Nr. 31 Menschenrechte (06/2003)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

das einstige Markenzeichen "Made in Germany“ für Qualitätsprodukte hat offenbar endgültig ausgedient. Mit billig und nochmals billig reagieren erfolgsverwöhnte Touristikunternehmen auf die von Terror, Krieg und Wirtschaftsflaute verunsicherten Touristen. In einem noch nicht da gewesenen Preiskrieg übertreffen sich die Anbieter gegenseitig. "Geiz ist geil!“ ist dabei, sich als neues Marketingkonzept auch im Tourismus durchzusetzen. Die Vorstellung, kostenlos zu reisen und zusätzlich noch Geld geschenkt zu bekommen, war bisher unvorstellbar. Wenn - wie zur Zeit im Internet - Gratisflüge verramscht und dazu noch jeweils Reisegutscheine über 25 Euro verschenkt werden, bleibt jede Wertschätzung des Reisens endgültig auf der Strecke. Was denn billiger als ein Flugticket sei, wird in Insiderkreisen gefragt. "Eine ganze Fluggesellschaft“ lautet die Antwort in Anspielung auf die im Preiskampf gescheiterte und für einen Euro verkaufte Deutsche Britisch Airways.

Vor diesem Hintergrund haben sich zwei internationale Tourismuskonferenzen in Thailand und Brasilien mit Perspektiven für eine sozialverantwortliche Tourismusentwicklung auseinander-gesetzt. Zur Konsultation "Tourism, Traditions and Terrorism" hatte die Ecumenical Coalition on Tourism (ECOT), Hongkong, zusammen mit der Christian Conference of Asia nach Bangkok eingeladen. Das erste "International Seminar on Sustainable Tourism" in Brasilien fand  auf Initiative des brasilianischen TO DO! -Preisträgers aus dem Jahr 1999 aus Prainha do Canto Verde in Fortaleza statt. Die eindrucksvollen und weitreichenden Erklärungen beider Konferenzen dokumentieren wir im Anhang.

Für ein differenzierendes Weltverständnis wirbt Klaus Betz, wenn er mit dem Studienkreis für Tourismus und Entwicklung über "Reisen in schwierigen Zeiten" reflektiert. Dabei deutet er einen notwendigen Blickwechsel an, in dem "Qualität" und "Sicherheit" im Tourismus nicht einseitig in Bezug auf die Reisenden gesehen, sondern gleichermaßen die gesellschaftliche Situation und Lebensbedingungen der Menschen in den Zielgebieten eingeschlossen werden.

Erfreulich an dieser Stelle, dass sich die im "Forum anders Reisen" zusammengeschlossenen kleinen und mittleren Reiseveranstalter in einem längeren Prozess auf eine Ausweitung und Differenzierung ihrer Qualitätskriterien, insbesondere hinsichtlich der sozialen Dimension nachhaltiger Tourismusentwicklung, verständigt haben. Darauf werden wir dann in einer unserer nächsten Ausgaben näher eingehen.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs        Ludmilla Tüting

Skandal in Peru: Armutsfalle Tourismus - Ausverkauf eines Landes

"Auf den Spuren vergangener Kulturen" in Ruinenstädten in 3000 m Höhe, "Rafting auf wilden Flüssen" sowie Erholung an nahezu "unberührten Sandstränden" mit milden Wassertemperaturen in tropischem Klima – so oder ähnlich könnten bald Slogans auf der ganzen Welt für Tourismus der Extraklasse im Norden Perus werben: an der Küste in Playa Hermosa, nahe Tumbes, und in den Anden in Kuelap, nahe …

Indische Ureinwohner aus Schutzgebiet vertrieben und getötet

Bei der gewaltsamen Vertreibung von Adivasi (Ureinwohner) aus dem "Muthunga Wildlife Sanctuary" im südindischen Bundesstaat Kerala hat es im Februar auch Tote gegeben. Nach verschiedenen Quellen kamen zwischen zwei und 20 Menschen ums Leben, als sich die Adivasi gegen ihre Vertreibung aus dem Wildreservat wehrten. Genaue Angaben gibt es nicht, da Medienvertretern der Zutritt verwehrt wurde. Die …

Geraubte Kinder von Ureinwohnern und anderen Völkern

Wenn wir in andere Länder reisen, stehen Ausflüge zu Ureinwohnern oft auf unserem Programm. Nahezu unbekannt ist, dass bis in die jüngste Vergangenheit viele dieser Völker einer gnadenlosen Rassenpolitik ausgesetzt waren. Meistens unter Zwang trennte die Obrigkeit Kinder für immer von ihren Eltern, um sie in weit entfernten, überwiegend christlichen Heimschulen zu "guten, zivilisierten Bürgern" zu …

Entwurzelt -Die "gestohlenen Generationen" Australiens

Über Jahrzehnte hinweg wurden in Australien rund 100.000 Aborigine-Kinder von ihren Familien getrennt und in Heimen zu billigen Arbeitskräften erzogen. Bis heute werden den oft traumatisierten Kindern und ihren Familien Entschädigungen vorenthalten. Rund eine halbe Million Ureinwohner gibt es noch in Australien. Statistiken über ihre Gesundheitssituation, Kindersterblichkeit, Arbeitslosigkeit und …

Tourismusbranche verhindert Wehrmachtsausstellung auf Rügen

Die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" kann nicht auf der Ferieninsel Rügen gezeigt werden. Der Aussteller und Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, begründete seine Absage damit, dass er nicht in die auf Rügen geführte Debatte der Gegner der Ausstellung hineingezogen werden wolle. Ortsansässige Hoteliers hatten befürchtet, Touristen durch die Ausstellung …

Reisen in schwierigen Zeiten

Über den global vernetzten Tourismus ist innerhalb von zwei Jahren eine Folge von Ereignissen hereingebrochen, die deutliche Auswirkungen zeigen. Eine der wichtigsten und arbeitsplatzintensivsten Branchen dieser Welt sieht sich mit einer Kombination aus Geschehnissen, Entwicklungen und Tendenzen konfrontiert - "11. September", Attentate, Krieg, Entführungen, SARS, Arbeitsplatzängste und …

"Gast-Freunde"

In der 80er Jahren warb die Österreich-Werbung u.a. mit dem Spruch "Fremdenverkehr ist, wenn aus Alpen Dollars werden. Schön für uns, dass Gäste kommen". Statt der Alpen werden nun die Gäste verwandelt: "Wenn aus Gästen Freunde werden...,...dann heißt es austria & more, das neue Gast-Freundschaftsprogramm". "Austria & more" ist eine neue "Urlaubs-Trumpfkarte" für "exklusive Gast-Freunde". Eine …

Hubschrauber-Tourismus gefährdet Kanadas Wildnis

Unter Natur- und Outdoorfreunden steht das Reiseziel British Columbia hoch im Kurs. Vor allem Touristen aus Europa und Nordamerika lieben die unberührte Natur, die von den schneebedeckten Bergketten der Rocky Mountains bis zur einzigartigen Küstenlandschaft der Insel Vancouver reicht. Trotz des an sich positiven Interesses für die kanadische Wildnis stellt der ungezügelte Tourismus eine Bedrohung …

Arme Umwelt I: Deutsche Bahn

Ausgerechnet der Deutschen Bahn AG verlieh der "Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW)" am 7. März den "Innovationspreis 2003 der Deutschen Tourismuswirtschaft". BTW-Präsident Klaus Laepple schloss dabei das neue Preissystem und die "Serviceorientierung" ausdrücklich mit ein. Vermutlich fahren die Tourismus-Funktionäre selten mit der Bahn, vor allem besorgen sie sich ihre Tickets …

Arme Umwelt II: Ökosteuer auf den Balearen

Unmittelbar nach ihrem Wahlsieg auf den Balearen kündigte die konservative Volkspartei "Partido Popular" Ende Mai an, sie werde die "Ökosteuer" wieder zurücknehmen. Diese Kurtaxe, die pro Hoteltag die geradezu ungeheuerliche Summe von durchschnittlich einem Euro beträgt, wird seit dem 1. Mai 2002 auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera erhoben. (Ohne Kurtaxe darf man viele deutsche Strände erst gar nicht betreten. In manchen Orten wurde -wird?- sie sogar bei Freundschaftsbesuchen verlangt!) Der Präsident des "Deutschen Reisebüro

Esoterik-Abzocke "Himalaya-Salz" - Follow-up

Während der TourismWatch dieses Thema unter dem Gesichtspunkt "Mythen und Kulturimperialismus" aufgegriffen hat, veröffentlichte die Fachzeitschrift "Biohandel" einen ausgezeichneten, ergänzenden Bericht für den Handel und die Konsumenten. Autor ist der bayerische Fachjournalist Leo Frühschütz, nachzulesen unter www.naturkost.de/biohandel (Juni 2003). Wer als Biohändler oder Naturkostler nach …

Jost Krippendorf ist tot

"Er trat gegen Landschaftsfresser und Menschenfresser an - um es in seinem pointierten Ton zu sagen: Gegen jene, die aus egoistischem Gewinnstreben heraus die Natur und die mit der Natur lebenden Menschen ausbeuten", hieß es in einem Nachruf in der Berner Tageszeitung "Der Bund". "Er war der streitbare Visionär, der Vordenker und Mahner, der Berater und Lehrer, der Humanist und kritische Geist mit …

Aussteiger auf La Gomera

Die Reisebuchautorin und Ethnologin Gabi Schick hat das Phänomen des Aussteigens aus der eigenen Kultur bzw. Leistungsgesellschaft auf La Gomera untersucht. Die Ergebnisse sind in ihrer gut lesbaren Doktorarbeit "Deutsche Migranten auf der Kanareninsel La Gomera. Inselalltag in der Spannung zwischen Idealen und täglichen Erfahrungen" nachzulesen . Das Buch ist ein Beitrag zur Migrations- und …

Nachdenkliches

Die Menschen machen weite Reisen, um zu staunen über die Höhe der Berge, über die riesigen Wellen des Meeres, über die Länge der Flüsse, über die Weite des Ozeans und über die Kreisbewegung der Sterne. An sich selbst aber gehen sie vorbei, ohne zu staunen. Augustinus (399 n. Chr.) Take nothing but pictures Leave nothing but footprints Kill nothing but time Slogan im "ASA Wright Nature Centre" im …

International Seminar on Sustainable Tourism, Fortaleza, Brazil, 2003

500 Vertreter von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik aus Brasilien und weiteren 10 Ländern kamen in Fortaleza zusammen, um die Rahmenbedingungen zur Förderung des gemeindebasierten Tourismus kritisch zu hinterfragen. Sie erarbeiteten folgendes Papier, das darstellt, welche Bemühungen auf nationaler und internationaler Eben unternommen werden und wie staatliche und nicht-staatliche …

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