Nr. 19 (07/2000)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

manche lernen's nie. Zum Beispiel, daß über die Hälfte der Menschheit mit einer täglichen Summe von durchschnittlich vier Mark auskommen muß. Tatsächlich müssen viele Menschen mit noch viel weniger Geld ums Überleben kämpfen.

Da mutet es geradezu obszön an, wenn ein Tourismus-Fachblatt zum "Flair" (!) eines Reisezieles "die extrem niedrige Lebenserwartung (56 Jahre bei Männern, 52 bei Frauen)" und "den extremen Analphabetismus (60 Prozent, bei den Frauen sogar 83 Prozent)" zählt. Der Duden interpretiert "Flair" mit "Atmosphäre" und "gewisses Etwas".

Hat das bedeutendste Medium für österreichische Reisebüros und -veranstalter, "tourist austria", jeden Sinn für journalistische Verantwortung verloren? Der priviligierte, aber namenlose Autor dachte in der Ausgabe vom 19. Mai 2000 offensichtlich nur daran, seinen - selbstverständlich kostenlosen - Flug der Lauda Air anzupreisen. Deshalb wundert es nicht, daß der gesamte Beitrag "Austro-Reisegurus entdecken Nepal" außerdem von sachlichen Fehlern nur so strotzt.

Auch die "Stiftung Warentest" zitierte in der April-Ausgabe von "test" eine erschreckend rassistische Äußerung. Der Mitarbeiter eines Leipziger Reisebüros hatte einem Tester den Rat gegeben, Wertgegenstände unterwegs immer im Tresor aufzubewahren, denn man wisse ja nie, "ob der Neger, der durchs Resort läuft, ein Animateur oder ein Dieb ist"...

Es gibt noch viel zu tun in der Reisebranche!

Heinz Fuchs     Ludmilla Tüting

10.Juli 2000

 

Tourismus im Internet

Wer seine virtuelle Reise durch das Internet bei den tourismuskritischen Organisationen beginnt, wird mittlerweile leicht fündig. Von wenigen Ausnahmen abgesehen verfügen die meisten inzwischen über eigene Hompages oder planen in Kürze den Einstieg. Nach wie vor nur per e-mail ist die internationale Ecumenical Coalition on Third World Tourism (ECTWT) , jetzt mit Sitz in Hongkong/China, zu …

Kampagnen gegen Reisen nach Burma und Lonely Planet-Reiseführer

Während der burmesische Generaldirektor für Hotels & Tourismus, Khin Maung Latt, sich bemüht, das schlechte Image seines Landes "zu zerstören" und den Tourismus anzukurbeln, rufen Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) unverändert zum Boykott der Militärdiktatur auf. In England verschärfte die tourismuskritische Gruppe "Tourism Concern" gemeinsam mit der "Burma Campaign" ihre Aktionen. Sie fordern …

Preisträger "To Do! 99" - Wettbewerb sozialverantwortlicher Tourismus

Alljährlich im März verleiht der Ammerlander "Studienkreis für Tourismus und Entwicklung" einen - undotierten - Preis für sozialverantwortlichen Tourismus. In diesem Jahr wurde erstmals auch ein deutsches Projekt ausgezeichnet. Die Gewinner waren das Cultural Tourism Programme in Arusha, Tansania ; das Tourismusprojekt der Dorfgemeinschaft von Prainha do Canto Verde im Bundesstaat Ceará, Brasilien …

Filmwettbewerb TOURA D'OR

Der TOURA D'OR-Filmwettbewerb Zukunftsfähiger Tourismus wendet sich an professionell tätige Filmemacher, Produzenten und Auftraggeber von tourismusbezogenen Filmen im In- und Ausland. Prämiert werden Filmbeiträge, die sich für einen sozial-verantwortlichen, umweltverträglichen und damit zukunftsfähigen Tourismus einsetzen. Er wird im kommenden Jahr ebenfalls auf der Internationalen Tourismus-Börse …

FernWeh - ein Heft für Jugendliche und "Dritte Welt"-Tourismus

Fernreisen sind auch für Jugendliche inzwischen eine Selbstverständlichkeit, sei es auf eigene Faust mit Rucksack, als Pauschaltourist, Sprachschüler, Au-pair oder als Helfer in einem Workcamp. Das Freiburger Projekt "FernWeh - Forum Tourismus & Kritik" hat dazu eine 60seitige Broschüre veröffentlicht, die sich direkt an Jugendliche wendet. Die Themenpalette reicht von Reisemotiven, Sonnen- und …

Neue Sympathie Magazine

Bereits drei neue Sympathie Magazine sind in diesem Jahr erschienen: Türkei verstehen, Redaktion: Hanne Straube Mongolei verstehen, Redaktion: Wolfgang Luck Buddhismus verstehen, Redaktion: Ludmilla Tüting. (Auszug s.S. 14 "Bhutan, das vermeintliche Paradies). Aktualisiert wurden "Fremdes verstehen" sowie die Länderhefte Frankreich, Italien, Jordanien, Mexiko, Südafrika und Sri Lanka (Auszug s.S. …

Globale Trends 2000

"Der Tourismus wird eine der Schlüsselbranchen der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert sein" prognostiziert die "Stiftung Entwicklung und Frieden" in ihrer fünften Ausgabe der "Globalen Trends". Unter dem Stichwort "Weltökologie" widmet sie ein ganzes Kapitel dem Tourismus. Die Forderungen nach einer nachhaltigen Tourismuspolitik - nach wie vor mehr Wunsch als Realität - nehmen darin einen …

Welthandelsordnung und Tourismus

Konsultation von Equations und Tourism Watch in New Delhi Welche Möglichkeiten haben Nichtregierungsorganisationen, Einfluß auf die Liberalisierungsprozesse im Tourismus unter der Welthandelsorganisation (WTO) zu nehmen? Dieser Frage gingen Expertinnen und Experten kürzlich während einer Konsultation zum Thema "Welthandelsordnung und Tourismus" in der indischen Hauptstadt New Delhi nach. Die …

Sri Lanka: Freunde sind wichtig

"Ayubowan" lautet der traditionelle Willkommensgruß in Sri Lanka. Srilanker bekunden gern ein lebhaftes Interesse an ihren Mitmenschen. Entsprechend unbefangen fallen die Fragen aus - nach Beruf, Familie, Gesundheit, Reisen, Motorisierung, Wohnweise - und das durchaus auch schon nach kurzer Bekanntschaft. Dabei kommt es oft vor, daß ein neuer Bekannter als "Freund" bezeichnet wird, auch wenn …

Asiatisches Lächeln verstehen

Nepal wird manchmal als das "Land des Lächelns" bezeichnet. Die Menschen im Westen lächeln, wenn sie einen bestimmten Grund dazu haben. In Nepal dagegen lächeln die Menschen ganz natürlich, weil sie von Kind auf dazu angehalten werden, anderen zu gefallen. Bis zu einem gewissen Grad soll das Lächeln erreichen, daß sich das Gegenüber wohl fühlt und daß unbekannte, möglicherweise feindselige Kräfte …

Dominikanische Republik: Einheimische bleiben außen vor

Im Nordosten der "Dom Rep", im Herzen der Halbinsel Samaná, zieht der Wasserfall "Salto del Limón" heute viele Touristen an. Ramón gehörte zu den Pionieren, die dort Pferde und typische Speisen und Getränke anboten. Leida Buglass aus Samaná notierte seine Eindrücke und die Schwierigkeiten, mit denen sich kleine Gemeinden im Tourismus konfrontiert sehen: "Wer hätte gedacht, daß dieser Wasserfall …

Urlaubs-Mail

"Ihr Lieben! Viele Urlaubsgrüße aus dem sonnigen Jesolo von Kerstin und Oliver. Spaghetti 1a, Grappa süffig, Strand o.k. Alles paletti, bis auf Kerstins Sonnenbrand. Ciao." Die Post kam - per Email! Urlaubsbotschaften warten heute poste restante in der elektronischen Mailbox. Und Holger, dieser Schnösel, hat sich sogar getraut, eine virtuelle Urlaubskarte "Windmühlen in Griechenland" zu mailen! …

Ländershow auf der EXPO 2000 in Hannover

Als "erste Lektion" auf der Expo gewann Theodor Geus, "Reiseblatt"-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die Einsicht, "daß das globale Dorf, das sich mit Glanz präsentiert, seine Hinterhöfe hat und die Einteilung in eine erste, zweite und dritte Welt noch immer funktioniert". Offensichtlich sei auch die "Fähigkeit zu Visionen und Demokratien nicht gerecht über den Erdball verteilt", …

Bhutan - Das vermeintliche Paradies

"Wer viel betet, aber mit seinem Nachbarn ständig im Streit lebt, hat nicht begriffen, worum es wirklich geht." Bei diesen Worten des Dalai Lama mußte ich an unseren König denken, das Oberhaupt des einzigen buddhistischen Königreiches der Welt: Bhutan. Und weil König Jigme Singye Wangchuck in der Tat eine kluge, weitsichtige, umweltverträgliche Politik verfolgt, wird er auf der ganzen Welt hofiert und idealisiert. Das liegt auch daran, daß nur wenige Außenstehende unser Land wirklich kennen.

Bhutan auf der Weltausstellung

Bhutan, das letzte absolutistische Königreich im Himalaya, zeigt sich auf der Expo in Hannover von seiner besten Seite. Doch sicherlich wird kein Wort über die Tatsache zu hören sein, daß die königliche Regierung von Bhutan seit 1989 willkürlich und gewaltsam ungefähr 120.000 Menschen, das sind 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, aus dem Land getrieben hat. Knapp 100.000 von ihnen leben seit zehn …

Grünes Licht für internationale Richtlinien

Der Tourismus gewinnt im Rio-Folgeprozess für eine nachhaltige Entwicklung weiter an Stellenwert. Nachdem im vergangenen Jahr die "UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung" (CSD) ein internationales Arbeitsprogramm zum Tourismus verabschiedet hatte, nahmen sich nun auch die Vertragsstaaten der "UN-Konvention über biologische Vielfalt" (CBD) des Themas an.

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