Abschlussarbeit

Volunteer Tourism. Instrument einer nachhaltigen Tourismusentwicklung in Südafrika?

Diplomarbeit von Nikola Schiekel (Juli 2008)

Volunteer-Tourismus wurde in den vergangenen Jahren international immer häufiger vor allem von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Rentnern als Art des Verreisens genutzt. Aufgrund der verschiedenen Motivationen, entwickelten sich Programme mit den unterschiedlichsten Zielen: Entwicklungshilfe, Absetzung vom Massentourismus, Begegnung und Austausch auf internationaler Ebene, Urlaub und Freizeit oder lediglich die Hilfe durch zusätzliche kostenlose Arbeitskräfte.

Es existiert auch für den deutschen Markt ein hohes Potential, für den das Segment Volunteer-Tourismus noch neues Terrain bedeutet. Dabei droht jedoch die Gefahr, dass er lediglich zu einem neuen Nischensegment wird und der ursprüngliche entwicklungspolitische Charakter gänzlich in den Hintergrund rückt. Um dies zu verhindern, ist besonders das Verantwortungsbewusstsein der deutschen Reisebranche gefragt. Gleiches gilt auch für die Entsendeorganisation. Es ist von besonderer Bedeutung, dass eine enge Kooperation und ein ständiger Austausch zwischen ihnen und den Beteiligten in der Destination gewährleistet sind und dass eine angemessene Vorbereitung eines Projektes und die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung stattfinden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die lokale Bevölkerung partizipiert und der Volunteer-Tourist in ein passendes Projekt geschickt wird.

Vorbereitungsworkshops stellen ein adäquates Mittel für eine intensive Vorbereitung der Touristen und der communities dar, wobei manche Projekte eine intensivere Vorbereitung der Teilnehmer erfordern als andere. Je nach Art des Projektes ist es unabdingbar im Vorfeld ein Screening der Teilnehmer durchzuführen.

Die Ergebnisse der Erhebung im Rahmen dieser Arbeit lassen darauf schließen, dass der Volunteer-Tourismus als ein interessantes Modell für das entwicklungsbezogene Lernen zu betrachten ist. Aufgrund der Tatsache, dass Volunteer-Tourismus-Projekte meist unmittelbar in soziale oder ökologische Projekte eingebunden sind, wird ihm eine aktive Beitragsleistung zum Erhalt der Umwelt und zur Verbesserung der Situation der einheimischen Bevölkerung zugesprochen. Demnach passen die Programme sehr gut in das Sortiment alternativer, nachhaltiger Reiseveranstalter und Entwicklungsorganisationen. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde den Auswirkungen von Volunteer-Tourismus nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Studien befassen sich bislang mit der Entwicklung des Volunteer-Tourismus innerhalb der Tourismusindustrie und deren zukünftigen Potentialen und Chancen oder mit den Motivationen der Volunteer-Touristen. Ein Anliegen dieser Arbeit ist es, herauszustellen, in welchem Maße die lokale Bevölkerung von dem Volunteer-Tourismus profitiert.

In mehreren Fällen von Volunteer-Projekten ist es sicherlich problematisch, das Konzept als ein Geschäftsmodell zu etablieren. Volunteer-Tourismus ist vor allem auch ein Bildungskonzept, dessen Programme sehr sorgfältig vorbereitet, begleitet und ausgearbeitet werden sollten. Diesen Anforderungen mit den Einnahmen einer Reise gerecht zu werden, ist nahezu unmöglich. Hier ist unter anderem die Entwicklungsarbeit gefragt. Veranstalter, die Volunteer-Tourismus aus gewerblichen Gründen anbieten, werden möglichst wenige Mittel in die Umgebung investieren wollen. Doch genau dieses Ziel gilt es zu verfolgen. Sobald der Veranstalter Geld an sozialen Projekten zur Beseitigung der Armut in Entwicklungsländern verdient, stellt sich die Frage, ob das Konzept nicht auf lange Sicht diskreditiert wäre.

Ein Konzept, wie das des Volunteer-Tourismus, hat nur Zukunft, so lange vor allem die lokale Bevölkerung davon profitiert. Die communities in Südafrika sind eine der touristischen Hauptattraktionen. Doch trotz der für Entwicklungsländer vorbildlichen Richtlinien zur Tourismusentwicklung der südafrikanischen Regierung, existiert ein dringender Handlungsbedarf bei der praktischen Umsetzung. Noch immer profitiert besonders die „weiße" Minderheit vom Tourismus.

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