Nr. 28 (10/2002)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

"Sie haben beim Besuch einer Moschee ein Loch in der Socke. Was tun Sie?" Mit dieser Frage testete kürzlich ein Berliner Radiosender mehrere Politiker. Die Moderatoren hatten nur eine "richtige" Antwort parat: "Sie hätten vor dem Moscheebesuch wissen müssen, dass man die Schuhe auszuziehen hat!"

Spinnt man den Faden weiter, so klingt diese "richtige" Antwort arg deutsch und arg eng. Denn die Schuhe muss man grundsätzlich auch in Tempeln anderer Religionen und in allen Privathäusern Asiens und der arabischen Welt ausziehen, gleichgültig ob Hütte oder Palast, Wohnung oder Zelt. Ob man dabei Löcher in den Socken hat, ist völlig uninteressant. Weil es dort zum einen niemanden stört, zum anderen, weil sie die Socken ohnehin ausziehen. Nur westliche Besucher laufen in Socken durch heilige Stätten, selbst bei der größten Hitze. Natürlich nicht alle. Zunehmend darf man auch in unseren Landen private Häuser nicht mehr in Straßenschuhen betreten. Das haben sich die Wohnungsinhaber oft auf Reisen abgeschaut.

Wie - der Fremde - frei nach Karl Valentin - in der Fremde mit dem Fremden leichter zurechtkommt, kann man in Büchern nachlesen, die wir ab Seite 17 vorstellen. "Die größte Sehenswürdigkeit ist die Welt", sagte einst Kurt Tucholsky, "sieh sie Dir an". Zu seiner Zeit gab es noch keine Handbücher, die Reisende über Kulturschocks und Fettnäpfchen aufklärten. Wer sich heute informieren und aufs Reisen vorbereiten will, hat nahezu unendliche Möglichkeiten. Und das ist gut und wichtig so.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Fuchs        Ludmilla Tüting

Neue Völkerschauen in Europa?

Der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner (58), der aus Altersgründen keine Extremtouren mehr plant, will in seiner Heimat Menschen aus fremden Ländern ausstellen. In seiner derzeitigen "Lebensphase" als Ausstellungsmacher möchte er in seiner Museumskette "Messner Mountain Museum" neben Bergtourismus, Kunst und Kultur auch lebende Bergvölker präsentieren. Wie er dem Bayerischen Fernsehen (am 17. …

Apartheid-Museum

"Gegen das Vergessen" wurde in Südafrika in diesem Jahr ein beeindruckendes Apartheid-Museum eröffnet, dass sich kein Tourist entgehen lassen sollte. Es ist ein beklemmendes Haus, aber auch ein Platz der Hoffnung. Die Geschichte der Rassentrennung kann man gleich beim Betreten des Museums nachempfinden, denn es gibt zwei Eingänge, einen "nur für Weiße", einen "nur für Schwarze". In Deutschland …

www.child-hood.com auch für Sehbehinderte

Dem Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismus widmet sich die Internet-Plattform des Kinderhilfswerks terre des hommes in deutscher und englischer Sprache, die in einer html-Version auch Menschen mit Sehbehinderungen einen leichten Informationszugang ermöglicht: www.digitale-chancen.de/iob/grafisch/netscape/index.html Im Zentrum des Angebots stehen konkrete Informationen, was …

Und unzählige Male sollten folgen

Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ihr Dorf verließ Es war das erste Mal, dass sie in eine Stadt kam Es war das erste Mal, dass sie das Wort Bordell hörte Es war das erste Mal, dass jemand ihr befahl sich auszuziehen Es war das erste Mal, dass jemand ihre Brüste anfasste Es war das erste Mal, dass jemand in sie eindrang Es war das erste Mal, dass ihr vor Schmerzen die Tränen liefen Es …

Der Kampf gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern

"Zweiter Weltkongress gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern" lautet der Titel einer Dokumentation, die ECPAT Deutschland und der Evangelische Pressedienst epd nach der Tagung in Japan im Dezember 2001 zusammengestellt haben. Bestellnr.: 19/02, Mai 2002, Tel. 069/58098-189, Fax -226, www.epd.de (380 Anschläge, 5 Zeilen, Oktober 2002)

Harry Haas in Sri Lanka gestorben

Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb am 18. September Harry Haas in Bandarawela in Sri Lanka. Der protestantische Pfarrer hatte 1994 das "Woodlands Network" gegründet, ein nachhaltiges Netzwerk für Frauen im Tourismus. Das Projekt wurde 1995 mit dem "To Do!"-Preis für sozialverantwortlichen Tourismus ausgezeichnet. Der Niederländer hatte einen großen Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht.

Praxis-Training: "Krisenberichterstattung im interkulturellen Kontext"

Unabhängig davon ob die "Frontline" in Bürgerkriegsgebieten verläuft oder in anderen sozialen Brennpunkten unserer Gesellschaft - Krisenjournalismus steht immer unter Hochspannung. Wie Journalisten mit solchen Einsätzen am besten umgehen, aber auch sensibel werden für fremde kulturelle Denkmuster, will eine Fortbildung in Berlin vermitteln. Anmeldeschluss: 20. Oktober 2002 . Kurs: 4.-6. November …

Weltgipfel in Johannesburg: Nachhaltige Enttäuschung auch zum Tourismus

Wer nichts erwartet hat, konnte auch nicht enttäuscht werden. Dies ist wohl die treffendste Einschätzung, unter der der "Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung" rückblickend zu sehen ist. Schon bei den Vorbereitungskonferenzen für das große "Event“ zehn Jahre nach dem Weltgipfel von Rio war klar geworden, dass Ende August/Anfang September 2002 in Johannesburg keine großen Durchbrüche zu erzielen sein würden.

Die tatsächlichen ausländischen Schulden

Hier also bin ich, Gauaicaipuro Cuauthémoc, ein Nachfahre jener Menschen, die Amerika vor 40.000 Jahren bevölkert haben. Ich appelliere an jene, die Amerika vor nur 500 Jahren entdeckt haben. Der europäische Bruder Wucherer verlangt von mir die Tilgung einer Schuld, die Judas aufgenommen hat, dem ich nie die Erlaubnis gegeben habe, mich zu verkaufen. Der europäische Bruder Winkeladvokat erklärt …

Neue esoterische Abzocke: Der "Jungbrunnen" Himalaya-Salz

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird seit kurzem ein esoterisches Modesalz auf den Markt geworfen, dem wundersame Eigenschaften angedichtet werden. Die Werbung appelliert an Fernweh, Sehnsüchte, Gesundheit, Wellness und verspricht ewige Jugend. Angeblich stammt das "Kristallsalz" aus dem Himalaya. Was stimmt, was ist erfunden? TourismWatch geht der Frage nach und untersucht die …

Kleine Berge sind gesünder

"Kleine Berge hören dann auf, wenn es am schönsten ist. Sie haben einen erzieherischen Wert. Weil sie den Idealismus fördern und einen Heroismus nicht aufkommen lassen. Und gesünder sind sie auch". Hermann Magerer, der ehemalige langjährige Leiter der bayerischen Fernsehsendung "Bergauf, bergab", nach einer Tour auf einen sanften Hügel. (13.7.02, Bayern 3).

Zwölf Thesen zum UNO-Jahr der Berge 2002

Die Berge stellen durch ihre majestätischen Formen, durch ihre mystischen Kontraste, durch ihre Überlegenheit und ihre Unberechenbarkeit eine spezielle Faszination dar. Ehrfurcht ist geboten. Die Berge sind trotz ihrer kraftvollen Erscheinung Symbol für Entstehung, Bewegung und Zerfall, für Langsamkeit und Zeitgeschichte, für Fallen und Fliessen. Die Berge sind die Heimat von Stein und Wasser, von Wind und Feuer. Nirgends sind die Elemente konzentrierter spür- und erlebbar wie in den Bergen.

www.alpmedia.net

lautet der neue, reichhaltige Informationsdienst der CIPRA, der internationalen Alpenschutzkommission. Die Website ist in erster Linie alpenrelevant, kann jedoch auch andere Berggebiete Europas und der Welt betreffen, beispielsweise die Pyrenäen, Karpaten, Anden, den Kaukasus und Himalaya. Kernstück ist ein wöchentlicher Newsletter. www.alpmedia.net ist in den Sprachen Deutsch, Französisch, …

Neue SympathieMagazine

Drei neue, ungemein interessante SympathieMagazine sind beim Studienkreis für Tourismus und Entwicklung erschienen: "Iran verstehen" , Redaktion Katajun Amirpur; "Europa verstehen" , Redaktion Angelina Hermanns; "Entwicklung verstehen" , Redaktion Brigitte Pilz in Kooperation mit Hermann J. Wald. Insbesondere die beiden letzten Titel entpuppen sich nicht nur als spannende Lektüre, sondern auch als …

"Leitfaden für Besucher der Antarktis"

Der Bund der Steuerzahler kritisierte zwar gerade den vom Umweltbundesamt (UBA) herausgegeben Leitfaden für die Antarktis und schalt ihn der Oberflächlichkeit. Ich möchte ihn trotzdem empfehlen. Er kann von der Homepage des UBA heruntergeladen werden: www.umweltbundesamt.de/antarktis . 18Seiten. - tü-

Migration und Tourismus

In der Märzausgabe des VIA-Magazins plazierte Haris Katsoulis einige Gedanken und herausfordernde Thesen zu einem Thema, das ihn ein Leben lang begleitete: die Süd-Nord-Migration (seit 1989 auch die Ost-West-Migration) zur Arbeitsaufnahme und die umgekehrte Wanderung im Freizeit- und Tourismusbereich. Der griechische Autor studierte und lebte von 1961 bis 1979 in Deutschland und ist heute …

"Beten für einen verantwortlichen Tourismus"

Die Ecumenical Coalition on Tourism (ECOT) mit Sitz in Hong Kong versteht sich als ökumenische Organisation der christlichen Kirchen, um die Stimme und die Erfahrungen der "Bereisten" aus den Entwicklungsländern in die Debatte zur Entwicklung des Tourismus einzubringen ( www.pacific.net.hk/~contours ). Sie appelliert an die Kirchen, das Thema Tourismus stärker in Gottesdienste und Bildungsarbeit …

Kulturschock-Diagramm

Das nachfolgende Diagramm zur Systematisierung von Kulturschock-Phänomenen stammt aus: Dietmar Larcher, "Kulturschock. Fallgeschichten aus dem sozialen Dschungel", Bozen 1992, S. 24.

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