Überfüllung vermeiden

Laura Jäger
„Coping with Success – Managing Overcrowding in Tourism Destinations”

„Es ist einfacher, touristische Überfüllung zu vermeiden, als sich von ihr zu erholen“ – ist eine zentrale Erkenntnis der Studie „Coping with Success – Managing over-crowding in tourism destinations”. Die globale Beratungsfirma McKinsey hat gemeinsam mit dem World Travel and Tourism Council (WTTC) ein Analyseraster veröffentlicht, dass es Destinationen ermöglicht, Überbelastungen auf Grund zu hoher Touristenzahlen zu erkennen. Dazu wurden neun Indikatoren entwickelt, die statistisch einfach erhoben werden können und eine erste Abschätzung des Überfüllungs-Risikos ermöglichen.  Die Limitationen dieser statistischen Indikatoren sind den Herausgebern sehr bewusst, so dass sie dringend die Ergänzung der Indikatoren um differenziertere Analysen empfehlen. Sie geben beispielsweise zu bedenken, dass eine als angemessen empfundene Zahl von Reisenden nicht allein technisch berechnet werden kann, sondern durch Befragungen und Dialogformate mit Anwohnern und zivilgesellschaftlichen Gruppen konkretisiert werden muss. Auch in Bezug auf andere Faktoren, wie Wohnraumkonflikte durch die sogenannte sharing economy oder die Einbindung lokaler Unternehmer in den Tourismus bedürfen einer differenzierten Diagnostik auf lokaler Ebene.  Man merkt der Studie leider an einigen Stellen an, dass mit dem WTTC der weltweite Branchenverband des Tourismus, als Herausgeber beteiligt war. Im Portfolio der beispielhaften Aktivitäten finden sich kaum Innovationen und viele Maßnahmen, die das Tourismuswachstums als solches nicht in Frage stellen – Reduzierungen von Besucherzahlen, wie sie von vielen Umweltorganisationen und sozialen Bewegungen gerade in den Destinationen gefordert werden, spielen kaum eine Rolle.

Trotzdem sind der Studie zwei wichtige Impulse gelungen: Erstens relativiert sie den Fokus der Overtourism Debatte auf europäische Großstädte und erweitert den Blick auf Destinationen auch in Entwicklung- und Schwellenländern und zweitens macht sie deutlich, dass Overtourism verhindert  und nicht nur gemanagt werden sollte. Dazu sind langfristige und verantwortungsvolle Tourismusstrategien notwendig, die an den lokalen Realitäten ansetzen und die lokale Bevölkerung einbeziehen.

McKinsey & Company and World Travel & Tourism Council (2017): Coping with success: Managing overcrowding in tourism destinations.61 Seiten.

Weitere Artikel und Studien zum Thema:

ITB World Travel Trends Report 2017/2018

Im Rahmen  des World Travel Monitors 2017, einer repräsentativen Befragungen von 29.000 Reisenden aus 24 Ländern Asiens, Europas und Amerikas gaben 25% aller Befragten an, dass ihr Reiseziel in diesem Jahr stark überlaufen war. 9 Prozent aller Befragten, das entspricht hochgerechnet 100 Millionen internationalen Touristen, gaben an, dass diese Überfüllung sich negativ auf ihr Reiseerlebnis ausgewirkt habe. Overtourism ist damit nicht nur ein Problem der betroffenen Menschen in den Reiseländern, sondern der Tourismuswirtschaft als ganzes. Folgerichtet beschäftigt sich „ITB World Travel Trends 2017/2018“ in einem ganzen Kapitel mit dem Thema.

Dr. Martin Buck und David Ruetz. Messe Berlin GmbH und IPK International (Hg.).(2018): ITB World Travel Trends Report 2017/2018: BOOM OR BUST ? WHERE IS TOURISM HEADING. Berlin. 31 Seiten.

Tourism Should be regulated, before it is too late

In seinem Blog setzt sich der argentinisch-italienische Journalist Roberto Savio kritisch mit dem Wachstumstrend des Tourismus auseinander. Er fordert klare und verbindliche Regulierungen, um den Tourismus verantwortungsvoll zu managen. Er denkt das Thema Overtourism aber auch weiter: Was bedeutet Besuchermanagement konkret? Wenn die Anzahl der Touristen tatsächlich reduziert wird,auf welcher Basis wird entschieden, wer reisen darf und wer nicht?. Anhand des Geldbeutels, wie es bisher zumeist geschieht, wenn die Eintrittspreise angehoben werden? Oder auf Grundlage weicherer Faktoren, wie der Vorbildung zu bestimmten Themen? Das sind unbequeme Fragen – aber sie zeigen wie grundlegend die Herausforderungen im Bereich Overtourism sind.

Roberto Savio (2018): Tourism Should Be Regulated Before It Is Too Late. Other News, 09.01.2018

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