Volunteer Tourismus – Eine kritische Bestandsaufnahme des derzeitigen Angebotes in Österreich

Eva Karner

Problemstellung: Der Volunteer Tourismus zählt derzeit zu den am schnellsten wachsenden Nischentourismus-Markt weltweit. Signifikante Erhöhungen, vor allem in der Anzahl der kommerziellen Betreiber, haben das Gesicht der Branche verändert. Touristen kombinieren gerne eine Reise mit einer guten Tat und folgendem Grundgedanken dahinter: Tu etwas Gutes und habe Spaß dabei. Gleichzeitig reagieren jüngste Studien sehr vorsichtig auf diese Entwicklung, da sich die Industrie des Freiwilligentourismus zu einem milliardenschweren Geschäft entwickelt hat. Die Mehrheit der Projekte sieht eine Zusammenarbeit mit Kindern vor, nur gibt es kaum Maßnahmen zum Kindesschutz. In Anbetracht dieser Sachverhalte, stellt sich die Frage ob sich hier ein Markt mit Grauzonen entwickelt.

Fragestellung: Welche Anbieter und Angebote von Volunteer-Tourismusprogrammen gibt es derzeit in Österreich?

Methode: Literatur mit dem Fokus Volunteer Tourismus, Kinderschutz, Gesetzliche Grundlagen, Freiwilligenarbeit wurde aus Büchern, Journals, und Dokumenten aus dem Internet verwendet. Der empirische Teil der Forschungsarbeit setzt sich aus einer Bestandserhebung des Volunteer Tourismus Marktes in Österreich mit Mystery Checks, Interviews von Anbieter und Volunteers zusammen. Darüber hinaus wurden Experteninterviews zum Thema Kinderschutz und der Gesetzeslage in Österreich durchgeführt.

Ergebnisse: Bei der Marktanalyse wurde ein großer Unterschied zwischen kommerziellen Anbieter und NGOs verzeichnet. Es hat sich herausgestellt, dass es sich vor allem bei kommerziellen Anbietern um einen unregulierten Markt handelt. Die nachfolgenden fünf zentralen Problemfelder inklusive Lösungsansatz wurden vom Autor definiert.

1.Bewerbungsprozess+ Kenntnisse: Es gibt keine etablierten Standards zur Bewerberauswahl wie z.B. Motivationsschreiben, Lebenslauf, Strafsregisterauszug, persönliches Gespräch. Es werden zwar Sprachkenntnisse verlangt, über diese müssen jedoch keine Nachweise gebracht werden. Lösungsansatz: Der Anbieter verspricht keine Einsatzgarantie und durch die Einforderung bestimmter Nachweise wie z.B. Motivationsschreiben, Lebenslauf, Sprachnachweis, Strafsregisterauszug, Mindestalter, Mindesteinsatzdauer und je nach Projekt Nachweis von fachlichen Kompetenzen, stellt er die Auswahl von qualitativen Teilnehmern sicher.

2. Vorbereitung der Freiwilligen. Gute inhaltliche Vorbereitung der Freiwilligen ist in den meisten Fällen nicht gegeben. Wenn Vorbereitungskurse vorhanden sind, sind
diese nicht verpflichtend. Es erfolgt auch keine Erfassung der Erwartungshaltung von Freiwilligen. Lösungsansatz: Hier benötigt es Standards wie ein verpflichtendes persönliches Vorbereitungsgespräch via Skype/Telefon, die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar, Austausch mit ehemaligen Teilnehmern oder öffentliche Infoveranstaltungen. Eine Erfassung der Erwartungshaltungen wäre wichtig um etwaige Missverständnisse und falsche Erwartungen von einem Freiwilligeneinsatz aus dem Weg zu räumen.

3. Mindestaufenthaltsdauer im Projekt: Bei der Kommerzialisierung der Freiwilligenarbeit hat vor allem die Mindestaufenthaltsdauer, die derzeit in den meisten Fällen bei zwei Wochen liegt, sehr stark abgenommen. Vor allem für Kinder stellt der ständige Wechsel von Bezugspersonen einen enormen Stress dar. Lösungsansatz: Die Mindestaufenthaltsdauer bei der Arbeit mit Kindern gehört auf ein halbes Jahr angehoben. Bei Volunteeringeinsätze im Umweltbereich, wo es z.B. um das Zählen von Populationen oder das Aufsammeln von Müll geht, ist es überhaupt kein Problem, dass Volunteers kürzer arbeiten. Voraussetzung sollte sein, dass es trotz kurzer Einsatzzeit eine gute inhaltlich Vorbereitung gibt.

4. Kindesschutz: Der Kindesschutz wird im Voluntourismus inadäquat durchgeführt, bzw. findet in den meisten Fällen gar nicht statt. Lösungsansatz: Es gehören bei allen Anbietern Kindesschutzrichtlinien eingeführt. Teilnehmende sollen nachweislich über notwendige Fakten informiert und in die Thematik des Kindesschutzes eingeführt werden. Des Weiteren soll die Überlegung angestellt werden, als kommerzieller Anbieter, auf das Angebot von Freiwilligenarbeit in Waisenhäuser und Kinderheimen zu verzichten.

5. Gesetzliche Regelung: Es fehlen gesetzliche Grundlagen in Österreich. Trotz des Bestehens eines Freiwilligengesetzes (FreiwG) ist nicht klar, wo das Themenfeld Volunteer-Tourismus gesetzlich einzugliedern ist. Lösungsansatz: Den Volunteer Tourismus gesetzlich in Österreich einordnen und auch auf Europaebene eine Lösung finden, da die meisten Anbieter die in Österreich anbieten ihren Unternehmenssitz in Deutschland haben. Denn eine einheitliche gesetzliche Regelung stellt das Fundament für eine regulierte Vermittlung von Freiwilligenarbeit im Ausland dar

Stichworte: