Umweltzeichen im Tourismus: Analyse der Anbieter- und Nachfrageseite am Fallbeispiel „EcoLabel für Luxemburger Tourismusbetriebe

Martina Kreucher (April 2010)
Diplomarbeit

Obwohl touristische Umweltzeichen bereits seit den 1970er Jahren in unterschiedlichen Ausprägungen existieren, haben sie es nicht geschafft, sich als anerkannte Instrumente zur Schaffung von mehr Umweltbewusstsein auf dem Tourismusmarkt durchzusetzen. Infolge dieser Ausgangslage zielte die Verfasserin in der vorliegenden Arbeit darauf ab der Frage nachzugehen, wie touristische Umweltzeichen konkret gestaltet sein sollten, um ihre Wirkungspotenziale vollständig auszuschöpfen.

Die Beantwortung dieser Frage setzte zunächst eine ausführliche Erläuterung zu Grundlagen von Umweltkennzeichnungen im Allgemeinen voraus, bevor diese daraufhin im touristischen Kontext beleuchtet wurden. Eine Analyse aktueller Entwicklungen mitsamt Praxisbeispielen schließt die notwendige theoretische Grundlage zur Forschungsfrage ab.

Darauf aufbauend fokussierte sich die empirische Untersuchung auf das luxemburgische Umweltzeichen EcoLabel. Diese Konzentration auf ein exemplarisches Beispiel ermöglichte es erst, komplexe Wahrnehmungs- und Wirkzusammenhänge aufzudecken und zu bewerten. Hierzu integrierte die Verfasserin innovativ sowohl die Urlauber- als auch die Zeichennehmerperspektive in die Analyse. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Fallbeispiel auf Basis der qualitativen und quantitativen Erhebungsmethode schaffte die Grundlage, Einstellungen und Meinungsbilder der Befragten gegenüber dem EcoLabel ganzheitlich herauszuarbeiten.

Die Ergebnisse verdeutlichen einheitlich, dass die Entwicklung von Umweltzeichen einer Vielzahl von Einflussfaktoren unterliegt. So sind es nicht nur Zeichennehmer, Gründer- und Durchführungsinstitutionen, sondern auch Gäste, Reiseveranstalter und Reisebüros sowie die Umweltpolitik eines Staates, die einen enormen Beitrag zum Erfolg von Umweltzeichen leisten müssen. Nur eine ausreichende Auseinandersetzung aller am Tourismusmarkt Beteiligten mit touristischen Umweltzeichen kann zur Etablierung der „Bio-Ecke" im „Supermarkt Tourismus" und somit letztendlich zu mehr Umweltschutz im Tourismus führen.

Die abgeleiteten Maßnahmenempfehlungen für das EcoLabel greifen die Erkenntnisse der durchgeführten empirischen Untersuchung auf und verdeutlichen Perspektiven zur Weiterentwicklung dieses Umweltzeichens. Im Zentrum stehen dabei die beteiligten Akteure des Umweltzeichens: Die Gründer- und Durchführungsinstitution sowie die Zeichennehmer. In Zukunft wird deren Aufgabe insbesondere darin bestehen, der Vermarktung sowie der Kommunikation untereinander größere Aufmerksamkeit zu schenken, um die Bekanntheit des EcoLabels einerseits zu fördern sowie andererseits Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Umweltzeichens vorzubeugen.

Zur Beantwortung der eingangs vorgestellten Forschungsfrage, konnte die Verfasserin zum Einen konkrete Vorschläge zur Effektivitätssteigerung des EcoLabels ausarbeiten, zum Anderen aktuelle Daten zur Weiter- und Neuentwicklung von touristischen Umweltzeichen im Allgemein liefern. Weiterer Forschungsbedarf besteht in folgenden Fragestellungen, denen die Verfasserin in ihrer Untersuchung nicht nachgehen konnte:

  • Wie könnte ein Abstufungssystem für das EcoLabel gestaltet sein, um mehr Zeichennehmer zu gewinnen und gleichzeitig die Qualität beizubehalten?
  • Inwiefern wird das neue Akkreditierungssystem des TSC zur Qualitätssicherung und Übersichtlichkeit von Umweltzeichen weltweit beitragen?
  • Welche neuen Ansätze der Zertifizierungen im Tourismus (z. B. Markenansatz) sind in den letzten Jahren entstanden und wie ist deren Resonanz im Vergleich zu Umweltzeichen?

Die dynamische Entwicklung neuer Kennzeichnungen wird die allgemeine Etablierung von Umweltzeichen im Tourismus zukünftig sicherlich erschweren. Dennoch könnte das neue weltweite Akkreditierungssystem des TSC sowie die zunehmende Bevölkerungssensibili-sierung bezüglich Umweltschutz den Erfolg von Umweltzeichen durchaus positiv beeinflussen. Bei der erfolgreichen Etablierung eines Umweltzeichens ist es wichtig, die Bedeutung des langfristig und primär angestrebten Ziels - den Umweltschutz - beizubehalten.

Es bleibt letztendlich abzuwarten, wie sich das EcoLabel und die zahlreichen anderen Umweltzeichen im Tourismus in Zukunft entwickeln werden. Jedoch soll diese Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur notwendigen Belebung des Diskurses liefern und somit die Etablierung von touristischen Umweltzeichen erfolgreich unterstützen.

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