Urlaub machen und Gutes tun?

Vom Freiwilligendienst zum Voluntourismus

Voluntourismus– das heißt kurzzeitige Freiwilligeneinsätze mit hohem Abenteuer- und Erlebnisgehalt – hat in den letzten Jahren in Deutschland und anderen europäischen Ländern massiv an Bedeutung gewonnen. Ob nur einen Tag spontan im Urlaub mithelfen, eine Woche im Anschluss an eine Safari-Reise oder gar ein bis drei Monate in einem Projekt – im Internet und in Reisekatalogen lassen sich viele unterschiedliche Angebote finden. In Amerika, Australien und Neuseeland ist Voluntourismus schon seit etlichen Jahren beliebt, in Europa entwickelt sich der Markt gerade.

Zunehmend entdecken auch kommerzielle Veranstalter das mittlerweile lukrative Geschäftsfeld „Reisen und Helfen“. Während die Freiwilligendienste immer touristischer und kommerziell marktfähiger werden, besteht die Gefahr, dass die Bedürfnisse zahlender Touristen zunehmend im Mittelpunkt stehen und die Interessen der lokalen Bevölkerung in den Hintergrund treten.

Wie eine Recherche von Tourism Watch - Brot für die Welt gemeinsam mit der Kinderrechtsorganisation ECPAT Deutschland und dem Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung aus der Schweiz zeigt, sind wichtige Kriterien für verantwortungsvolle Freiwilligenarbeit noch lange kein Standard in der Branche. Dazu gehören der wirksame Schutz von Kindern und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Organisationen vor Ort. Es ist bei weitem nicht selbstverständlich, dass die Interessen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort im Mittelpunkt stehen. Durch mangelnde Vor- und Nachbereitung bleiben viele Potenziale für entwicklungspolitisches Lernen beim Voluntourismus ungenutzt.

Die Publikation „Vom Freiwilligendienst zum Voluntourismus“ beschreibt deshalb Anforderungen an Reiseveranstalter, wie sie kurzzeitige Freiwilligeneinsätze verantwortungsvoll gestalten und Risiken insbesondere für Kinder mindern können. Auch die Freiwilligen selbst können dazu beitragen, dass ihr Einsatz positiv wirkt, zum Beispiel indem sie einen seriösen Anbieter wählen. Zudem sollten sie die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen und die richtige Balance aus Vorerfahrung, Motivation und verfügbarer Zeit finden, um darauf aufbauend das passende Projekt zu identifizieren.

Vom Freiwilligendienst zum Voluntourismus. Herausforderungen für die verantwortungsvolle Gestaltung eines neuen Reisetrends. Brot für die Welt. Profil 18. Berlin, 2015. Download:http://tourism-watch.de/files/profil18_voluntourismus_final.pdf (deutsch), http://tourism-watch.de/files/profil18_voluntourism_final_en.pdf (englisch)

-tw-

(2.186 Zeichen, März 2015, TW 78)

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