Vorsichtig zuversichtlich

Christina Kamp
"Bericht aus der Zukunft. Wie der grüne Wandel funktioniert"

Notwendige Veränderungen, die gestern noch als unmöglich galten, sind heute zukunftsweisend und werden morgen unseren Alltag bestimmen, postuliert Autor Marcus Franken in seinem von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Buch "Bericht aus der Zukunft. Wie der grüne Wandel funktioniert".

Er zeigt Beispiele für einen grünen Wandel, wie er heute schon im Gange ist – allerdings nur in den Bereichen, wo es tatsächlich zunehmend erfolgreiche Lösungsansätze gibt: erneuerbare Energien, innovative Mobilitätskonzepte wie Carsharing-Modelle, neue Technologien wie Benzin-Elektro-Hybridfahrzeuge, Energieeffizienz in den Städten und Nachhaltigkeitsinitiativen der Wirtschaft. Andere Bereiche, wie die globale Tourismuswirtschaft und insbesondere den wachsenden Flugverkehr, klammert er aus. Doch was auf der Straße funktioniert, funktioniert in der Luft noch lange nicht.

Oft sind es nicht die Technologien, die fehlen. "Aus pflanzlich hergestellten Kohlenstoffverbindungen lässt sich jeder Treibstoff bis hin zum Flugkerosin synthetisieren", schreibt Daniela Thrän in einem Gastbeitrag. "Aber die Mengen an Brennstoffen, die mit den weltweit täglich geförderten 80 Millionen Tonnen Öl auf den Markt kommen, können sie bei Weitem nicht ersetzen." Biomasse sollte in Bereichen angewendet werden, "in denen bisher keine Antriebsalternativen absehbar sind, wie etwa im Flugverkehr". Biokerosin lasse sich aus ölhaltigen oder holzartigen Biomassen herstellen und könne als Beimischung oder Reinkraftstoff eingesetzt werden. "Beides ist technisch erprobt", so Thrän. Ein Beispiel, das Marcus Franken anführt, zeigt jedoch, wie groß das Missverhältnis zwischen dem Möglichen und dem Nötigen ist: "Algen könnten die Abwässer Neuseelands in Kerosin umwandeln und damit 10 Prozent des Bedarfs des inländischen Flugverkehrs abdecken". Zehn Prozent sind noch nicht viel. Da gibt es wohl wenig Anlass zur Zuversicht.

Trotzdem meint der Autor, mit dem Ansatz, dass die Welt eine bescheidenere werden und der Mensch sich ändern müsse, könne man gerade beim Klimaschutz oder dem ökologischen Wandel unserer Produktions- und Konsummuster nur verlieren. "Die Welt muss davon überzeugt sein, dass es keine großen Wohlstandsverluste gibt, wenn man auf die Ausbeutung billiger fossiler Rohstoffe verzichtet und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe etabliert", so Franken. Doch die Frage, wie es in Bereichen aussieht, wo die Industrie vom Verzicht auf fossile Rohstoffe noch so extrem weit entfernt ist wie in der Luftfahrt, bleibt unbeantwortet.

Der "Bericht aus der Zukunft" soll "ein Buch der Zuversicht in schwierigen Zeiten" sein. In der Tat kann es hoffnungsfroh stimmen, dass eine "neue industrielle Revolution" vielerorts schon begonnen hat. Doch der Autor betont auch, dass das Tempo deutlich erhöht werden müsse, um den Wettlauf mit der ökologischen und sozialen Krise zu gewinnen. Und es stellt sich die Frage, ob der "grüne Wandel" wirklich funktionieren kann, wenn man so wichtige Wirtschaftsbereiche wie den Tourismus ausklammert. Am Ende bleibt die Hoffnung auf die beeindruckende Innovationskraft der Menschen überall auf der Welt.

Bericht aus der Zukunft. Wie der grüne Wandel funktioniert. Von Marcus Franken, Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), oekom verlag, München 2013, ca. 304 Seiten, ISBN978-3-86581-416-6

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