Nr. 39 Wasser und Tourismus (07/2005)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

"wie sich die Bilder doch immer gleichen!", stöhnte gerade ein afrikanischer Journalist in der BBC. Bei der Katastrophen­bericht­erstattung ärgert ihn seit langem eine besonders häufige Kameraeinstellung: "Fliegen auf Kindergesichtern und dann kommt eine schöne Blonde und hilft". Tatsächlich aber seien vor der weißen Helferin schon längst örtliche Hilfsorganisationen da gewesen. Das würde jedoch nie gezeigt und wenn doch, dann immer erst hinterher oder ganz am Rande. Recht hat er.
Uns fiel bei den Reportagen über den Tsunami und den Wiederaufbau noch eine andere, sehr egozentrische Sichtweise auf. Berichtet wird überwiegend bis ausschließlich über eigene Hilfsorganisationen, gleichgültig ob in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich oder Italien. Selbst die weltumspannenden Sender BBC und CNN konzentrieren sich auf Landsleute. Für den afrikanischen Kollegen steht eindeutig fest: "Eine solche Wahrnehmung fördert nicht die Entwicklung, sondern behindert sie".
Wie oft erfahren wir von der immensen Würde, die viele Tsunami-Opfer selbst in der größten Not behielten? Öffentliche Tränen sind die absolute - kameragerechte - Ausnahme. Wer zeigt ihre Großzügigkeit oder ihre unglaubliche Widerstandskraft, die - in einem solchen Ausmaß - bei uns zuletzt in der Nachkriegszeit gesichtet wurde. Selbstbewusste Opfer passen offensichtlich im Hinblick auf Spenden und den Wiederaufbau mit "unseren" Geldern nicht ins Bild. Wirklich nicht?
Natürlich kann die Hilfe ein Minenfeld sein, gibt es Verteilungskämpfe, Kompetenzgerangel und Korruption. Wäre das bei uns sooo viel anders? Trotz Sozialstaat?

Wir beschäftigen uns in dieser Ausgabe auch viel mit Wasser: noch einmal mit dem Tsunami, mit Gefahren durch Stauseen in Tirol, mit Wasserschmutzung und mit Wassermangel. Keinen Platz mehr hatten wir für den sich abzeichnenden Wassernotstand in vielen Ferienorten Südeuropas. Zwar klagen bereits viele Bauern bei uns ebenfalls über mangelnden Regen. Aber im weltweiten Vergleich sind wir mit Niederschlägen sehr privilegiert. Auch wenn unsere Freizeitgesellschaft von den Wetterfröschen nur "schönes", "sonniges und trockenes" Wetter verkündet haben möchte...

Wir wünschen Ihnen ein erholsamen Urlaub. Sollten Sie jetzt in die Ferien fahren, kommen Sie bereichert und gesund wieder!

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs        Ludmilla Tüting

Horror-Szenarien alpiner Zerstörung und Verkommenheit in Tirol

Thema Nummer 1: Die Gletscher Es ist ein Faktum: unsere Gletscher, die Trinkwasser-Reservoire Europas, schmelzen in rasantem Tempo davon. Die Skilauf-Horden im Winter und im Sommer müssen zufriedengestellt werden. "Wenn die Gletscher unten schmelzen, müssen wir halt nach oben nachrücken", erklärte der Tiroler Landeshauptmann van Staa. Damit die Masten und die Pisten nicht davonschwimmen, werden …

Opferbilanz Tsunami

Insgesamt riss der Tsunami im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 über 220.000 Menschen aus 44 Ländern in den Tod. Genaue Zahlen werden nie zu ermitteln sein. Auf sein Konto gehen rund zwei Millionen Obdachlose, ungezählte Waisenkinder, Witwen, Witwer, Verletzte, Verkrüppelte, Invaliden und Traumatisierte. Die Killerwellen brachen über die Strände von elf Staaten herein. Auch fast 3.000 Touristen …

Südwestindien: Hausboot-Plage im Paradies

Für die Touristen gelten sie als Traumziel - die von Kokospalmen gesäumten Seen, Lagunen, Flüsse und Kanäle der "Backwaters" von Kerala. Rund 1,8 Millionen Menschen leben hier am Wasser, vom Wasser und auf dem Wasser. Die Backwater-Region ist berühmt für ihre Reisfelder, die bis zu 2,2 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. Eingerahmt von Bergen und Meer erstreckt sich das "Venedig des Ostens" …

Das Tote Meer soll leben

Einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz und zur Lösung der Wasserprobleme im Nahen Osten könnte ein nachhaltiger Tourismus leisten. Davon sind die Geschäftsführer von "Friends of the Earth Middle East (FoEME)" aus Israel, Palästina und Jordanien, die Ende Mai mit Reiseveranstaltern in Köln diskutierten, fest überzeugt. Die Wasserkrise im Nahen Osten dürfte sich noch in diesem Jahr deutlich …

Israels Mauer ist tabu

Als die Tourismusminister im November 2004 eine gemeinsame Absichtserklärung vorstellten, schien der Tourismus in Israel und der Palästinensischen Autonomie endlich wieder besser zu werden. Tatsächlich gab es Ruhe, und die Zahl der Besucher in Israel stieg für Pessach und Ostern 2005 um etwa 40 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Derweil zerreißt die Annexions-Mauer und der dazugehörige Zaun das …

Die Reisebranche soll Kinder besser schützen

39 Prozent der deutschen Fernreisenden sind der Meinung, dass die Reisebranche mehr für den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung von Touristen tun sollte. So lautet das Ergebnis einer der Zusatzfragen zur "Problematik der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Tourismus", die EED-TOURISM WATCH bei der diesjährigen Reiseanalyse in Auftrag gegeben hat. Die Reiseanalyse ermittelt alljährlich aufgrund einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung die Daten zu Urlaubs- und Reiseverhalten sowie Urlaubs-Motiven und -Interessen der deutschen Wohnbevölkerung (ab 14 Jahren).

Streitgespräch: All-inclusive als Armutsbekämpfung?

All-inclusive ist nicht nur eine bequeme Art, Urlaub zu machen, oft ist es auch eine günstige Variante. Ein Individualtrip mit vergleichbarem Angebot käme teurer. Der All-inclusive-Urlaub ist die industrielle Ferienvariante, serienmäßig hergestellt, genormt und absehbar. All-inclusive liegt bei Jugendlichen und Familien genauso im Trend wie bei Paaren mit großem Freizeitkonsum. All-inclusive …

TOURA D'OR-Filmwettbewerb 2004

Ebenfalls auf der ITB 2005 wurden ausgezeichnet: In der Kategorie "Informations- und Dokumentarfilme" der Beitrag "Strom für die Sherpas - die Moderne am Mount Everest" von Bettina Erhard und ÖkoHimal (Salzburg), ausgestrahlt im Bayerischen Rundfunk (BR). In der Kategorie "Magazin- und Servicebeiträge" der Film

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