Nr. 29 Mythos Wildnis (12/2002)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

In dieser Ausgabe bieten wir drei Schwerpunkte: Wildnis/Survival, Faires Handeln und Sicherheit. "Wildnis/Survival" wurde vor allem durch den ARD-Fernseherfolg "Schwarzwaldhaus 1902" angeregt. Den Vierteiler betrachteten wir sehr angetan, aber aus einem etwas anderen Blickwinkel. Denn die Familie Boro führte nicht nur ein Leben wie vor 100 Jahren bei uns, sondern wie viele Bauern heute in Entwicklungsländern.

Zum "Fairen Handel auch im Tourismus" möchten wir Sie am 1. Februar 2003 zu einer Podiumsdiskussion auf dem Reisepavillon in Hannover einladen.

Und beim Thema "Sicherheit" konzentrieren wir uns auf Warnungen vor dem Reiseland Deutschland, mit Originaltexten aus englischsprachigen Reiseführern.

Wir wünschen Ihnen besinnliche Feiertage, einen ausgelassenen Rutsch und ein friedliches neues Jahr!

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs        Ludmilla Tüting

Überleben - Leid und Luxus

In der letzten Ausgabe besprachen wir ein Buch über den "Mythos Wildnis". Dabei blieb die Frage unbeantwortet, warum die Menschen "scharenweise Wildnis-Angebote" und Überlebenskurse buchen. Susanne Jäggi gibt darauf in ihremArtikel "Survival" in der "Wildnis"? eine Antwort. Selbst die "Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT)", die weltweit für den Tourismus in unserem Land wirbt, promotete im …

Zahlenspiel - Die Welt als Dorf

Würde man die Welt (über 6 Milliarden Menschen) auf ein Dorf von 100 Einwohnern reduzieren, wäre es proportional etwa wie folgt zusammengesetzt: 57 Asiaten (davon 21 Chinesen und 16 Inder) 21 Europäer (einschließlich 3 Russen/Ukrainer) 9 Lateinamerikaner 8 Afrikaner 5 Nordamerikaner 0 Australier/Ozeanier Davon wären 52 Frauen, 48 Männer 70 Nicht-Weiße, 30 Weiße 70 Nicht-Christen, 30 Christen 89 …

"Survival" in der "Wildnis"?

Neu ist das nicht: Seit bald schon zweihundert Jahren suchen wir zivilisierten Westeuropäer und Nordamerikaner den Aufenthalt in der Natur als Ausgleich für ein naturfernes Alltagsdasein. Mal so und mal anders, je nach persönlicher Neigung und herrschendem Zeitgeist - aber die Triebkraft des Ganzen ist dieselbe geblieben: Es fehlt uns etwas, das wir im Nahkontakt mit der Natur wiederzufinden …

Überlebenskünstler der Kalahari-Wüste

Dass sie ausgerechnet im UNO-Jahrzehnt der indigenen Völker ihren Todesstoß erleiden, dürfte ihnen gleichgültig sein. Denn die "Buschleute" wissen nichts von vergeblichen UNO-Jahrzehnten, und sie kennen auch nicht den wahren Grund ihrer gewaltsamen Vertreibung aus dem "Zentralen Kalahari-Wildpark". Nur den vorgetäuschten Grund kennen sie: Man wolle sie entwickeln. "Der Buschmann ist das …

Satire: Karl Tiefengraber in der Bergwildnis

Andächtig vollzog Karl Tiefengraber seinen morgendlichen Aufstieg zum Vorderen Knopfkogel. Er ging im Bergwald wie in einer Kathedrale, wie in einem Tempel. Durch die von Zweigen und Blätter gebildeten Fenster schimmerte der beginnende Tag. Geräusche umgaben ihn, wie rituell aufeinander abgestimmt. Es knackte und klang. Einzelne Töne zagten hervor, wiederholten sich, wechselten sich ab. Die Luft …

Fairer Handel(n) - auch im Tourismus!

Die Folgen des 11. September und der Terroranschläge in Djerba, Bali und Mombasa haben deutlich sichtbar gemacht, wie sehr der Tourismus auf Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit angewiesen ist. Doch noch immer wird in den Ansätzen für einen nachhaltigen Tourismus die soziale Dimension (Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Partizipation etc.) vernachlässigt. Aus Sicht der Fachstelle Ferntourismus …

Veranstaltungsankündigung: "Fairer Handel(n)" am 1. Februar 2003 auf dem Reisepavillon in Hannover

Wie und unter welchen Voraussetzungen und zu welchen Bedingungen kann faires Handeln im Tourismus gelingen? Wer muss was unternehmen, um zu fair gehandelten Dienstleistungen im Tourismus zu kommen? Kann es z.B. eine Kennzeichnungspflicht für Reiseangebote unter sozialen Aspekten geben? Wie müssten Reiseangebote beschrieben sein, damit sie künftig für Reisende als "fair. erkennbar und hinsichtlich …

Soziale Verantwortung in der Tourismusbranche

Die soziale Verantwortung von Unternehmen ist auf dem Weltgipfel in Johannesburg immer wieder eingefordert worden. Was das für die Tourismusbranche konkret bedeutet, zeigt ein neuer Bericht der britischen Nichtregierungsorganisation "Tourism Concern". Angesichts einer wachsenden Nachfrage nach sozialverträglichen Tourismusangeboten argumentiert "Tourism Concern", dass sich sozialverantwortliche …

(Un)Sicherheit im Tourismus

Die Außenministerien zahlreicher Länder warnen seit einiger Zeit davor, bestimmte Länder zu bereisen. Deren Regierungen protestieren vergeblich über pauschale Verurteilungen. Seit "nine eleven", dem unauslöschlichen Horror-Szenario am 11.9.2001, und neuen gezielten Terror-Anschlägen bzw. Massenmorden an Touristen hat sich dieser Trend massiv verstärkt. Die Frage der Sicherheit steht bei vielen …

Gebrauchsanleitungen für ausländische Besucher

In englischer Sprache gibt es einige Titel, die speziell auf ausländische Gäste zugeschnitten sind. " Another Look at Germany " ist ein "Political Guide for Asian Visitors", auch bewährt für andere Nationalitäten, insbesondere aus dem NGO-Umfeld, wenngleich manchmal etwas Philippinen-lastig. Im Kapitel "Food" erahnt man Essensprobleme: "There might be dishes you do not particulary like, such as cheese, yoghurt, sausages or dishes hard to define. Filipino visitors should note that if you feel like taking revenge for dishes offered to you that do not please your taste, you may offer balut or bagoong and other 'strange' items to your German hosts". Leider wird nicht erklärt, was das ist. Dafür handelt es sich um die einzige witzige Stelle in einem durchgehend humorlosen, wenngleich interessanten und hilfreichen Buch. Vermutlich wirkt es vor lauter PC (Political Correctness) so kalt. Abgesehen von einer Ausnahme sind die AutorInnen durchweg Deutsche. Trotzdem sei es sehr empfohlen: Gästen wegen des Inhalts und ein paar Alltagstips, Landsleuten (auch) wegen der englischen Begriffe. In der englischsprachigen Kulturschock-Reihe aus Singapore sind Titel über Germany und Switzerland erschienen. Der Aufbau dieser Bücher ist (immer) unterschiedlich, geht jedoch auf viele Facetten des Landes und die Bewältigung des Alltags ein. Ergötzlich für uns, aber ungeheuer praktisch für die Benutzer ist jeweils ein "Cultural Quiz" mit verschiedenen konkreten Situationsfragen (und Antworten). Germany ist von einem US-Amerikaner verfasst, der seit langem in Deutschland lebt, Switzerland von einer Singapore-Chinesin aus den USA. Leider nur auf japanisch gibt es eine Gebrauchsanweisung für Deutschland in Berlin. Sie wurde verfasst von Mieko, die hier ihren Ehemann Jürgen Fisch kennenlernte und blieb. Für sie bestand anfangs die größte Hürde darin, ihre Wünsche immer klar zu formulieren, um etwas zu erreichen. In Japan müsse man sich viel zurückhaltender verhalten. Blum, Heike/Henker, Dietmar (Eds.): "Another Look at Germany - A Political Guide for Asian Visitors", Asienhaus, Essen 2000, 207 S., ISBN 3-933341-07-8. Bezug: Asienstiftung, Bullmannaue 11, 45327 Essen, Tel. 0201/83038-38, Fax-30, www.asienhaus.de Fisch, Mieko: "ach so - Gebrauchsanweisung für Deutschland", Berlin 2001, 220 S. (auf japanisch). Bezug: Mieko Fisch, Nassauische Str. 48, 10717 Berlin, Tel. 030/6248 651, Fax 6248 053 Lord, Richard: "Culture Shock! Germany - A Guide to Customs and Etiquette",Singapore 2000, 294 S., ISBN 1-55868-251-1 Eu-Wong, Shirley: "Culture Shock! Switzerland - A Guide to Customs and Etiquette", Singapore 1996, 165 S., ISBN 981-204-612-7 Beide Titel erscheinen heute bei Times Media, Times Centre, 1 New Industrial Road, Singapore 536196 (vorher u.a. bei Times Editions, Singapore), www.tpl.com.sg (2.801 Anschläge, 41 Zeilen, Dezember 2002)

"Klima der Vergiftung"

Eine neue Studie ergab, dass in der Einstellung gegenüber Ausländern, Juden, Homosexuellen, Behinderten, Obdachlosen und Straftätern zunehmend ein "Klima der Vergiftung" festzustellen sei. Die Ablehnung gegenüber Fremden, Homosexuellen und Obachlosen sei in Ostdeutschland nach wie vor besonders stark ausgeprägt. 55 Prozent der Deutschen sind der Auffassung, es gebe zu viele Ausländer in …

"Das Boot ist voll" (Ursprung)

Der Schweizer Bundesrat Eduard von Steiger hielt am 30. August 1942 eine Rede auf einem Christlichen Blasmusikfest in Hürlikon. Unter dem Banner "Euer Meister Christus" stehend, versuchte er, die umstrittene Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkrieges zu rechtfertigen: "Wer ein schon stark besetztes, kleines Rettungsboot... zu kommandieren hat, indessen Tausende von Opfern einer …

Verbale Entgleisungen nach der Flutkatastrophe in Deutschland

Ronald Barnabas Schill, Vorsitzender der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, Hamburger Innensenator und Zweiter Bürgermeister, wetterte am 29. August 2002 im Deutschen Bundestag: "Ich kann dazu nur sagen: Nur ein Rabenvater lässt seine Kinder darben, während er sich um unbekannte Gäste kümmert! Sie haben das Geld in der Vergangenheit verfrühstückt! Sie haben es mit der Gieskanne über die ganze …

Neu: DSE + Carl Duisberg Gesellschaft = InWEnt

Eine bedeutende Umstrukturierung gab es im Oktober 2002 in Deutschland im entwicklungspolitischen Bildungsbereich. Auf Anregung des "Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)" schlossen sich zwei vom BMZ geförderte Organisationen zu einer gemeinützigen GmbH (gGmbh) zusammen. Jetzt bilden die 1959 gegründete "Deutsche Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE)" …

Umweltbundesamt - Jahresbericht 2001 für Deutschland

Der Chilene Bernado Reyes vom Institut für Politische Ökologie in Santiago, Chile, stellte nach einer beruflichen Rundreise durch Deutschland fest, er habe eine "zunehmend künstliche Landschaft" zu sehen bekommen. Laut dem Berliner "Tagesspiegel" (v. 20.4.2002) ein Grund, warum die Deutschen ständig auf der Suche nach der wilden, ungezügelten Natur seien - selbstverständlich mit dem Auto oder dem …

Neues SympathieMagazin über die andine Welt

Statistiken weisen nur eine dünne Schicht hellhäutiger Bevölkerung aus, das Erbe der spanischen Kolonialzeit. Aber Macht und Reichtum in den Andenländern sind weiß und katholisch. Dabei gehören Ecuador, Peru und Bolivien zu den Ländern mit dem höchsten indianischen Bevölkerungsanteil in Lateinamerika.

Fragebogen

Ich beziehe TourismWatch als: elektronische Version Print-Ausgabe Ich lese TourismWatch als Privatperson aus beruflichem Interesse in folgendem Bereich: freie/r Journalist/in Tagespresse Wochen-/Monatszeitschrift Reiseredaktion Touristische Fachpresse Rundfunk Fernsehen Pressedienst Aktionsgruppe / NGO mit touristischem Bezug ohne touristischen Bezug Reiseveranstalter sonstige Tourismuswirtschaft …

Zum Schmunzeln...

"Verirren in der Wüste? - Das kann einem nur in der Großstadt passieren!" Ein Beduine in einem Gespräch mit deutschen Wüstenfreaks, die im Geländewagen und mit GPS-Gerät (zur Positionsbestimmung) einen Abenteuerurlaub in der Sahara verbrachten.

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