ist das neue Privatisierungs-'Mantra' des indischen Gesundheits­wesens. Menschen aus reichen Ländern reisen in ärmere Länder, um dort medizini­sche Versorgung in Anspruch zu nehmen und - um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – auch die touristischen Attraktionen des Ziellandes zu erleben. In Indien nutzen Ausländer die subventionierten medizinischen Angebote der großen …

Indien: Neue Enklaven für den Tourismus

„Indien hat nicht genug Unterkünfte. Deshalb kommen weniger ausländische Touristen”, hat die indische Tourismusministerin Ambika Soni festgestellt. Den von der indi­schen Federation of Hotel and Restaurant Associations geschätzten Bedarf von 150.000 neuen Hotelzimmern soll vor allem die Privatwirtschaft decken – unterstützt durch zahlreiche, von der Regierung gewährte Steuererleichterungen und …

Von Menschen und Fischen

Im Arabischen Meer, an der üppiggrünen Küste von Kerala, verbergen sich die Ruinen der portugiesischen und holländischen Festungen aus der Kolonialzeit. In dem kleinen Fischerdorf sieht das Haus Nr. 21 genau so aus, wie jedes andere der palmgedeckten Lehm- und Ziegelkonstruktionen des Vadi-Dorfes im Kollam Distrikt. Und das schlichte, weiß getünchte Häuschen mit den vielen Heiligenbildern im …

„Faszination Afrika“

„Faszination Afrika“ und „Urlaub in den Alpen“ lauteten dieses Jahr die beiden Schwer­punktthemen des Reisepavillons in Hannover. „Ökotourismus darf nicht bloß Nische sein, sondern Tourismus muss im Allgemeinen nachhaltig gestaltet werden!“ Schirm­herr Klaus Töpfer fand ebenso wie Bischöfin Margot Käßmann mahnende Worte zur Eröffnung der „internationalen Messe für anderes Reisen“. Die Bischöfin …

Das Afrika-Bild in deutschen Reisekatalogen

Reisekataloge heben die positiven Seiten des Urlaubsortes hervor und sollen eher verkaufsfördernd denn als Informationsmedien wirken. Die realen gesellschaftlichen und sozio-politischen Gegebenheiten des Reiselandes werden kaum dargestellt. Die Analyse von Katalogen deutscher Reiseveranstalter zeigt, dass die afrikanischen Länder südlich der Sahara vor allem als Safaridestinationen angepriesen werden.

Panama: „Für eine freiheitliche Selbstbestimmung der indigenen Völker dieser Welt“

Das indigene Volk der Kuna in Panama blickt auf eine lange und in Lateinamerika einzigartige Tradition politischer Selbstverwaltung zurück. Die Autonomie der Kuna in ihrem Gebiet Kuna Yala bezieht sich auch auf den Tourismus. Viele Kuna sind darauf bedacht, den Tourismus so zu entwickeln, dass dadurch ihre Gewohnheiten und Gebräuche und ihre natürliche Umwelt nicht verändert werden. In einer …

Südasien: Shangri-La statt Ballermann?

Anlässlich der geballten Indien-Präsenz auf der kommenden ITB 2007 widmet sich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Südasien“ dem Schwerpunkt Tourismus. Dabei wird der Blick über den indischen Tellerrand hinaus geweitet und auch die Tourismus­entwicklung anderer südasiatischer Länder behandelt. Dieter Brauer berichtet über den Zugriff auf ein „unberührtes“ Paradies – Bhutan, Kurt Luger über das …

Zwei Jahre nach dem Tsunami

Unter dem Motto „Buchen hilft!“ appellierten nach dem Tsunami Reiseveranstalter, nationale Tourismusbehörden und Vertreter der Tourismuspolitik für eine möglichst rasche Rückkehr der Touristen in die betroffenen Küstengebiete. Eine Reihe von Tourismusunternehmen sammelte Spenden, um den Wiederaufbau zu unterstützen. Nun wurde in einer im Auftrag des EED für die Ecumenical Coalition on Tourism …

Reisen: Eine assoziativ-etymologische Definition

„Reisen: Von aufstehen, sich erheben. Diese Herkunft spiegelt sich im englischen rise (aufstehen, sich erheben, steigen) wider. Für Reisen sagen wir auch sich aufmachen. Das heißt, wir öffnen uns für Neues. Wir brechen auf. In diesem Sinne ist Reisen etwas sehr Persönliches und Individuelles. Pauschalreisen sind hier nicht vorgesehen.“ Quelle: Du bist, was du sagst. Was unsere Sprache über unsere Lebenseinstellungen verrät. Von Joachim Schaffer-Suchomel und Klaus Krebs, mvg Verlag, Heidelberg 2006. ISBN 3636062646

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