Nr. 40 Tsunami und Tourismus (09/2005)

Sehr geehrte Damen und Herren,liebe Freundinnen und Freunde,

jedes Jahr am 27. September ruft die Welttourismus-Organisation (WTO) der Vereinten Nationen den"Welttourismus-Tag" aus. Bei uns findet er wenig Beachtung. Aber in zahlreichenNationen des Südens wird er festlich begangen, vor allem in den Ländern, die inhohem Maße von der Ferienindustrie abhängen.

Das Motto für 2005 lautet: "Reisen und Transport: vonder imaginären Welt des Jules Verne zur Realität des 21. Jahrhunderts".Gefeiert und gesteigert werden soll also die Mobilität. Ausgerechnet. FreieFahrt für freie Bürger, im Auto oder im Flieger auf dem Weg in dieKlimakatastrophe?

Erkennen die "Herren der Schöpfung" immer nochnicht, dass die Natur nicht unbeschränkt belastbar ist? Dass wir dienatürlichen Ressourcen nicht gnadenlos plündern und zerstören können? Nur einebehutsame und nachhaltige Entwicklung wird in Zukunft die heilige Kuh Tourismusschützen, sprich Lebensgrundlagen und vor allem Menschenleben, Einheimische wieGäste.

Auch die zerstörerische Kraft des Tsunami, diehunderttausendfachen Tod bringende Sintflut, führte offensichtlich nicht zumUmdenken. Umweltschützer und Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten vorrücksichtsloser Verbauung im Alpenraum warnen, werden nicht ernst genuggenommen. In den USA hätte zumindest der seit langem geforderte, verbesserteHochwasserschutz New Orleans viel Unglück ersparen können. Die gefährlicheBrühe, die in die Stadt schoss, war durch Menschenhand vergiftet, nicht durchMutter Natur! Allein im Tourismus verloren geschätzte 80.000 Menschen ihrenArbeitsplatz.

Die ganze Welt spürt die Auswirkungen des Hurrikans Katrinadurch gestiegene Ölpreise. Ob die Belastung des Geldbeutels zum Umdenken führenwird? Wohl nicht, wenn weiterhin schnelle und starke Maschinen hochgejubeltwerden, vor allem solche, die restlos überflüssig sind. SpritfressendeGeländewagen in deutschen Städten beispielsweise. dpa meldete gerade, inEngland gebe es jetzt Schlamm aus der Sprühdose. Mit dem flüssigen Dreck aufdem Lack könne man Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Ein Hesse stelltejüngst in Chile einen Höhenweltrekord mit dem Auto auf. Er "bezwang"(!) einen 6.010 m hohen Vulkan. Amerikanische Fluglinien versprechen bei kleinenSpenden von 50 US-Dollar bereits zusätzliche Bonusmeilen. Noch mehr fliegengerade wegen einer Katastrophe!?

Auch dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchenwurde es zu bunt. In seiner lesenswerten Botschaft "Respekt für Mensch undNatur" beklagt er, dass das Motto des diesjährigen Welttourismus-Tages diewahren Auswirkungen des Tourismus auf Menschen und Natur in den Zielgebieteneher verschleiere. Sie können seine Gedanken im Anhang nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs        Ludmilla Tüting

Bangkok will Angehörige von Tsunami-Opfern einladen

Zu Gedenkveranstaltungen im südlichen Thailand will die Regierung die engsten Angehörigen von Tsunami-Opfern am 26. Dezember einladen. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP Anfang September meldete, werde Premierminister Thaksin Shinawatra die Kosten für Flug und Hotel erstatten: "So können Sie sehen, dass wir wieder Touristen willkommen heißen können". Die Veranstaltungen zum ersten …

Wie erfolgt der touristische Wiederaufbau in Süd- und Südostasien?

Wer engagiert sich für einen sozial- und umweltverträglichenWiederaufbau des Tourismus in den Tsunami-Regionen? So lautete die zentraleFragestellung eines Gutachtens von TOURISM WATCH und der Ecumenical Coalitionon Tourism (ECOT) für den Zeitraum April bis Juli 2005. Das Ergebnis lässt zuwünschen übrig und deckt sich mit den Berichten auf den Seiten 3 bis 6. World Tourism Organization (WTO) Die …

Kein nachhaltiger Kurswechsel in Sicht

Während einer Fachtagung der tourismuskritischen Organisation EQUATIONS im südindischen Bangalore gaben Bestandsaufnahmen von Fachleuten und Augenzeugenberichte einen Einblick in die Situation in den südindischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala, auf den Andamanen und Nikobaren, auf Sri Lanka sowie in Thailand und im indonesischen Aceh.

Andamanen und Nikobaren: Ökologen warnen vor dem "Phuket-Plan"

Umweltschützer reagierten mit einem heftigen "Nein" auf den Plan, Touristen von der thailändischen Ferieninsel Phuket auf die Nikobaren und Andamanen zu transportieren. Ein solches Tourismusmodell sei für die lokale Bevölkerung und die Landschaft eine Katastrophe, berichtet BBC-Online ( http://news.bbc.co.uk ). Die nicht neue Idee, den Tourismus auf die beiden indischen Inselgruppen zu bringen, …

Corporate Social Responsibility (CSR)

Der Einfluss transnationaler Unternehmen auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung von Staaten und damit auf das konkrete alltägliche Leben der Menschen hat weltweit und spätestens seit wir über Globalisierung reden, kontinuierlich zugenommen. Fusionen im produktiven Sektor ebenso wie im Banken- und gesamten Dienstleistungsbereich ließen und lassen Unternehmen als …

Arbeitsplätze in der Tourismuswirtschaft

Tourismus ist ein Weltmarktgeschäft und lebt von der Kundenzufriedenheit. Erfolgreiche Unternehmen brauchen gute Bedingungen in allen Stufen, Phasen und Orten der Leistungserbringung. Ökonomischer Unternehmenserfolg im Tourismus ist stärker als in anderen Wirtschaftsbranchen vom optimalen Zusammenwirken einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Der Schlüssel zu einem dauerhaften Erfolg liegt in der …

Neue Piefke-Saga

Als "unnötig wie ein Kropf" bezeichnete der österreichische Gewerkschaftler Norbert Klotz einen populistischen Streit, der im Juli und August für eine heftige Debatte in Österreich sorgte. Losgetreten hatte ihn der Tiroler Arbeiterkammerpräsident Fritz Dinkhauser. Im Hinblick auf den Ansturm deutscher Studenten auf österreichische Universitäten und auf deutsche Saisonkräfte in der …

Dokumentationen zur Tsunami-Katastrophe

Das Essener "Asienhaus" gab kürzlich vier lesens-und empfehlenswerte Broschüren über den Tsunami in seiner Reihe "FocusAsien" heraus: Eckhardt, Stefan/Reese, Niklas (Hg): Verflutet noch mal! Gesellschaftliche und ökologische Dimensionen des Tsunami im Indischen Ozean,Nr. 19, Juli 2005, 75 Seiten Hellmann-Rajanayagam/Welkmann, Judith (Hg): Umkämpfter Wiederaufbau - Sri Lanka nach dem Tsunami, Nr. …

8. Salzburger Tourismusforum: Welterbe und Tourismus.

Ziel: Grundlagen für eine Partnerschaft zwischen Kultur-Tourismus und dem Welterbe-Management zu erarbeiten. Denkmalschützer, Touristiker, Wissenschaftler und Verwalter des UNESCO-Welterbes werden die Situation analysieren, Erfahrungen aus Europa, Asien und Lateinamerika austauschen und Modelle für eine nachhaltige Nutzung entwickeln. Termin: 10./11. November 2005. Veranstalter: Fachbereich …

Reisepavillon 2006

Die nächste Internationale Messe für anderes Reisen findet vom 3. bis 5. Februar 2006 in Hannover auf dem Messegelände statt. Details: www.reisepavillon-online.de

Tagung: Profile der Urlauber-Seelsorge

Gesichtet werden kirchliche Arbeitsfelder, die sich um das Phänomen Urlaub und Freizeit kümmern: Camping-Seelsorge, Gäste-Seelsorge mit ihren Gottesdiensten an der See wie in den Bergen, die speziellen Angebote der Kurseelsorge und die Kirchenpädagogik. Gibt es ein gemeinsames theologisches Profil dieser Arbeit? Was lässt sich exemplarisch voreinander lernen und übertragen? Wo liegen die …

KinderKulturKarawane 2005: Traditionelle nepalische Tänze gegen Mädchenverschleppung und Prostitution mit Kindern

Die KinderKulturKarawane ist ein internationales Sozial- und Kulturprojekt unter der Schirmherrschaft von UNESCO, UNICEF und dem engagierten Künstler Ron Williams, das seit 2001 alljährlich Kinder- und Jugendgruppen aus Entwicklungsländern nach Deutschland einlädt, www.kinderkulturkarawane.de . Aufgrund des großen Erfolges vor zwei Jahren wurde die Tanzgruppe der nepalischen Organisation "Maiti …

Interaktive Mitmachausstellung: Was braucht der Mensch? Vom Zuviel und Zuwenig - Grundbedürfnisse in aller Welt

Fünf Tage zum Lernen, Anfassen, Erleben und Mitmachen für Kinder, Schüler ab der 3. Klasse und Erwachsene während der Berliner Messe "Import-Shop". Das anschauliche 90-minütige Bildungsprogramm leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und zum globalen Lernen. Es wird gestaltet von 26 entwicklungspolitischen Gruppen aus Berlin und Potsdam. Neben Messebesuchern werden rd. 3.500 …

Tsunami - Aufruf Wiederaufbau und Rehabilitation

Dieser Handlungsaufruf wurde anlässlich der von EQUATIONS organisierten Jahreskonferenz "Zur Situation des Tourismus in Indien: Entwicklung von Verantwortungsmodellen" und eines Strategie-Treffens des ’Global Tourism Interventions Forum’ verabschiedet. Die Veranstaltungen fanden vom 5. bis 12. Juli 2005 in Bangalore (Indien) statt.

Welttourismustag 2005

Welttourismustag 2005 – Thema: "Reisen und Transport" "Respekt für Mensch und Natur" Botschaft des Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen zum Welttourismustag am 27. September 2005

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