Widerstand auf der Osterinsel Rapa Nui

Corinna Schaub
Besetzung von Chiles wichtigsten Touristenattraktionen

Jährlich besuchen unzählige Touristen die chilenische Osterinsel Rapa Nui, um die bekannten Moai-Statuen zu besichtigen. Ohne Folgen für die Bewohner bleibt der Andrang auf der Insel nicht. Im März und April besetzten Indigene für drei Wochen den Nationalpark Rapa Nui, um auf den rücksichtslosen Umgang mit Kulturgütern der indigenen Bevölkerung, überfüllte Verkehrsmittel und das Stagnieren der Verhandlungen über ein neues Migrationsgesetz aufmerksam zu machen.

Immer mehr Menschen aus Kontinental-Chile ziehen auf die Insel. So dominiert auf der Insel, deren indigener Name „Rapa Nui“ ist, immer stärker die spanisch-chilenische Kultur. Zudem profitieren Menschen vom Kontinent von der Tourismusindustrie. Schließlich entstehen auch logistische Probleme. Oft seien alle Flug- und Schiff-Tickets zwischen Osterinsel und Kontinent ausverkauft, die Preise stiegen, so der Präsident des “Parlamento Rapa Nui” gegenüber El Ciudadano TV. Nach Kontinental-Chile reisen zu können ist aber unentbehrlich – beispielsweise zu Ausbildungszwecken oder für bestimmte medizinische Behandlungen. Die Blockade wichtiger Kulturgüter ist von großer Bedeutung, da sie den wichtigsten Wirtschaftssektor der Insel betrifft: den Tourismus. Die mediale Resonanz blieb indes relativ gering.

Die indigene Bevölkerung will mehr Mitspracherechte über den Umgang mit ihrem kulturellen Erbe. Insbesondere fordert die Organisation Parlamento Rapa Nui, dass der Nationalpark Rapa Nui von ihnen selber verwaltet werden kann. Derzeit obliegt die Verwaltung noch der CONAF, der Behörde, welche sich um alle chilenischen Nationalparks kümmert.

Am 15. April wurde von Regierungsvertretern und Vertretern der Rapa Nui ein Abkommen über die Verwaltung des Nationalparks Rapa Nui unterzeichnet, wie das Nachrichtenportal CIPER berichtet. Dem Abkommen zufolge soll die Verwaltung des Parks Organisationen der Rapa Nui zugesprochen werden. Die Behörde CONADI, für indigene Anliegen zuständig, sprach von einer historischen Übereinkunft. Die mediale Aufmerksamkeit ist nach dem Ende der Besetzungen noch geringer als zuvor.

Bereits im Jahr 2010 war es auf Rapa Nui zu heftigen Protesten gekommen, woraufhin ein Jahr später mit der Regierung Piñeras über ein Migrationsgesetz für die Insel verhandelt wurde. Anakena Manutomatoma, Mitglied der Kommission für Entwicklung der Osterinsel (Codeipa), erklärt gegenüber der Zeitung La Tercera, die gesetzliche Grundlage für ein Migrationsgesetz sei damals gutgeheißen worden. Der Regierungswechsel im Jahr 2014 habe die Verhandlungen aber wieder zurückgeworfen.

Chile hat Ende des 19. Jahrhunderts das in Polynesien liegende Rapa Nui erobert und kolonisiert. Von 1953 bis 1965 unterstand es direkt dem chilenischen Militär. 1966 erlangten die Einwohner der Insel die chilenische Nationalität. Heute gehört sie als Gemeinde zu Chiles fünfter Region.

Corina Schaub studierte Philosophie und Geschichte in Zürich und lebt in Santiago de Chile.

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von "amerika21", einem Portal für Nachrichten und Analysen aus Lateinamerika und der Karibik (https://Amerika21.de/).

(2.846 Zeichen, Juni 2015, TW 79)

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