Wie offen sind nun die Türen?

Kerstin Dahmen
UNWTO/UN Women "Global Report on Women in Tourism"

Spätestens seit dem Welttourismustag 2007 unter dem Motto "Tourismus öffnet Türen für Frauen" ist die Frage nach den Chancen und Risiken für Frauen im Tourismus wieder aktuell. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) hat 2008 in Zusammenarbeit mit "UN Women" eine Arbeitsgruppe zum Thema gegründet. Ziel ist die Umsetzung eines Aktionsplans zur Stärkung von Frauen im Tourismus. Die Beteiligung und die Situation der Frauen sollen alle drei Jahre in einem Bericht dokumentiert werden.

Der erste dieser Berichte, der "Global Report on Women in Tourism 2010", wurde nun in voller Länge veröffentlicht. Der unter Leitung von Louise Twining-Ward verfasste Bericht fordert eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau im Tourismus. Getreu dem Leitsatz "bessere Informationen führen zu besserem Handeln" versucht er ein Indikatorenset zu entwickeln, anhand dessen sich die Beteiligung von Frauen in insgesamt 172 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas, der Karibik und Ozeaniens darstellen und bewerten lassen soll.

Dazu werden fünf Partizipationsbereiche analysiert: Frauen in formellen Anstellungsverhältnissen, als Unternehmerinnen, als Lehrerinnen und Absolventinnen in der touristischen Ausbildung, als Führungskräfte in Politik und Wirtschaft und als Beteiligte in gemeinschafts- und familienbasierten Tourismusunternehmen. Die Ergebnisse zeigen sowohl Erfolge als auch Defizite. So sind zum Beispiel Länder der Karibik vorbildlich in der gleichwertigen Entlohnung von Frauen und Männern. Lateinamerika hebt sich durch die Qualität der Tourismusausbildung hervor, der prozentuale Anteil von Frauen in Führungspositionen ist jedoch eher gering. In Afrika haben viele Frauen ministerielle Positionen inne, aber der Kontinent hat die schwächsten Ergebnisse im Ausbildungsbereich. Asien hingegen hat einen hohen prozentualen Anteil gut ausgebildeter Frauen, insgesamt aber die geringste weibliche Beteiligung im Hotel- und Servicesektor. Ozeanien kann besonders viele weibliche Führungskräfte in der Tourismuswirtschaft aufweisen.

Das Vorhaben der Studie ist durchaus ambitioniert. Aufgrund eines unzureichenden Datenbestands – in vielen Ländern gibt es weder sektor- noch geschlechtsspezifische Arbeitsmarktdaten – stößt sie jedoch schnell an methodische Grenzen. Doch dieser erste "Global Report on Women in Tourism" könnte einen Stein ins Rollen bringen, der endlich zu einer Schließung der Datenlücken führt. Er könnte dazu beitragen, ein ganzheitlicheres Bild der Arbeitssituation von Frauen im Tourismus zu zeichnen. Ein versprechender Anfang wurde gemacht.

Global Report on Women in Tourism 2010. Hg. UNWTO und UN Women, Madrid, 2011. 103 Seiten. ISBN 978-92-844-1373-7 (UNWTO), ISBN 978-1-936291-36-6 (UN Women)

Download: www.e-unwto.org/content/j133q0/fulltext.pdf

(2.669 Anschläge, 36 Zeilen, Dezember 2011)

Stichworte: