Nr. 44 Tsunami und Tourismus (09/2006)

Sehr geehrte Damen und Herren,liebe Freundinnen und Freunde,

hatten Sie einen schönen Urlaub? Hoffentlich ohne Krisen und Katastrophen. Auch wenn immer mehr Reiseveranstalter umfassende Managementsysteme für Krisenfälle einführen, kann auch das beste System Katastrophen nicht verhindern. Die jüngsten Anschläge in der Türkei führen abermals vor Augen, wie Ängste und ein kontinuierliches Gefühl der Unsicherheit Teil des alltäglichen Reisegeschäfts geworden sind. Gefahren lassen sich kaum lokalisieren oder räumlich eingrenzen und sind zum allgemeinen Lebensrisiko geworden – für Reisende wie auch für die Menschen in den touristischen Zielgebieten.

Flexible Umbuchungsbedingungen und sich kurzfristig ändernde „Destinationspräferenzen“ tragen dazu bei, dass die Tourismuswirtschaft insgesamt auch in Anbetracht von Krisen und Katastrophen kaum Einbußen erleidet. Zu wenig Beachtung finden allerdings langfristig angelegte Strategien der Katastrophenvorsorge - ob beim Klima, in Fragen menschlicher Sicherheit oder im Küstenschutz. Viele Menschen, die in den Zielorten die touristischen Leistungen erbringen, verfügen über keine oder nur unzureichende soziale Absicherung. Wenn nach einer Katastrophe die Gäste ausbleiben, leiden sie doppelt. In den im Dezember 2004 vom Tsunami betroffenen Küstengebieten herrscht bis heute keine Normalität – auch wenn die Tourismuswerbung dies zuweilen zu suggerieren versucht. Vielerorts hat sich in Folge der Katastrophe das Ungleichgewicht an Mitteln, Macht und Einfluss ein weiteres Stück zugunsten der Stärkeren verschoben, wie unsere Beispiele aus Indien, Thailand und Sri Lanka zeigen.

Wir wünschen eine anregende Lektüre.

Heinz Fuchs      Christina Kamp

 

„Imagine There’s No Countries“

Wenn es keine Länder gäbe, die sich dem reichen Norden oder dem armen Süden zuordnen, oder sich als touristische Ziel- und Herkunftsländer bezeichnen ließen, würden tourismuskritische Diskussionen wohl in vieler Hinsicht differenzierter ablaufen. Wertvolle Beiträge zu einer solchen Differenzierung leisteten Wissenschaftler und Tourismusfachleute auf dem internationale Symposium „Imagine There's No …

Indien: Strategische Vertreibung zugunsten des Tourismus?

Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu hat der Tsunami jede Menge Konflikte und Widersprüche bei der Festlegung von Prioritäten in der Küstenregion zu Tage gebracht. Zum Teil sind es Probleme, die schon vor dem Tsunami bestanden, und die sich in der Wiederaufbauphase deutlich verschärft haben.

Thailand: Verzögerungstaktiken und Widerstand

Für die thailändische Regierung war der Tsunami die „Stunde Null“ – die Chance auf einen „geordneten“ Wiederaufbau auf Ko Phi Phi. Diverse Pläne, die rasante, unkontrollierte Entwicklung des Tourismus auf der Insel in geregelte Bahnen zu lenken, waren in den Vorjahren gescheitert. Doch die Überlegungen in Bangkok, die sich über eine Zonierung der Flächennutzung bis hin zur Umsiedlung und …

Sri Lanka: Die verpasste Chance

Sri Lankas Tourismuswirtschaft präsentiert der Welt heute wieder ein Strandurlaubsparadies. Vor dem Tsunami war der Tourismus in Sri Lanka einer der Hauptwirtschaftsfaktoren, und die Regierung setzt alles daran, dass das wieder so wird. Die extrem kritische Situation aufgrund des seit mehr als 20 Jahren schwelenden Bürgerkriegs zwischen der singhalesischen Regierung und der für ein autonomes …

Tsunami kostete vor allem Frauen das Leben

Nach Erkenntnissen der britischen Hilfsorganisation Oxfam könnte der Tsunami vom Dezember 2004 in Indien, Indonesien und Sri Lanka vier Mal so viele Frauen wie Männer das Leben gekostet haben. In einigen der von Oxfam untersuchten Dörfer seien bis zu 80 Prozent der Toten Frauen. Die Gründe dafür seien vielfältig. So könnten viele Frauen schlechter schwimmen oder klettern als Männer, oder sie kamen …

Erfolgreich oder Community-Based?

Es ist drei Uhr nachmittags. Ilu und ihre Kolleginnen stehen bereits am Rande des Marktplatzes von Muang Sing, einer kleinen laotischen Stadt nahe der chinesischen Grenze. Sie warten auf den Pritschenwagen aus der Provinzhauptstadt Luang Namtha, der wie jeden Tag einige ausländische Touristen bringen wird. Anhand ihrer bunt verzierten Kopfbedeckung sind die sieben Frauen leicht als Akha zu …

„Rent-a-womb“: Fortpflanzungstourismus als Outsourcing-Geschäft

Immer mehr Frauen oder Paare mit unerfülltem Kinderwunsch suchen die Lösung ihres Problems im Ausland. Auf „Reproreisen“ suchen und finden Fortpflanzungstouristinnen Zugang zu Behandlungsmethoden, die in ihren Heimatländern teuer oder verboten sind. An dem wachsenden Geschäft mit der Hoffnung haben auch einige Entwicklungs- und Schwellenländer mit guter privatmedizinischer Versorgung ihren Anteil. …

Wer die Qual hat, hat die Wahl

Sie leben und arbeiten im Schatten der Jahrhunderte alten Tempel von Angkor: Frauen aus verschiedenen Teilen Kambodschas, die auf der Suche nach einer Lebensgrundlage in der boomenden Tourismusindustrie des Landes nach Siem Riep gekommen sind. Die Armutsbekämpfungstrategie der kambodschanischen Regierung sieht vor, dass die Gleichstellung der Geschlechter als vorrangiger Bereich gefördert werden soll.

Drei Fragen an Vidya Rangan, Equations

Nach dem Scheitern des G6-Ministertreffens der Welthandelsorganisation (WTO) Ende Juli 2006 in Genf sind die Verhandlungen ausgesetzt worden. Hauptstreitpunkte bleiben die handelsverzerrenden Agrarsubventionen und die Zölle auf Industriegüter. Der Dienstleistungsbereich spielte nur indirekt eine Rolle. Denn während die USA im Agrarbereich keine Flexibilität zeigen, lassen sich viele …

Kritik an Nachhaltigkeitspreis für die WestLB

Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) hat den „Sustainable Bankers of the Year Award“ 2006, einen Nachhaltigkeitspreis der Finanzzeitung „Financial Times“ und der International Finance Corporation, gewonnen. Die Jury hob hervor, dass es der WestLB in kürzester Zeit gelungen sei, das Thema Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen zu verankern. Noch vor wenigen Jahren stand die WestLB wegen ihrer …

Zusatz zum „Palermo-Protokoll“ gegen Kinderhandel in Kraft

Sechs Jahre nach der Vereinbarung auf UN-Ebene trat im Juli auch in Deutschland die Zusatzvereinbarung gegen Kinderhandel zum „Palermo-Protokoll“ in Kraft. Die im Jahr 2000 im sizilianischen Palermo beschlossene Vereinbarung zur Verhinderung, Bekämpfung und Strafverfolgung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels verpflichtet die Beitrittsstaaten, Menschen- und Kinderhandel …

„Fair Trade in Tourism”-Messe in Brüssel

Vom 20. bis 22. Oktober 2006 findet in Brüssel erstmals die internationale Messe „Fair Trade in Tourism“ statt. Ausrichter ist Tourisme Autrement, eine belgische Partnerorganisation von EED Tourism Watch, in Kooperation mit der belgischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Belgische Technische Coöperatie - BTC) und dem Fair Trade Center, einem BTC-Projekt zur Förderung des fairen Handels. Die …

Religiosität in der mobilen Gesellschaft

Die Bibel, die – vom Auszug Abrahams bis hin zu den Reisen des Apostel Paulus – voll ist von Reisemotiven und Reisegeschichten, wird offenbar von denen besonders gut verstanden, die selbst unterwegs sind, so die Erfahrung der Urlauberseelsorge der Evangelischen Kirche. Menschen, die als Urlauber unterwegs sind, nehmen sich Zeit zum Verweilen, zum Schauen, zum Flanieren. Am Wege liegende Kirchen …

KyotoPlus - Wege aus der Klimafalle

Neue Ziele – neue Allianzen – neue Technologien – neue Politik. Diese vier Ansätze verbindet der internationale Kongress „KyotoPlus“ zu einem „magischen Viereck“ der Klimapolitik. Akteure aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirchen und Gesellschaft sind eingeladen, sich am 28. und 29. September 2006 mit den Herausforderungen des Klimawandels, seinen Gefahren aber auch seinen Chancen …

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